Doppeladler-Jubel
«Meine Familie verdankt der Schweiz alles» – das sagt Shaqiri über seine zwei Heimaten

Xherdan Shaqiri erhitzt die Gemüter in der Schweiz mit seinem Doppeladler-Jubel gegen Serbien. Doch hinter dem Jubel steckt ganz einfach die Geschichte eines Sportlers mit zwei Herzen in seiner Brust.

Adrian Bürgler
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Kopie von So feiert der Kosovo das Spiel Schweiz-Serbien
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In Gjilan halten Fans Shaqiris Trikot.
Granit Xhaka feiert sein Tor mit gekreuzten Händen - dem Symbol für den albanischen Doppeladler.
Schweizerfahne in Gjilan - die Fans feiern den Sieg gegen Serbien.
Granit Xhaka feiert sein Tor mit gekreuzten Händen - dem Symbol für den albanischen Doppeladler.
Fans feiern in Gjilan den Schweizer Sieg.
Granit Xhaka feiert sein Tor mit gekreuzten Händen - dem Symbol für den albanischen Doppeladler.
Xhaka schiesst den Ausgleich.

Kopie von So feiert der Kosovo das Spiel Schweiz-Serbien

Keystone

Dass die Situation für Doppelbürger, die im Sport nur für eine ihrer beiden Nationen antreten können, nicht immer einfach ist, leuchtet offenbar nicht allen ein. Für Menschen ohne Migrationshintergrund ist es kaum nachzuvollziehen, wie es sich anfühlt mit zwei Herzen in der Brust zu leben.

In der Schweizer Startelf standen beim Sieg gegen Serbien sieben Spieler mit einer Doppelbürgerschaft. Darunter auch die beiden Torschützen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri.

Beide bejubeln ihre Tore beim 2:1-Sieg gegen Serbien, indem sie mit ihren Händen den albanischen Doppeladler formen. Shaqiri zeigt kurz danach mit dem Finger auch aufs Schweizer Kreuz. Der vierfache WM-Torschütze erklärt in einem heute erschienen Artikel bei der «Players Tribune», wie er zur Schweiz und zum Kosovo steht.

«Ich glaube, meine Gefühle für die Schweiz werden oft missverstanden», erklärt Shaqiri und fährt fort: «Ich habe zwei Heimaten. So ist es einfach.»

Seine Eltern seien mit nichts in die Schweiz gekommen. Sie hätten hart gearbeitet, um ihren Kindern ein tolles Leben zu ermöglichen und hier die Chance zu erhalten. «Meine Familie verdankt der Schweiz alles, und ich versuche in der Nationalmannschaft alles wieder zurückzugeben.»

Aber immer, wenn er in den Kosovo gehe, habe er das selbe Gefühl von Heimat. «Das ist nicht logisch. Es ist einfach, wie ich mich fühle», sagt der in Basel aufgewachsene Mittelfeldspieler.

Shaqiri versteht den Wirbel um das Thema überhaupt nicht. Als er 2012 bei einem Spiel der Schweiz gegen Albanien zum ersten Mal die Flaggen der Schweiz, Albaniens und des Kosovos auf den Schuhen hatte, wurde er dafür kritisiert. «Es ist für mich verrückt, dass die Leute das stört. Dabei ist es doch nur meine Identität.»

WM 2018: Schweiz - Serbien, die Bilder zum 2. Gruppenspiel
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Captain Stephan Lichtsteiner jubelt - es spricht Bände
Xherdan Shaqiri enteilt Dusko Tosic und trifft in den Schlussminuten zum 2:1-Siegtreffer!
Xherdan Shaqiri tunnelt Torhüter Vladimir Stojkovic
Auch Xherdan Shaqiri lässt sich zum Doppeladler-Jubel hinreissen
Kraftwürfel Shaqiri zieht für den Jubel sein Trikot aus
Und zeigt den Adler
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Eine Geste, die zu reden geben wird: Granit Xhaka macht nach seinem Weitschuss-Traumtor den Adler
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Gesprächsbedarf zur Pause: Xherdan Shaqiri diskutiert mit Aleksandar Mitrovic
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Mitrovic bringt Serbien dank eines Kopfballtreffers in Führung
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Die Startelf der Schweizer
Die Startelf der Serben
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Er trägt sie: Xherdan Shaqiris Kickschuhe mit der Schweizer und der kosovarischen Flagge.
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LAURENT GILLIERON

Dabei sei das tollste an der Schweiz doch, dass sie ein Land sei, dass alle Menschen wohlwollend aufnimmt, sagt der 26-Jährige gegenüber der «Players Tribune». Dabei geht er auch noch auf seine Kindheit in Basel ein. Er spricht über kalte Nächte in einem Bauernhaus und über das fehlende Geld in seiner Familie. Und darüber, dass er in einem Park in Basel mit Serben, Türken, Afrikanern und Albanern gelernt hat, Fussball zu spielen.

«Die Schweiz hat Berge und Seen und all dieses Zeugs. Aber die Schweiz hat auch diesen Park mit Menschen aus all diesen Nationalitäten. Die Schweiz ist für alle», sagt Shaqiri.

An der Fussball-WM in Russland hat Shaqiri wieder die Schweizer Flagge und jene Kosovos auf seinen Schuhen. Das sei nichts Politisches, sondern ganz einfach die Geschichte seines Lebens. Und: «Keine Sorge, die Schweizer Flagge ist auf meinem linken Fuss.» Dem Fuss, mit dem er die Schweiz zum Sieg gegen Serbien geschossen hat.