Fussball
«Mein Paradies ist die Schweiz» - trotzdem wird Ex-Aarauer abgeschoben

17 Jahre hat Paulinho Menezes in der Schweiz gelebt, gespielt, gejubelt. Auch für den FC Aarau war der Brasilianer mit Herzblut dabei. Doch jetzt muss er die Schweiz verlassen: Das SEM verlängert seine Arbeitsbewilligung nicht.

Mira Güntert
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Sechs Jahre spielte Paulinho Menezes für den FC Aarau.

Sechs Jahre spielte Paulinho Menezes für den FC Aarau.

Keystone

«Wie ein Schlag in den Nacken» sei es gewesen. Paulinho Menezes spricht im «Blick» über den schlimmsten Moment seines Lebens. Über den Moment, als dem 33-Jährigen das Staatssekretariat für Migration mitteilte, dass er die Schweiz verlassen müsse und fortan weg von seiner Schweizer Freundin und dem gemeinsamen dreijährigen Sohn in sein Heimatland Brasilien zurückkehren müsse.

Doch was ist passiert? Auf Ende der Saison 2014/2015 läuft Paulinhos Vertrag beim FC Winterthur aus - und wird nicht verlängert. Doch 1.-Ligist Servette zeigt Interesse, die Verpflichtung des Brasilianers scheint nur noch reine Formsache zu sein.

Vom Amt abgeschoben

Doch Servette macht die Rechnung ohne das Staatssekretariat für Migration (SEM), das die Aufenthaltsbewilligung des Abwehrspielers nicht verlängern will. Vorbei ist die Zeit, in der Paulinho 334 Spiele in der höchsten und zweithöchsten Schweizer Spielklasse absolviert hat.

Bei seinem Entscheid, den Brasilianer des Landes zu verweisen, stützt sich das SEM auf das Ausländergesetz für Bürger aus Drittstaaten. Kurz erklärt: Wer eine Aufenthaltsbewilligung bekommen möchte, muss zwingend einen gültigen Arbeitsvertrag vorweisen können. Fussballspieler bekommen nur eine Bewilligung, wenn sie einen Vertrag mit einer Challenge-League- oder Super-League-Mannschaft abgeschlossen haben.

Angefangen hat alles im Aargau

Als Paulinho 1999 in die Schweiz kam, wurde er vom FC Baden verpflichtet. 2003 wechselte er kantonsintern zum FC Aarau, wo er bis 2009 spielte. Danach ging seine Schweizerreise weiter mit Halt bei GC, einem Abstecher ins Tessin zum FC Lugano und dem letzten Aufenthalt beim FC Winterthur.

Am Hute des Zuckerhuts

Mittlerweile lebt Paulinho bei seiner Mutter in Brasilien, nahe von Rio de Janeiro. Am 30. September musste er sein kleines Familienglück zurücklassen. Er selber sagt: «Mein Paradies ist die Schweiz. Ich möchte zurück.»

Die Gründe, warum Paulinho seine 17 Jahre in der Schweiz nicht genutzt hat, um den roten Pass zu bekommen, sind unterschiedlich. Die grosse Anzahl an Dokumenten, die vielen Fragen, die man beantworten muss, und schlussendlich die Zeit, die dann nicht mehr reichte.

Um fit zu bleiben, trainiert Paulinho bei der brasilianischen Drittliga-Mannschaft São Gonçalo. Und hat Träume: Er möchte seine Freundin Silvia heiraten - doch bis alle Dokumente übersetzt sind, wird noch einige Zeit vergehen. Auch sportlich hat der Brasilianer noch nicht aufgegeben: Er trainiert hart, schuftet danach zusätzlich im Kraftraum und sagt: «Ich will zurück in die Schweiz. Zu meiner Familie. Auf die Schweizer Fussballplätze.»