EM-Qualifikation

Mehr als nur ein Fussballspiel für den Kosovo

Bernard Challandes könnte in den kommenden fünf Wochen als Nationaltrainer Kosovos die historische EM-Qualifikation perfekt machen

Bernard Challandes könnte in den kommenden fünf Wochen als Nationaltrainer Kosovos die historische EM-Qualifikation perfekt machen

Der Kosovo hat die grosse Chance zur Qualifikation für die EM im Sommer 2021. Für die Mannschaft von Bernard Challandes geht es in der Barrage auch darum, sich als unabhängige Nation zu präsentieren.

Vor einem Jahr war der Kosovo bereits nahe dran, sich in der Qualifikation das Ticket für die Euro 2020 zu sichern. Nun hofft das jüngste Mitglied der UEFA, das vorerst Verpasste nachzuholen.

In den Halbfinals der Barrage, die wegen der Corona-Pandemie vom Frühling auf diesen Herbst verschoben werden musste, trifft der Kosovo auf Nordmazedonien. Sofern diese Hürde übersprungen wird, fehlt der Equipe noch ein Sieg - am 12. November gegen den Sieger des Duells Georgien gegen Weissrussland.

Im Kosovo sprechen sie vom wichtigsten Spiel in der Geschichte des Nationalteams. Das kleine Land, das nach dessen Unabhängigkeitserklärung 2008 von Serbien nie anerkannt worden ist, definiert sich über die Fussball-Nationalmannschaft.

"Die Spieler tun mehr für unsere Anerkennung auf der internationalen Bühne als unsere Diplomatie", sagte der 41-jährige Taxifahrer Arsim Mehana gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Ein Team von Flüchtlingen

Erst 2016 wurde das Gebiet mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern Mitglied der UEFA und FIFA, sehr zum Leidwesen Serbiens. "Es ist nicht nur ein Fussballspiel. Wir sind in einem neuen Land, der Kosovo und die Fussballmannschaft ist für die Menschen hier sehr wichtig", betont Bernard Challandes.

Der Neuenburger gilt als Baumeister des Erfolgs. "Er bringt Kontinuität", sagte der Verbandspräsident Eroll Salihu. "Unsere Spieler haben kosovarische Wurzeln, aber sie kommen aus verschiedenen Nationen und Staaten. Sie vereinen sich durch Disziplin und Selbstvertrauen zu einer starken Mannschaft."

Kein Spieler ist in der heimischen Liga beschäftigt. Die meisten der Teammitglieder sind Kinder der albanischen Flüchtlinge, die in den Neunzigerjahren vor dem Regime des ehemaligen Belgrader Machthabers Slobodan Milosevic geflüchtet sind. Ein grosser Teil der Mannschaft ist in der Schweiz geboren.

Challandes mit Sorgen

2018/2019 gelang der kosovarischen Nationalmannschaft das Kunststück, 15 Wettbewerbsspiele ohne Niederlage zu überstehen. Erst England fügte dem Kosovo im letzten September eine Niederlage zu (5:3).

Vor dem Spiel gegen Nordmazedonien plagen Challandes dennoch Sorgen. Verschiedene Spieler sind verletzt, andere konnten in den letzten Monaten wegen der Corona-Pandemie kaum trainieren. "Wir haben mehr als zwei Jahre auf dieses Spiel gewartet und jetzt sind wir in dieser Situation", sagte Challandes. Es gelte, das Beste daraus zu machen, "Alternativen haben wir nicht".

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