Schiedsrichter

Massimo Busacca will in den Final

Die Schiedsrichter werden auch in Südafrika wieder im Mittelpunkt stehen

Die Schiedsrichter werden auch in Südafrika wieder im Mittelpunkt stehen

30 Schiedsrichter aus aller Welt wurden für die WM in Südafrika nominiert. Obwohl sie möglichst nicht auffallen wollen, sind sie nicht ohne Ambitionen. Der Tessiner Massimo Busacca macht da keine Ausnahme.

Nicht nur die 736 Spieler träumen insgeheim davon, am 11. Juli ins Soccer-City-Stadion von Johannesburg einzulaufen. Auch für die Schiedsrichter ist der WM-Final der grosse Traum. Von Amtes wegen sind die Männer in schwarz eher unscheinbar und in ihren Äusserungen diplomatisch. Die wenigsten tragen ihren Ehrgeiz exzessiv zur Schau oder sprechen vom Konkurrenzkampf innerhalb der Schiedsrichter-Gilde. Doch ambitioniert sind sie alle.

Die Trios müssen wochenlang beruflich zurückstecken, um sich auf den grossen Event vorzubereiten und dabei auch noch finanzielle Einbussen in Kauf nehmen. Sie mussten sich seit Februar 2007 während Lehrgängen und bei Tests die WM-Nomination verdienen: 40-Meter-Sprints in unter 5,6 Sekunden absolvieren oder 3200 Meter in zwölf Minuten rennen. Auf die Ernährung achten gehört genauso zum Alltag eines Schiedsrichters wie mit den Anfeindungen der Fans und Spielern zurechtzukommen.

Und wofür das alles? Sie wollen die grossen Spiele leiten. "Sie sind alle ehrgeizig. Am Anfang des Turniers sind die Schiedsrichter eher eine verschworene Gruppe. Sie haben zusammen viel durchlebt, die verschiedenen Reduzierungen des Aufgebots überstanden. Doch ab den Achtelfinals nimmt die Anspannung zu. Jeder will möglichst weit kommen. Aber natürlich bleibt der Konkurrenzkampf fair", erzählt Urs Meier, der Schweizer Schiedsrichter-Chef, der 1998 und 2002 bei Weltmeisterschaften im Einsatz stand.

"Man muss grosse Ziele haben"

Massimo Busacca, Meiers Nachfolger, der schon vor vier Jahren Schweizer WM-Schiedsrichter war, macht aus seinen Ambitionen kein Geheimnis: "Den Final zu pfeifen ist mein Ziel. Man muss immer grosse Ziele haben. Ansonsten würde es mir an Ehrgeiz fehlen und ich könnte gleich zuhause bleiben." Vor zwei Jahren bei der EM im eigenen Land leitete der Italiener Roberto Rosetti den Final, Busacca musste sich mit dem Halbfinal Deutschland - Türkei zufrieden geben. Obwohl er sich damals sportlich fair zur Wahl äusserte, gibt er zu: "Es war eine Enttäuschung."

Zusammen mit seinen Assistenten Matthias Arnet und Francesco Buragina will er nun Verpasstes nachholen. Das Schweizer Trio ist bei den Schiedsrichtern das, was Spanien bei den Mannschaften ist: der Favorit. 2009, im Jahr in welchem er den Champions-League-Final zwischen Barcelona und Manchester United leitete, wurde Busacca als bester Unparteiischer der Welt ausgezeichnet.

Von seinem Favoritenstatus will der frisch verheiratete 41-Jährige aber nicht reden: "Der Tag an dem du denkst, du hast das Ziel erreicht, ist der Tag an dem du fällst." Wie schnell man fällt, erfuhr er letzten September. Damals zeigte er während eines Meisterschaftsspiels den YB-Fans entnervt den Mittelfinger und wurde drei Spiele gesperrt.

Turnierform entscheidet

Urs Meier weiss, dass einem Schiedsrichter schnell mal ein entscheidender Fehler unterlaufen oder das Abschneiden der spielenden Landsleute eine Nomination für die letzten WM-Partien verhindern kann. "Letzlich entscheiden viele Faktoren darüber, wer den WM-Final pfeift. Und mehr als der Status ist die Turnierform entscheidend. Als weltbester Schiedsrichter nach Südafrika zu reisen, bringt keinen Vorteil."

Dennoch ist Busacca der Schweizer WM-Teilnehmer mit den besten Finalchancen. "Er hat unglaubliche Qualitäten. Er ist physisch und psychisch top. Er kann das Spiel sehr gut lesen und entscheidet oft intuitiv richtig", lobt Meier. Der Tessiner bringt alles mit, um das Rennen gegen seine 29 Konkurrenten für sich zu entscheiden.

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