Schweizer Fussballnationalmannschaft der Frauen
Martina Voss-Tecklenburg: «Jetzt ist der Kopf wieder frei»

Im Februar wurde der Vertrag von Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg verlängert. Jetzt will sie mit den Schweizer Fussballerinnen zu den Olympischen Spielen.

Mira Güntert
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Martina Voss-Tecklenburg.

Martina Voss-Tecklenburg.

KEYSTONE

An einem bewölkten, trüben Tag Mitte Februar empfängt Martina Voss-Tecklenburg Medienschaffende im Haus des Fussballs in Muri bei Bern. Die Trainerin des Schweizer Frauenteams blickt voraus auf das erste Highlight des neuen Jahrs: das Olympia-Qualifikationsturnier von kommender Woche in Holland.

Doch bevor die 48-jährige Deutsche darauf zu sprechen kommt, gibt sie die Verlängerung ihrer Amtszeit als Nationaltrainerin bekannt. «Wir spüren, dass unser gemeinsamer Weg noch nicht zu Ende ist», sagt Voss-Tecklenburg zu ihrer Kooperation mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV). Damit bleibt sie zwei weitere Jahre beim SFV – die Verbandsoberen sind erleichtert. Doch auch Voss-Tecklenburg scheint grossen Gefallen am Engagement in der Schweiz gefunden zu haben: «Es müsste schon ein Jobangebot von einem Verein kommen, wo ganz viele Dinge zusammenpassen, dass man einen Job als Nationaltrainerin aufgibt.»

Die 125-fache deutsche Nationalspielerin übernahm die Schweizerinnen Anfang 2012 und führte sie zu sehenswerten Auftritten. Damit schritt das Team aus der verborgenen Nische und betrat die Bühne des Rampenlichts – auch das breite Publikum nahm plötzlich Kenntnis von «seinem» Nationalteam. Unter den Fittichen von Voss-Tecklenburg hat sich die Schweiz an der erweiterten Weltspitze etabliert und eine Siegesquote von 52,83 Prozent erreicht. Der Aufstieg des Schweizer Frauenfussballs unter Voss-Tecklenburg gipfelte in der erstmaligen Qualifikation für die Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer in Kanada. Im Achtelfinal endete das Abenteuer mit der knappen 0:1-Niederlage gegen Gastgeber Kanada.

Nun ist Voss-Tecklenburg erleichtert, dass der neue Vertrag unter Dach und Fach ist. «Jetzt ist der Kopf wieder frei, ich muss mir keine Gedanken machen um die Zukunft und kann mich auf die wichtigen Dinge konzentrieren», sagt die Deutsche.

Zeit zum Durchatmen bleibt ihr trotzdem nicht. Das nächste Highlight folgt sogleich. Dank dem Vorstoss in den WM-Achtelfinal kämpft die Schweiz gegen Holland, Schweden und Norwegen um den letzten europäischen Platz am olympischen Turnier.

Eine Herausforderung – denn nur der Sieger darf nach Rio. Theoretisch gesehen hat die Schweiz im Turnier die schlechtesten Karten. Auf Platz 20 in der Weltrangliste klassiert, liegt sie klar hinter Schweden (8.), Norwegen (10.) und Gastgeber Holland (12.). Praktisch lässt die Nationaltrainerin diese Zahlen aber nicht gelten: «Ich bin absolut überzeugt, dass wir alle die gleichen Chancen haben, uns zu qualifizieren.»

Voss-Tecklenburg hat grosses Vertrauen in ihr Team. Gemeinsam mit Assistent Simon Steiner, der seine Zusammenarbeit mit dem SFV ebenfalls weiterführt, hat die Nationaltrainerin den Fokus im Trainingslager im Januar gezielt gelegt. «Wir haben bewusst keine Testspiele angenommen. Das Team haben wir gefragt: ‹Was braucht ihr noch, damit wir gut vorbereitet in dieses Turnier gehen? Wo habt ihr das Gefühl, muss man noch intensiv daran arbeiten?› Das haben wir dann gemeinsam gemacht.»

Mit dem gepackten Bündel Selbstvertrauen, den Erinnerungen an die WM im Herzen und im Wissen, dass die Top 20 der Frauen-Weltrangliste derart eng zusammen sind, dass eigentlich nichts unmöglich ist, tritt das Nationalteam heute die Reise nach Holland an.

Im nördlichen Benelux-Staat findet 2017 auch die Europameisterschaft statt. In der laufenden Qualifikationskampagne führen die Schweizerinnen ihre Gruppe nach der Hälfte der Spiele ohne verlorenen Punkt souverän an. Holland könnte also zum goldenen Boden im Geschichtsbuch des Schweizer Frauenfussballs werden – man sieht sich ja bekanntlich immer zweimal im Leben.