Martin Rueda, haben Sie noch daran geglaubt, so stark ins Aufstiegsrennen zurückzukehren?

Martin Rueda: Wir haben gehofft, noch eine Chance zu erhalten. Ich habe dem Team gesagt, dass im Fussball viel passieren kann. Lugano hat in den letzten zwei Jahren am Schluss immer noch Probleme bekommen. Jetzt sind wir in einer super Position und wieder im Rennen.

Lausanne ist seit 2002 nicht mehr in der höchsten Liga vertreten. Ist Euphorie spürbar?

Rueda: Nach dem Sieg von Montag gegen Lugano und dem Wissen, dass wir auf dem 1. Platz stehen, war die Euphorie schon sehr gross. Wir müssen nun aber auf den Boden zurückkehren. Es bleiben noch zwei schwierige Spiele, die wir gewinnen müssen. Wir haben den Sieg ausgekostet, aber nun sind wir voll auf die Partie von Samstag konzentriert. Das ist mit unserem jungen Team nicht ganz einfach, aber wir haben auch viel Zuversicht, die wir aus den Erfahrungen in der Europa League mitnehmen konnten.

Lausannes Erfolg erstaunt noch mehr, wenn man die Doppelbelastung auf der europäischen Bühne in Betracht zieht. Was hat alles für Sie gespielt?

Rueda: Ich kam als neuer Trainer mit neuen Ideen und neuen Impulsen. Das Team war in der Vorsaison zwar mit der Teilnahme am Cupfinal erfolgreich, in der Meisterschaft reichte es aber nur auf Platz 10. Es war eine grosse Lust auf Erfolge da. Die Erfahrung Fabio Celestinis hat bestimmt viel dazu beigetragen.

Und hat auch sein Abgang mitten in der Saison beim zwischenzeitlichen Einbruch Ihrer Mannschaft eine Rolle gespielt?

Rueda: Ohne diesen so wichtigen Spieler war es für das Team eine Herausforderung, sich neu zu finden und zu neuen Automatismen zurückzukehren. Das hat Zeit gebraucht. Zudem haben wir die Strapazen der harten Vorbereitung auf die Rückrunde gespürt. Wir haben in jener Zeit viel Arbeit geleistet und hatten danach Probleme. Jetzt können wir aber davon profitieren.

Wie haben Sie sich in diesem Jahr als Trainer entwickelt?

Rueda: Ich hatte doch schon ein paar Jahre Erfahrung auf diesem Niveau. Mein Engagement im Nachwuchs der Grasshoppers hatte mich in der Zusammenarbeit mit jungen Spielern weiter gebracht, ich konnte mich entwickeln. Eine gewisse Gelassenheit ist auch hinzugekommen. Das war eine wichtige Stufe, die ich durchlaufen musste. Aber ich bin nicht fertig mit meiner Entwicklung und muss Neues dazulernen - dafür bin bereit.

Im Jahr 2004 waren Sie von Januar bis August Trainer beim FC Aarau. Kam Ihr Wechsel in die Super League damals zu früh?

Rueda: Die grössten Fehler geschahen in Aarau auf meiner Seite. Nach meiner Zeit in der Challenge League beim FC Wohlen suchte ich zu schnell den Schritt in die Super League. Ich war noch nicht so weit, um das zu bewältigen, ich konnte mich noch nicht so durchsetzten, wie das heute der Fall ist. Die Mannschaft war zudem bereits auf dem absteigenden Ast, die Konstellation war nicht gut. Aber es war für mich eine gute Erfahrung. Komornicki wurde in Luzern auch bereits abgeschrieben und war später mit dem FC Aarau erfolgreich. Nicht alle Trainer sind gleich schnell. Ich hoffe, dass ich in der Super League wieder eine Chance bekomme.

Im Oberhaus gab es in dieser Saison sieben Trainerwechsel. Wurden Sie nie angefragt?

Rueda: Ich war in St. Gallen im Gespräch. Im Nachhinein muss man sagen, dass man nichts forcieren kann. Es war aber immerhin schön, das Interesse aus der Super League zu spüren. Das bestätigt, dass man gute Arbeit geleistet hat.

Und jetzt steigen Sie aus eigener Kraft in die Super League auf.

Rueda: Wie gesagt: Wir müssen noch zwei Spiele absolvieren, dann sehen wir am 25. Mai, wer auf dem ersten und dem zweiten Platz stehen wird.