Fussball
Martin Ødegaard: Der Jüngste aller Zeiten – ist er auch der beste?

Norwegens Youtube-Sensation Martin Ödegaard kann sich heute in Europas Rekordbücher eintragen. Wenn er am Freitag mit Norwegen gegen Malta spielt, ist er der jüngste, der je in einer EM-Qualifikation gespielt hat.

Dietmar Kramer
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Der erst 15-jährige Martin Ødegaard könnte Geschichte schreiben.

Der erst 15-jährige Martin Ødegaard könnte Geschichte schreiben.

Keystone

Nach Englands Prinz Harry ist Martin Ödegaard derzeit wohl Europas begehrtester Junggeselle. Zwar dürften dem Blondschopf auch bald wie schon dem britischen Windsor-Spross hübsche Frauen en masse Avancen machen, doch momentan stehen bei dem 15-Jährigen erst einmal der FC Barcelona, Bayern München, Manchester United und Co. Schlange. Ödegaard gilt als Juwel – und kann heute Freitag auf Malta in Norwegens Nationalelf als jüngster Spieler in der EM-Qualifikation Fussball-Geschichte schreiben.

«Ich hätte nie geglaubt, dass ich so schnell so weit kommen kann», sagte das Mittelfeldtalent vom zweimaligen Meister Strömsgodset IF auf der Mittelmeerinsel, umringt von Journalisten: «Das ist alles eine grosse Sache, aber für mich ist das alles erst einmal auch eine Überraschung.» Norwegens jüngster Erstliga-Spieler, Erstliga-Torschütze und Nationalspieler ist Ödegaard schon und würde am Freitag mit 15 Jahren und 297 Tagen im Falle eines Einsatzes seinen ersten internationalen Rekord verbuchen. Seit 31 Jahren ist der Isländer Sigurdur Jönsson (1983 ebenfalls auf Malta) mit 16 Jahren und 251 Tagen der jüngste Spieler in der EM-Ausscheidung. Die Bestmarke des jüngsten Torschützen in der EM-Quali könnte für Norwegens «Wunderkind» ebenfalls reine Formsache werden, denn Real Madrids heutiger Superstar Gareth Bale war bei seinem Rekordtreffer für Wales «schon» 17 Jahre und 83 Tage alt.

Der Vergleich mit Messi

Derlei Superlative fordern Vergleiche des mit einem Marktwert von 1,5 Millionen teuersten U16-Spielers der Welt mit den vermutlich Grössten der Branche geradezu heraus: Brasiliens Ikone Pelé kam ebenso wie Argentiniens heutiger Superstar Lionel Messi erst mit 16 Jahren zu Länderspiel-Ehren. Ödegaard, der sogar noch Hausaufgaben mit nach Malta genommen hat, will sich jedoch rein sportlich an Idolen orientieren: «So viel Lob schmeichelt, doch ich möchte mich nicht mit Spielern vergleichen, die so gross sind wie sie. Ich bewundere aber natürlich viele Spieler für ihr Können und versuche, mir ihre Qualitäten abzuschauen, um mich zu verbessern – und Messi ist einer von ihnen.»

Schlagzeilen vom «blonden Messi» wie etwa in brasilianischen Zeitungen erscheinen tatsächlich übertrieben und der medialen Sensationssucht geschuldet, beruhen im Kern allerdings auf Ödegaards Spielweise: Wie der viermalige Weltfussballer kommt Ödegaard als Zehner aus der Tiefe, strahlt aber ebenso im Strafraum Gefahr aus und kann als Standardschütze glänzen.

Heiss begehrt bei den Topklubs

Im Internet ist Ödegaard beinahe schon eine ähnliche «Youtube-Sensation» wie Messi: Die Videos von seinen ersten 19 Spielen in der Tippeligaen und seinen bislang drei Toren sind seit Wochen ein Renner in der Netzgemeinde. Das Ausnahmetalent schon leibhaftig in Augenschein genommen haben die europäischen Spitzenklubs. Sein Vater Hans Erik berichtet über Kontaktaufnahmen «von 30 Vereinen», die Bayern sollen seinen Filius ebenso schon eingeladen haben wie Manchester United oder Real Madrid.

Barcelona lockt angeblich schon für das Ende seines Transferverbotes mit der Reservierung eines Platzes in der weltberühmten La-Masia-Akademie ab Januar 2016.

Ödegaard senior will, eingedenk durchaus mahnender Stimmen von norwegischen Alt-Internationalen wie Lars Bohinen («Martin ist gut genug, aber ist er auch alt genug?»), die nächsten Schritte nicht übers Knie brechen. «Es gibt keinen Zeitplan für Martins Karriere. Er soll sich erst einmal einfach nur weiterentwickeln», sagte er.

Rekord hin, Barcelona oder Bayern her – momentan möchte sein Sohn Martin am liebsten ohnehin nur spielen.