FC Aarau
Marco Schällibaum: Der grosse Glücksgriff der Aarauer

Nach 40 Spielen mit 20 Siegen ist klar: Schällibaum ist der richtige Trainer für den FC Aarau. Um den 54-Jährigen zu beschreiben gibt es eine ganze Menge an möglichen Adjektiven. Klar ist, dass der Mann der vergangenen Trostlosigkeit zu trotzen wusste.

Ruedi Kuhn
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Der FC Aarau kann sich mit seinem Trainer Marco Schällibaum glücklich schetzen.

Der FC Aarau kann sich mit seinem Trainer Marco Schällibaum glücklich schetzen.

KEYSTONE/URS FLUEELER

Marco Schällibaum? Der Vulkan? Der Coole? Der Sensible? Der Ernste? Der Traurige? Der Lustige? Der 54-jährige Trainer des FC Aarau ist alles in einer Person. Und vor allem: Schällibaum ist einer zum Anfassen. Einer, der Gefühle zeigt. Einer, der sagt, was er denkt. Im Positiven wie im Negativen.

Schällibaum ist auch ehrgeizig. Das ist der Grund, warum er Niederlagen hasst. Vor allem drei Niederlagen in Serie. Wie zuletzt in der Meisterschaft gegen Servette (0:1), Wil (0:1) und Chiasso (1:3). Aber Schällibaum gibt nie auf. Er ist ein Kämpfer. Ein zäher Mann. Ein ausgezeichneter Motivator. Und er weiss genau, was in seiner Mannschaft steckt. Er weiss genau, dass seine Spieler an einem guten Tag sogar einen Klub der Super League schlagen können.

Trainer Marco Schällibaum kann nach 40 Partien beim FC Aarau eine gute Bilanz ziehen.

Trainer Marco Schällibaum kann nach 40 Partien beim FC Aarau eine gute Bilanz ziehen.

Andy Mueller/freshfocus

Der FC Lugano ist ein Klub aus der höchsten Schweizer Spielklasse. Und diesen FC Lugano hat Schällibaum vor dem Cup-Achtelfinal am Mittwoch studiert. Mehr noch. Er hat die Tessiner unter die Lupe genommen. Der 54-Jährige sah sich Montag, Dienstag und Mittwoch eine Videoanalyse nach der andern an. Schällibaum machte sich stundenlang Gedanken über das 4-3-3-System der Tessiner. Über die offensiv ausgerichtete Spielart, die für den FC Aarau im Endeffekt ein gefundenes Fressen war. Denn gegen spielstarke Mannschaften tun sich die Aarauer momentan um einiges leichter als gegen Betonmischer.

«In der Zeit zwischen dem Spiel in Chiasso am Samstag und der Partie gegen Lugano am Mittwoch hatte ich kaum eine ruhige Minute», blickt Schällibaum zurück. «Es entspricht meiner Arbeitsmoral, dass ich an diesen Tagen schon um halb acht im Büro war. Einerseits bereitete ich mich intensiv auf die Trainingseinheiten mit meiner Mannschaft vor, anderseits beschäftigte ich mich mit Lugano. Ich wollte alles, wirklich alles über den Gegner wissen. Ich durfte taktisch keine Fehler machen. Ein Sieg gegen Lugano und damit die Qualifikation für die Cup-Viertelfinals war nach unserer Minikrise in der Meisterschaft enorm wichtig.»

Minikrise? «Ja», sagt Schällibaum. «Resultatmässig fielen wir in den vergangenen Wochen tatsächlich in ein Loch. Aber das heisst noch lange nicht, dass wir den Glauben an unser Können verloren haben. Jedes Team hat mal ein Tief.» Und ist dieses Tief nach dem 3:1-Sieg überwunden? «Nein», sagt Schällibaum. «Um die kleine Krise vergessen zu machen, brauchen wir ein zweites Erfolgserlebnis. Erst wenn wir am Sonntag im Brügglifeld den FC Winterthur schlagen, haben wir den Turnaround geschafft. Dann dürfen wir so richtig stolz auf den Erfolg gegen Lugano sein.»

20 Siege in 40 Partien

Bleibt zu guter Letzt ein Blick auf Schällibaums Bilanz mit dem FC Aarau nach rund einem Jahr im Amt: In 40 Spielen in der Meisterschaft und im Cup gab es 20 Siege, 11 Unentschieden und 9 Niederlagen. Das ist ansprechend. Die stärkste Phase hatte er zum Rückrundenauftakt der vergangenen Saison.

Zwischen dem 6. Februar und dem 30. April blieb der FC Aarau ungeschlagen und schaffte in 13 Partien acht Siege und fünf Unentschieden. Dank diesem Höhenflug verbesserte sich das Team vom letzten Tabellenplatz bis auf Rang 3.

Diese grossartige Serie sollten sich vor allem jene Kritiker zu Herzen nehmen, die Schällibaum in den vergangenen Wochen wegen Belanglosigkeiten wie zu laschen Trainingseinheiten an den Pranger gestellt haben.