Also doch: Am Mittwoch hatte es noch geheissen, Marcelo Diaz sei dem HSV zu teuer. Doch nach der 0:2-Heimpleite am Samstag gegen Köln, bei der vor allem die Hamburger Kreativzentrale nichts auf die Reihe brachte, waren die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen, legten eine halbe Million drauf und sicherten sich gestern für 2,5 Millionen Franken und bis 2017 die Dienste des Chilenen. Wenn Arbeitserlaubnis und Spielberechtigung rechtzeitig eintreffen, könnte Diaz bereits am Mittwoch in Paderborn seinen Einstand geben.

HSV braucht spielstarken Mittelfeldmann

«Marcelo will immer den Ball, auch unter Druck. Bei uns haben gegen Köln zu viele weggeschaut. Darum brauchen wir ihn», sagt Sportdirektor Peter Knäbel, der das Amt bei den notorisch erfolglosen Norddeutschen im vergangenen Oktober übernahm. Zuvor war Knäbel Sport- und Nachwuchschef beim FC Basel und seit 2009 technischer Direktor beim Schweizer Fussballverband. Im gleichen Atemzug warnt Knäbel vor zu hohen Erwartungen: «Marcelo ist jetzt nicht der Heilsbringer.» Wie auch?

Seit er 2012 als hochgepriesener Stammspieler der chilenischen Nationalmannschaft beim FC Basel die Nachfolge von Granit Xhaka antrat, konnte Diaz nie die erhoffte Führungsrolle übernehmen. «Ich hatte keine Ahnung, was der Trainer von mir wollte», sagte er der «Nordwestschweiz» einst über die Anfänge unter dem kurz darauf entlassenen Heiko Vogel. Unter Murat Yakin und Paulo Sousa wurde es zwar besser: Doch immer, als es schien, Diaz sei endlich beim FCB angekommen, stellte er sich mit schwachen Auftritten selber wieder ins Abseits oder passte nicht mehr ins System des Trainers.

Keine zufriedenstellende Situation für einen, der seit je die Super League als Sprungbrett betrachtete. Es erkundigten sich regelmässig klingende Namen wie Schalke 04 oder die AC Milan, konkret wurde das Interesse wegen seiner schwankenden Leistungen jedoch nie. Dass Diaz nun ins «Krisengebiet HSV» flüchtet, hängt damit zusammen, dass es in der Winterpause keine Anzeichen gab für mehr Spielpraxis in der Rückrunde. Und weil dem 28-Jährigen für den erhofften Vertrag in einer Topliga die Zeit davonzulaufen drohte, lautete das Motto nach dem Angebot aus Hamburg: «Jetzt oder nie!»

Verpflichtet der FCB Ersatz?

Ähnliches wie für Diaz gilt für Geoffroy Serey Die: Auch er träumte von der Bundesliga, seine Situation beim FCB war nach der Suspendierung durch Trainer Paulo Sousa noch aussichtsloser. Nun soll er wie Diaz einem abstiegsbedrohten Bundesligisten aus der Misere helfen. VfB Stuttgart heisst er – der Transfer sollte gemäss deutschen Quellen am Montag über die Bühne gehen, der FC Basel dafür rund 300 000 Franken erhalten.

Michael Lang zum FCB?

Zwei Abgänge, die den FCB nicht in Hektik verfallen lassen: Eine Woche vor dem Rückrundenstart stehen das taktische Konzept und die Stammformation, Diaz und Serey Die gehören nicht dazu. Doch fehlt es dem Kader, konkret im Mittelfeld, nun plötzlich an Qualität in der Breite – etwas, das die Verantwortlichen als Voraussetzung für einen erfolgreichen Tanz auf den drei Hochzeiten Super League, Champions League und Cup bezeichnen. Gut möglich also, dass Rot-Blau seinerseits auf dem Transfermarkt noch mal aktiv wird: Ein Kandidat ist Michael Lang von den Grasshoppers: Dessen Vertrag läuft im Sommer aus. Paulo Sousa soll begeistert sein vom 23-Jährigen, der in der Defensive jede Position bekleiden kann.