FC Basel
Marcelo Diaz ist in Basel angekommen – aber für wie lange?

Heute Abend (21.05 Uhr) spielt der FC Basel in der Europa League gegen Maccabi Tel Aviv. Marcelo Diaz schoss in einem Spiel gegen denselben Gegner ein Traumtor. Die FCB-Fans hoffen auf einen ähnlich starken Auftritt des Chilenen heute Abend.

Sebastian Wendel
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«Hier, das bin ich»: Marcelo Diaz umkreist auf einem Zettel seine Position.Fotos: keystone; pat

«Hier, das bin ich»: Marcelo Diaz umkreist auf einem Zettel seine Position.Fotos: keystone; pat

Als wir auf seine Rolle zu sprechen kommen, greift sich Marcelo Diaz Stift und Blatt und beginnt zu kritzeln. Elf Kreuze, angeordnet im neuen 4-3-2-1-System von Murat Yakin. «Hier, das bin ich», sagt Diaz und umkreist das Kreuz rechts neben der zentralen Position vor der Abwehr.

Hätten wir Diaz vor einem Jahr gebeten, seine Rolle im Basler Mannschaftsgefüge zu definieren, das Blatt wäre leer geblieben. «Ich hatte teilweise keine Ahnung, was der Trainer von mir wollte», gibt er zu. Umgekehrt war es, wenn auch nicht so extrem, wohl nicht anders. Murat Yakin bescheinigte dem Chilenen seit seinem ersten Tag als FCB-Trainer überragende Fähigkeiten. Jedoch tat er sich lange schwer damit, eine Rolle für Diaz zu finden.

Das mag auch daran gelegen haben, dass Yakin Diaz noch nicht kannte. Die lange Suche nach der geeigneten Rolle lag laut Diaz aber vor allem an der fehlenden Verständigung. «Hart und unbefriedigend», sagt er, sei das erste Jahr in der Schweiz gewesen. «Alle reden miteinander, machen Witze, verstehen, was der Trainer sagt. Und ich stand nur da und zuckte mit den Schultern.» Mit Heiko Vogel, Yakins Vorgänger, habe er überhaupt nicht gesprochen. Der habe sich wohl einfach auf seine Fähigkeiten verlassen, sagt Diaz. «Aber es gibt auf der Welt nur zwei oder drei Spieler, die der Mannschaft ohne Vorgaben vom Trainer helfen können.»

Seit einem halben Jahr ist alles anders. Auslöser war ausgerechnet der Auftritt in Tel Aviv, wo der FC Basel heute Abend das Hinspiel der Europa-League-Sechzehntelfinals bestreitet. Diaz schoss beim 3:3 einen Treffer Marke «Traumtor», viel wichtiger war für ihn jedoch die Erkenntnis nach dem Schlusspfiff: «Ich spürte das erste Mal seit meinem Wechsel zu Basel, dass ich von der 1. bis zur 90. Minute alles richtig gemacht habe.»

Seither gehe er lockerer in die Spiele, was auch dem Beobachter auf der Tribüne auffällt. Der attestierte Diaz schon immer die genialen Qualitäten, die ihn im Sommer 2012 zu einem der teuersten Einkäufe des FC Basel machten. Im vergangenen Herbst rief er diese endlich regelmässig ab. Trotzdem geht noch mehr. «Natürlich geht noch mehr, ich will für Murat Yakin unverzichtbar werden.» Der Weg dahin ist gezeichnet, Yakin sagt über Diaz: «Er ist ein Stammspieler.» Ein grosses Lob, denn normalerweise existiert dieser Begriff nicht in Yakins Wortschatz.

Riesige Erwartungen in Chile

Über drei Stunden sitzen wir mit Marcelo Diaz in einer Bar beim Basler St. Jakob-Park. «Ich geniesse das sehr», sagt er und meint damit das Gespräch, das wir auf Englisch führen. Endlich könne er sich in Basel mit allen unterhalten. Bisher lehnte er spontane Interviewanfragen stets ab wegen der Befürchtung, falsch verstanden zu werden. «Das war mir sehr unangenehm. Denn eigentlich bin ich ein sehr kommunikativer Mensch», sagt er. TV-Journalist in Chile will er werden, wenn die Karriere vorbei ist.

Zukunftsmusik. Jetzt ist Basel. Noch. Auch wenn er am Rheinknie Fuss gefasst hat und sich sehr wohl fühlt, den Traum von einem Vertrag bei einem europäischen Topshot hat er nicht ausgeträumt. 27 Jahre und im besten Fussballeralter ist Diaz. Der Wechsel nach England, Deutschland oder Italien müsste im Sommer, spätestens aber 2015 erfolgen. Dessen ist er sich bewusst und er sagt: «Meine Zukunft entscheidet sich in diesem Frühling und an der Weltmeisterschaft.» Sein eben erst verlängerter Vertrag läuft bis 2017, dem FCB wäre bei einem Wechsel im Sommer eine stattliche Ablösesumme gewiss.

Apropos WM. Seine Augen leuchten, die Vorfreude auf Brasilien ist riesig. «Die Menschen in Chile erwarten von uns die Viertelfinals», sagt Diaz, der im Team von Jorge Sampaoli eine feste Grösse ist. Dabei fordert schon das Weiterkommen in der Gruppe mit Spanien, Holland und Australien einen riesigen Kraftakt. Wie wollen die Chilenen das anstellen? «Es gibt eine Völkerwanderung von Chile nach Brasilien, wir werden drei Heimspiele haben. Und vor allem: Es ist das beste Chile der Geschichte.»

Verfolgen Sie das Spiel (Anpfiff 21.05 Uhr) in unserem Liveticker.