Nur einmal in seiner Karriere hat es José Mourinho bei einem Klub länger als drei Jahre ausgehalten. Bei seinem ersten Engagement bei Chelsea wurde sein Vertrag wegen ständiger, öffentlichen Querelen mit Besitzer Roman Abramowitsch nach drei Jahren und vier Monaten aufgelöst. Nun steckt «The Special One» bei Manchester United mal wieder mitten im verflixten dritten Jahr – und auch diesmal droht Mourinho der Rausschmiss unter Misstönen.

In der Premier League liegen die «Red Devils» nach sechs Spieltagen bereits acht Punkte hinter Leader Liverpool, im League Cup folgte gestern der nächste, herbe Rückschlag. Im heimischen Old Trafford scheiterte die United bei erster Gelgenheit (3. Runde) gegen den von Mourinho-Zögling Frank Lampard trainierten Zweitligisten Derby County.

José Mourinho droht bei ManUnited der Rausschmiss.

José Mourinho droht bei ManUnited der Rausschmiss.

Das Spiel verlief äusserst dramatisch: Juan Mata brachte den englischen Rekordmeister bereits in der 3. Minute in Führung, doch die United verpasste es danach, das zweite Tor nachzulegen. So kam Derby immer besser ins Spiel und schaffte in der 59. Minute durch einen herrlichen Freistoss-Treffer von Harry Wilson den Ausgleich.

Die Highlights der regulären Spielzeit.

Nach einer Roten Karte gegen ManUnited-Keeper Sergio Romero schoss Jack Mariott die «Rams» in der 85. Minute gar in Führung, doch Marouane Fellaini erzielte in der 95. Minute den 2:2-Ausgleich. Das Elfmeterschiessen musste die Entscheidung bringen. Dort verschoss der englische Nationalspieler Phil Jones als 16. Schütze den entscheidenden Penalty.

Das Penaltyschiessen: Nach 15 Treffern scheitert Jones.

Zu diesem Zeitpunkt war Paul Pogba bereits nicht mehr im Stadion. Der französische Weltmeister hatte nach dem 1:1 gegen Wolverhampton am Wochenende Mourinhos Taktik als zu defensiv kritisiert, was den «Special One» ziemlich auf die Palme brachte.

Vor versammelter Mannschaft erklärte Mourinho im Training, dass Pogba die «Red Devils» nie mehr als Captain aufs Spielfeld führen werde. Das aufmüpfige Verhalten seines Superstars, der offen mit einem Wechsel zum FC Barcelona kokettiert, will der 55-jährige Portugiese nicht mehr akzeptieren. Mourinho stellte klar, dass Pogba «nicht das darstellt, was ein Captain darstellen sollte».

Kein Spieler sei grösser als ein Klub, erklärte Mourinho weiter und verbannte Pogba gegen Derby auf die Tribüne. Dort hielt es der Spielmacher aber nur 88 Minuten aus. Beim Stand von 1:2 hatte der Franzose genug gesehen, er dampfte noch vor Fellainis Ausgleich und dem darauffolgenden Penaltyschiessen ab.

Pogba rauscht vor dem Fellaini-Ausgleich ab.

Pogba postet Instagram-Story von der Tribüne.

Das dürfte nicht nur den Fans sauer aufstossen, sondern auch Mourinho. Von einem Streit mit Pogba will der Trainer aber nichts wissen: «Die einzige Wahrheit ist, dass ich die Entscheidung getroffen habe, dass Paul Pogba nicht mehr zweiter Captain ist. Ich bin der Manager und treffe diese Entscheidungen, aber es gibt kein Problem», erklärte der United-Trainer nach dem blamablen Aus gegen Derby.

Das sagte Mourinho zum Spiel:

«Ich mach keinem Spieler einen Vorwurf, aber ich wusste, dass wir im Penaltyschiessen mit Jones und Bailly Probleme haben werden.»

Der Machtkampf mit Pogba könnte Mourinho aber noch zum Verhängnis werden. Dass die beiden nicht miteinander können, wird immer augenscheinlicher. Die United-Chefetage um CEO Ed Woodward muss sich früher oder später also entscheiden: Mourinho oder Pogba? Angesichts der Resultate in der bisherigen Saison sitzt der Trainer für einmal am kürzeren Hebel. Mourinho droht im verflixten dritten Jahr der baldige Rausschmiss. Retten kann ihn nur noch eine Siegesserie.