Was Trainer Lucien Favre in diesen Wochen und Monaten beim gelbschwarzen Grossklub anpackt, wird zu Siegen und Punkten. Manchmal spielen sogar die Gegner für den Waadtländer. Vor der letzten Partie der Champions-League-Gruppenphase am letzten Dienstag hatte Favre nach eigenen Worten damit gerechnet, dass Atlético Madrid beim ambitionslosen Brügge gewinnen und den Gruppensieg aus eigener Kraft sicherstellen würde. Für das Spiel in Monaco liess Favre verschiedene Spitzenkräfte aus seinem breiten Kader daheim. Mit einer nicht ganz so starken Mannschaft siegte Dortmund 2:0. Und Atlético brachte es in Brügge nur zu einem 0:0. Gleichsam im Vorbeigehen errangen die Dortmunder also auch noch den Gruppensieg, der ihnen für die Auslosung der Achtelfinals am Montag Vorteile bringen wird.

In der Bundesliga läuft gleichfalls alles rund. Noch ist nicht einmal die Hälfte der Meisterschaft vorüber, und doch gewinnt man den Eindruck, dass die Woche für Woche überzeugenden Borussen kaum noch vom ersten Platz zu verdrängen sein werden, nicht einmal vom Erzrivalen Bayern München.

Vorerst geht es um die sogenannte Herbstmeisterschaft, in der Schweiz meistens Wintermeisterschaft genannt. "Das ist ein Titel, der kein Titel ist", sagte Sportchef Michael Zorc vor dem Heimspiel vom Samstag (18.30 Uhr) gegen Werder Bremen. Zorc hat natürlich recht. Schon in den ersten Runden des Frühlings interessiert es niemanden mehr, wer im Dezember am meisten Punkte hatte. Aber es geht auch um kurzlebiges Prestige. Im Idealfall ist der BVB schon vor dem Anpfiff des Topspiels gegen Bremen Herbstmeister. Und zwar dann, wenn die Bayern am Samstagnachmittag in Hannover nicht gewinnen und Borussia Mönchengladbach in Hoffenheim verliert.

Für Dortmund wäre das Überwintern als Leader ein gutes Omen. In allen drei bisherigen Fällen landete die Meisterschale später in der Revierstadt. Es ist kaum vorstellbar, dass die seit 14 Ligaspielen ungeschlagene Mannschaft ihren Vorsprung auf den Zweiten Mönchengladbach (7 Punkte) und den Dritten Bayern München (9 Punkte) noch verspielt. Zumal es Favre immer wieder aufs Neue zu gelingen scheint, seine Profis auf den nächsten Gegner einzuschwören. "Wir müssen uns jetzt nur total auf Bremen konzentrieren. Das ist alles, was zählt", sagte er.

Rekordmeister Bayern benötigt derweil Siege am Stück. Nur so können die Münchner im Idealfall Boden auf Dortmund gutmachen. "Es gibt kein Gemüse und keinen Festtagsschmaus, es ist alles wichtig, und wir müssen alles mitnehmen, was wir bekommen können", sagte Trainer Niko Kovac vor dem Spiel beim Vorletzten Hannover. Kovac fordert aus den gegen Hannover, Leipzig und Eintracht Frankfurt nichts weniger als das Punktemaximum.

Arjen Robben wird in Hannover nicht dabei sein. Für den 34-Jährigen ist auf seiner Abschiedstournee bei Bayern das Fussballjahr 2018 vorzeitig beendet. Der Niederländer musste zuletzt wegen Problemen am Oberschenkel aussetzen. Er soll im Januar im Trainingslager in Katar wieder fit sein.