FCB-Gegner
Manchester City: Dieses Jahr will der Scheich-Klub endlich die Champions League gewinnen

Als Xabi Alonso das Papier auffaltet und da «Manchester City» steht, geht ein Raunen durch die Fussball-Schweiz. «Das ist ein grosser Brocken.

Sébastian Lavoyer
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Millionenschwere Truppe, gecoacht von Startrainer Pep Guardiola: Manchester City mit Sergio Agüero und David Silva.

Millionenschwere Truppe, gecoacht von Startrainer Pep Guardiola: Manchester City mit Sergio Agüero und David Silva.

KEYSTONE

Manchester City ist derzeit wohl die beste Mannschaft der Welt», sagt FCB-CEO Jean-Paul Brigger – und bringt damit auf den Punkt, was die Schweizer Fussball-Fans im Augenblick der Wahrheit denken. Denn mit seiner Einschätzung ist Brigger nicht allein. Star-Trainer Pep Guardiola hat den Scheich-Klub in rund anderthalb Jahren zum grossen Champions-League-Favoriten geformt. Das sehen nach der gestrigen Auslosung übrigens auch die Wettbüros so. Denn für den Klub der Superlative ist der FCB so etwas wie ein Freilos. Wenigstens im Vergleich mit den Losen der anderen grossen Favoriten aus München, Paris, Barcelona oder Madrid.

Der FC Basel trifft im Achtelfinal der Champions League auf Manchester City.

Der FC Basel trifft im Achtelfinal der Champions League auf Manchester City.

Screenshot SRF

Der FCB und die Englischen Riesen

«Es haben sich schon einige englische Mannschaften gefreut, als sie uns zogen. Am Schluss fanden sie es dann nicht mehr so lustig», sagt FCB-Sportchef Marco Streller selbstbewusst. Und sein Amtskollege bei City, der Baske Txiki Begiristain, meint: «Wir müssen Basel Respekt zollen und wir müssen vorsichtig sein.» Schliesslich hat der FCB schon einige Riesen ins Wanken und auch zum Fallen gebracht. Englische Riesen wie Manchester United, Liverpool oder Tottenham.

Realistisch ist eine Sensation gegen das Team von Guardiola trotzdem nicht. Oder wie Streller sagt: «In zwei Spielen ist man gegen Manchester City normalerweise chancenlos. Aber diese Chancenlosigkeit ist unsere einzige Chance.»

Die Zahlen belegen den Klassenunterschied zwischen diesen zwei Teams eindrücklich: Das Team von ManCity (735 Millionen Franken) hat einen rund zwölf Mal höheren Wert als jenes des FCB (rund 60 Millionen). Allein in diesem Sommer haben die Citizens rund 350 Millionen Franken in neue Spieler investiert. Es war dies die zweite Etappe von Guardiolas Team-Restauration. Auf sein Drängen wurde die Mannschaft ab 2015 komplett verändert.

Sergio Agüero (links) und Leroy Sané: Zwei Superstars von ManCity.

Sergio Agüero (links) und Leroy Sané: Zwei Superstars von ManCity.

KEYSTONE/AP PA/MARTIN RICKETT

Man begann mit der Offensive, holte Spieler wie Kevin de Bruyne, Raheem Sterling, Leroy Sané oder Gabriel Jesus für insgesamt fast 450 Millionen Franken. Danach bastelte er sich eine neue Defensive mit Leuten wie Ex-Benfica-Goalie Ederson oder den Verteidigern Nicolas Otamendi und Kyle Walker. Denn eines ist klar: Die Scheichs der Al-Nahyan-Familie wollen endlich den Champions-League-Pokal in Händen halten. Diese 73,5 Zentimeter hohe, 8,5 Kilogramm schwere Trophäe aus Sterlingsilber.

Guardiolas Fehler

Seit sie den Klub 2008 übernommen haben, verfolgen sie dieses Ziel. Ja, sie sind von dieser Mission besessen. In den fast zehn Jahren seit der Übernahme haben sie für 75 neue Spieler rund 1,7 Milliarden Franken ausgegeben. Sie haben die Infrastruktur des Klubs komplett saniert, ein Trainingsgelände für 290 Millionen direkt in den sozial benachteiligten Bezirk Bradford gepflanzt. 16,5 Fussballfelder umfasst er – und ist Heimat der City-Akademie.

Es spielt keine Rolle, dass in den letzten drei Jahren kein einziger Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in die erste Mannschaft geschafft hat. Denn die finanziellen Möglichkeiten werden einzig durch die «Financial Fairplay»-Regeln der Uefa beschränkt. Der Staatsfonds, aus dem die Scheichs ihr Geld beziehen, soll laut einer Schätzung rund 800 Milliarden schwer sein.

Manchester City

Vereinsgründung: 1880.
Stadion: Etihad Stadium (55 097 Plätze).
Präsident: Khaldoon Al Mubarak (VAE).
Trainer: Pep Guardiola (ESP).
Bekannteste Spieler: Kevin De Bruyne (BEL), Leroy Sané (GER), David Silva (ESP), Sergio Agüero (ARG), Gabriel Jesus (BRA).
Erfolge: Sieger Europacup der Cupsieger (1970), 4-facher Meister (1937, 1968, 2012, 2014), 5-facher Cupsieger (1904, 1934, 1956, 1969, 2011), 4-facher Ligacup-Sieger (1970, 1976, 2014, 2016).
Bestes Ergebnis Champions League/Meistercup: Halbfinalist 2016.
Gesamtwert des Kaders: 735,5 Mio. Franken.

Trotz des Geldsegens blieben die Citizens bisher glücklos. Weiter als bis zum Halbfinal haben sie es in der Königsklasse nie geschafft. Letztes Jahr schieden sie gar schon im Achtelfinal gegen die AS Monaco aus. Die britische Presse liess sich genüsslich über die verschleuderten Millionen aus. Pep Guardiola hatte eine einfache Erklärung. Er habe versucht, die Spieler von einem permanent offensiven Fussball zu überzeugen. «Mein Fehler war, dass ich sie nicht überzeugt habe.» Denn für ihn war immer klar: Er will seinen Fussball spielen.

Inspiriert von seinem einstigen Fussball-Trainer Johan Cruyff, setzt er auf Ballbesitz und Tempo zugleich. Nach seinen unglaublichen Erfolgen mit Barcelona (mitunter zwei Champions-League-Titel) brachte er diesen Fussball als Bayern-Trainer auch nach Deutschland. Jetzt, nach etwas mehr als einem Jahr, scheint es so, als hätte Guardiola auch seine neue Mannschaft von seinen Ideen überzeugt. City jedenfalls eilt in der Liga von Erfolg zu Erfolg. Zuletzt schlugen sie United im Manchester-Derby am Wochenende mit 2:1. Es war der 14. Sieg in Folge – Rekord. Guardiola und sein Team liegen nun mit elf Punkten vor United, haben erst einmal, bei einem Unentschieden gegen 1:1 gegen Everton in der zweiten Runde, Punkte abgegeben. Es ist ein gewaltiger Brocken. Brigger: «Wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen.»