Fussball
Machs noch einmal, Matias!

2:1 schlug der FCB im Hinspiel an der Stamford Bridge sensationell das grosse Chelsea. Just an diesem Abend gelang Matias Delgado eines seiner besten FCB-Spiele. Die Erinnerung an das Spiel in London weckt die Hoffnungen auf eine Wiederholung.

Sebastian Wendel
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Am 18. September, an diesem lauwarmen Abend in der Londoner Stamford Bridge, da ist er wieder da, der Zauber des Matias Delgado.

71. Minute: überraschender Pass auf Fabian Frei, fünf Sekunden später und 50 Meter weiter vorne der zweite Geniestreich, den Mohamed Salah zum 1:1 vergoldet.

«So etwas beherrschen nur Spieler wie Matias», schwärmt Sportchef Georg Heitz nach dem Schlusspfiff.

Delgado hat kurz zuvor auch Strellers Siegtreffer vorbereitet, mit einem punktgenau auf den Kopf des Captains getretenen Corner.

Der Argentinier schien an diesem Abend endlich anzukommen in Basel. Im Vorfeld der Partie hat ihn eine Zeitung bereits als «Millionen-Flop» abgeschrieben.

Weil er mit geschätzten 1,6 Millionen Franken Jahresgehalt der Grossverdiener des Basler Starensembles ist. Weil er seit seiner Rückkehr Anfang August nur ein Schatten dessen war, was die breite Öffentlichkeit von ihm erwartet.

Wenn die FCB-Fans in ihrem Internetforum über Delgado schreiben, dann schreiben sie von «IHM». «Messias» wird er auch genannt.

Die Menschen erwarten Wunderdinge vom Lockenkopf, der sie von 2003 bis 2006 schon einmal verzaubert hat. Nach diesem lauwarmen Abend in der Stamford Bridge glaubten sie, den «alten» Delgado wieder zu haben.

Die Rolle noch nicht gefunden

Dass er das selber glaubte, davon ist nicht auszugehen. Viel eher, dass er sich nach London noch mehr fürchtete vor den Erwartungen.

Im Interview mit der «Nordwestschweiz» sagte er zwei Tage vor London leicht pathetisch: «Manchmal sterbe ich fast vor Angst, die Erwartungen nicht erfüllen zu können.»

Zum fast schon unmenschlichen Druck kommt hinzu, dass Delgado vor der Rückkehr nach Basel in der Wüste kickte.

Bei Al-Jazira, das hierzulande wohl im Challenge-League-Mittelfeld dümpeln würde. «Nie und nimmer» hat er Anfang dieses Jahres daran geglaubt, im Herbst in der Champions League zu spielen.

Er fordert vor allem eines ein: Zeit. Zeit, die ihm die Verantwortlichen in Basel auch geben. «Er kann heute in einigen Spielen den Unterschied ausmachen, regelmässig kann er das wohl erst im Frühling», sagt Georg Heitz.

Fakt ist: Eine Leistung wie die 30 Minuten nach seiner Einwechslung in London hat Delgado in den vergangenen zwei Monaten nicht mehr auf den Platz gebracht. Das mag auch daran liegen, dass man in Basel immer noch nach der geeigneten Rolle für den Ausnahmekönner sucht.

«Solche Spieler machen den Fussball aus. Sie verkörpern das Spektakel, das Unberechenbare, die Überraschung, den Rhythmuswechsel, den Moment, der einem den Atem stocken lässt», sagte Präsident Bernhard Heusler.

Ob Murat Yakin diese romantische Vorstellung bedingungslos teilt, ist fraglich. Die Philosophie des Trainers verlangt aggressives Pressing und schnelles Umschalten. Das beisst sich (noch) mit den Stärken des ballverliebten Delgado.

Kritiker der Rückholaktion hinterfragten im Sommer gar die sportliche Notwendigkeit. Sicher war der Transfer auch ein emotionales Ding.

Das verwöhnte Publikum brauchte nach vier Meistertiteln in Folge und dem Europa-League-Halbfinal eine neue Attraktion. In Delgado hat die Klubleitung sie gefunden.

Im Training, so sagen es Yakin und Delgados Teamkollegen, mache er atemberaubende Dinge. Das glaubt man, als man ihn gestern dabei beobachtet, wie er den Ball mit einer beneidenswerten Leichtigkeit streichelt.

Der Trainer hat noch nicht entschieden, ob er seine Nummer 10 heute von Beginn an einsetzt.

Auch Yakin hat den 18. September noch vor Augen. Gut möglich, dass er Delgado erst im Lauf der Partie aufs Feld schickt – mit den Worten: «Machs noch einmal, Matias!»