Neue Besen kehren manchmal doch gut. Nicht nur im Haushalt, sondern auch auf dem Fussballplatz. Nach dem 1:1 gegen Vaduz und dem 1:2 im Cup gegen Aarau gewann der FC Luzern beim 3:2 im Letzigrund gegen den FC Zürich erstmals unter dem neuen Trainer Markus Babbel; und erstmals in dieser Saison überhaupt.

Die ausgebliebenen Penalty-Pfiffe für den FC Zürich

Der überraschende Sieg des Tabellenletzten beim bisher zu Hause ungeschlagenen Leader war nicht gestohlen, aber dennoch glückhaft. Denn gleich zwei Mal hätte Schiedsrichter Adrien Jaccottet dem FCZ einen Penalty zusprechen müssen.

Nach einer Stunde, Luzern führte 2:1, wurde Franck Etoundi vom unvermutet aufgestellten Luzerner Verteidiger Fidan Aliti penaltyreif gefoult; und als beim Stand von 2:3 ein Freistoss von Francisco Rodriguez in der 92. Minute von der Luzerner Mauer abprallte, forderten die Zürcher einen Strafstoss, weil Remo Freuler den Ball mit dem Arm abgewehrt hatte.

Luzerns Affolter schenkt dem FCZ zwei Tore

Das Husarenstück der Gäste war umso erstaunlicher, als sie mit François Affolter einen Innenverteidiger besassen, der dem FCZ dessen zwei Tore auf dem Silbertablett serviert hatte. Dass FCZ-Captain Yassine Chikhaoui mit einem Foulpenalty nach 35 Minuten seinen sechsten Saisontreffer und den 1:1-Ausgleich erzielen konnte, war einem dämlichen Foulspiel Affolters gegen Etoundi zu verdanken.

Und dass der FCL in der Schlussphase noch einmal ins Zittern geriet, hatte seinen Ursprung in einem fahrlässigen Ballverlust Affolters an Etoundi, der Amine Chermiti eine Viertelstunde vor Schluss den 2:3-Anschlusstreffer ermöglichte. «Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Affolter ausgezeichnet gespielt», nahm Babbel den Sünder in Schutz

Zibung rehabilitiert sich

Dieser konnte sich am Ende bei David Zibung bedanken. Der viel gescholtene Keeper hatte mit einer starken Parade in der 94. Minute nach einem Schuss von Etoundi das 3:3 verhindert. Weil Zibung schon in der 6. Minute mit einer Glanztat gegen den glücklosen Kameruner einen frühen Luzerner Rückstand vereitelt hatte, sagte Babbel: «Ich hoffe jetzt, dass diese elende Diskussion um unseren Torhüter aufhört.»

Verblüffend am Sieg der Gäste war auch, dass diese erstmals in dieser Saison drei Tore zustande gebracht hatten, obwohl Babbel den angeschlagenen sechsfachen Torschützen Marco Schneuwly erst in den Schlusssekunden auf den Platz geschickt hatte.

Weil aber Freuler nach einem Foul von Philippe Koch an Dario Lezcano einen Foulpenalty sicher zum 1:0 (27.) verwertete, der oft als «Chancentod» verschriene Lezcano beim 2:1 (48.) endlich wieder einmal ins Netz traf und schliesslich Koch den Schuss des überragenden Jakob Jantscher beim 3:1 (72.) nur noch ins eigene Tor verlängern konnte, schlug sich Schneuwlys Absenz nicht im Ergebnis nieder.

Chikhaoui in der Defensive

Die Luzerner bestätigten eindrücklich, weshalb sie der Angstgegner des FCZ sind. Dieser hat gegen die Zentralschweizer in den letzten 13 Spielen nur einmal gewonnen, seit sechs Partien gar nicht mehr. «Wir haben bei den Gegentoren zu viele individuelle Fehler gemacht», monierte Urs Meier. Als FCZ-Trainer hat er in acht Begegnungen mit Luzern nur einmal gewonnen.

Weil Sperren und Verletzungen das Kader ausgedünnt hatten, liess Meier seinen Offensivstar Chikhaoui auf der «Sechs» im defensiven Mittelfeld spielen. Der Tunesier erledigte diesen Job nicht schlecht, doch fehlten dadurch seine Ideen im Angriffsspiel. Und war ein weiterer Grund, weshalb es möglich war, dass der 21 Punkte hinter dem FC Zürich zurückliegende Tabellenletzte den Leader auswärts bezwingen konnte. Ein Beweis auch, wie ausgeglichen es in der Zehnerliga zugeht; aber ebenso, dass es dieser an echten Spitzenteams fehlt.

Zürich - Luzern 2:3 (1:1)

8370 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 27. Freuler (Foulpenalty/Foul Philippe Koch an Lezcano) 0:1. 36. Chikhaoui (Foulpenalty/Foul Affolter an Etoundi) 1:1. 48. Lezcano (Jantscher) 1:2. 72. Philippe Koch (Eigentor/nach Schuss von Jantscher) 1:3. 75. Chermiti 2:3.

Zürich: Da Costa; Philippe Koch (77. Elvedi), Nef, Djimsiti; Chikhaoui, Kajevic; Buff (59. Rodriguez), Chiumiento (80. Rossini), Schönbächler; Etoundi, Chermiti.

Luzern: Zibung; Sarr, Affolter, Aliti, Lustenberger (86. Thiesson); Doubaï; Bozanic, Freuler; Rabello (91. Winter), Lezcano (94. Schneuwly), Jantscher.

Bemerkungen: Zürich ohne Yapi (gesperrt) sowie Gavranovic, Kecojevic, Raphael Koch, Kukeli, Sadiku, Rikan und Oberlin (alle verletzt), Luzern ohne Rogulj (verletzt) sowie Hyka und Lamas (beide nicht im Aufgebot). Verwarnungen: 26. Philippe Koch (Foul). 58. Doubaï (Foul). 62. Rodriguez (Foul). 64. Jantscher (Foul). 74. Schönbächler (Foul). 76. Lustenberger (Unsportlichkeit). 76. Chermiti (Unsportlichkeit). 87. Rabello (Foul).