Als alles vorbei ist, als das 2:1 endlich gesichert ist, kennt Ludovic Magnin kein Halten mehr. Er sprintet los, direkt in Richtung FCZ-Fans, wahrscheinlich war er selten schneller unterwegs als aktiver Fussballer. Er schreit seine Freude in die weite Berner Welt hinaus.

Die Freude über seinen ersten Titel als Trainer beim FC Zürich. «Der Schlusspfiff hat mich einfach beflügelt. In diesem Moment ist die Erlösung grenzenlos. Und ich wollte meinen Spielern zeigen, dass der Trainer immer noch der Schnellste ist», sagt Magnin und lacht.

FCZ ole oleee: So feierten die Spieler und Fans

FCZ ole oleee: So feierten die Spieler und Fans

Vor zwei Jahren verzichtete der FCZ aufgrund des Abstiegs auf eine ausgelassene Feier nach dem Cupsieg. Nun holten die Zürcher die Party nach. Inklusive Freys nacktem Oberkörper.

Die Bilder im Berner Wankdorf sind eindrücklich. FCZ-Spieler und Fans feiern ausgelassen. Mittendrin Magnin, sein Assistent René van Eck. Und natürlich Präsident Ancillo Canepa. Die Umarmungen sind überschwänglich. Und Canepa ist es auch, der Sangoné Sarr in den Arm nimmt und richtiggehend zum Jubeln animieren muss. Sarr wurde erst zur Pause eingewechselt und flog 22 Minuten später mit Gelb-Rot bereits wieder vom Feld.

Unterschiedliche Stimmung

Es ist der dritte Cupsieg innert fünf Jahren für den FCZ. Der zehnte insgesamt. Damit verbessert er seine herausragende Final-Bilanz (nur eine Niederlage) weiter. Verglichen mit dem letzten FCZ-Cupsieg 2016 könnte die Stimmung rund um den Verein gleichwohl nicht verschiedener sein.

Damals stieg der FCZ in die Challenge League ab. Als er den Cup trotzdem noch gewann, schlichen die Spieler, allen voran Captain Alain Nef, in Richtung Kurve und stellten die Trophäe demütig und mit hängenden Köpfen vor die Fankurve.

Zu früh für ein Urteil

Mittlerweile hat sich der FCZ wiederbelebt. Das erste Jahr als Aufsteiger darf als solide gelten. Mehr allerdings nicht. Der Trainerwechsel von Uli Forte zu Ludovic Magnin Ende Februar – und kurz vor dem Cup-Halbfinal gegen GC – kam zwar etwas überraschend. Präsident Canepa vertraute seinem Instinkt, dass es eine Veränderung braucht, wenn das Team weiter Fortschritte machen soll. Zudem forderte er das konsequente Einbauen von jungen Spielern.

Der FC Zürich feiert den Cupsieg in Bern

Der FC Zürich feiert den Cupsieg in Bern

Der FC Zürich hat seine Cupfinal-Qualitäten ein weiteres Mal unter Beweis gestellt. Im elften Endspiel setzte sich der FCZ zum zehnten Mal durch. In Bern besiegte der Aufsteiger den Meister Young Boys 2:1.

Um die Arbeit von Ludovic Magnin abschliessend zu beurteilen, ist es noch zu früh. Wie er sein Team gestern auf das Spiel einstellte, war aber bemerkenswert. Die FCZ-Spieler waren ein Ebenbild ihres Trainers, der an der Seitenlinie emotional und voller Feuer mitging.

«So ein Spiel gewinnt man nicht mit Tiki-Taka, sondern im Kopf und mit Begeisterung», sagte er, seit April 39 Jahre jung, und ab nächstem Donnerstag Besitzer der Uefa-Pro-Lizenz, «ich hoffe mal, dass ich die Prüfungen bestehe …». Der erste Titel seiner Karriere ist ein verdienter Lohn.

Magnin und die Jugend-Frage

Doch nun folgen rund um Magnin und den FCZ spannende Monate. Die Frage ist: Gelingt es Magnin, das Team weiterzuentwickeln und gleichzeitig am Weg festzuhalten, viele Junge einzubauen? Es ist manchmal ein schmaler Grat, die richtige Mischung zu finden zwischen Jugend und Erfahrung.

«Unabhängig von diesem Final haben sich das Präsidentenpaar und ich natürlich Gedanken gemacht», sagt Magnin. «Es ist klar, dass es einige Veränderungen im Kader geben wird.» Dank dem Cupsieg ist der FC Zürich direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.

Ludovic Magnin ist in seinem ersten Finalspiel als Chefcoach im FCZ gleich erfolgreich

Ludovic Magnin ist in seinem ersten Finalspiel als Chefcoach im FCZ gleich erfolgreich

Die Einnahmen von etwa acht bis zehn Millionen Franken kann er gut gebrauchen, um einige Investitionen zu tätigen. Mit dem Ziel, den Rückstand auf die nationale Spitze (Basel und YB) zu verkleinern. Die Ansage von Magnin ist jedenfalls klar: «Wir wollen den beiden derzeit grössten Vereinen Paroli bieten.»

Vorerst gilt die Aufmerksamkeit aber noch einmal dem Feiern.