WM14
Lionel Messi – der Mann mit allen Sonderrechten

Er diktiert die Aufstellung, er hat alle Sonderrechte - aber er singt nicht einmal die Hymne. Das Verhältnis der Argentinier zu Lionel Messi ist durchaus ambivalent. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Lionel Messi (Mitte) hat mehr zu sagen als manch Aussenstehender glaubt.

Lionel Messi (Mitte) hat mehr zu sagen als manch Aussenstehender glaubt.

Keystone

Nach dem verlorenen WM-Viertelfinale 2010 gegen Deutschland soll Lionel Messi so bitterlich geweint haben, «dass ich Angst hatte, er bricht zusammen».

So berichtete es Diego Maradona, damals Nationaltrainer Argentiniens. Und Xavi, spanischer Klubkollege beim FC Barcelona, sagte kürzlich, Messi sei oftmals «moralisch völlig am Boden», wenn er von der Auswahl seines Heimatlandes zurückkomme.

Messi hat das indirekt schon einmal bestätigt. Er müsse sich in der Heimat oder in der Nationalmannschaft «oft sehr viel Mist anhören».

Denn immer, wenn es nicht läuft, holen sie dieselben Vorwürfe aus der Schublade. Zum Beispiel, dass der viermalige Weltfussballer die Hymne nicht mitsingt, weil er sich mehr als Spanier fühle und deshalb nicht für Argentinien spielen solle.

Und dann gibt es da noch die vielen Geschichte von Sonderrechten, die der eigentlich so schüchterne Messi einfordern soll. Und von denen man nicht so recht weiss, welche denn nun stimmt.

Johan Cruyff, als Spieler und Trainer eine Ikone in Barcelona, hat es mal so ausgedrückt. «Meiner Meinung nach ist Messi ein Diktator.»

Und deshalb, so der Niederländer nach der Verpflichtung von Neymar im vergangenen Sommer, müsse man «die Möglichkeit prüfen, ihn zu verkaufen». Denn schliesslich müsse man «aus der Vergangenheit lernen».

Lionel Messi mit Trainer Alejandro Sabella

Lionel Messi mit Trainer Alejandro Sabella

Keystone

Messi: «Tevez oder ich»

Zlatan Ibrahimovic oder David Villa kamen für viel Geld und ergriffen schnell wieder die Flucht. Angeblich, weil Messi keine anderen Götter neben sich duldet.

Und so soll es auch in der argentinischen Nationalmannschaft sein. Den unscheinbaren, fleissigen und bescheidenen Angel Di María duldet Messi. Den exzentrischen und bei den Fans überaus beliebten Carlos Tévez angeblich nicht.

Messi soll Nationaltrainer Alejandro Sabella ein Ultimatum gestellt haben: Tévez oder ich. Tévez steht nicht im WM-Kader.

Sabellas Zitate, Messi sei «das Wasser in der Wüste» und das Team müsse «so spielen, dass Messi sich wohlfühle», scheinen dazu zu passen.

Doch Tévez selbst bezeichnet das alles als «Quatsch» und Messi als «wundervollen Menschen».

Und auch Ibrahimovic hatte eher ein Problem mit dem heutigen Bayern-Trainer Pep Guardiola. Von dem Schweden ist sogar ein Zitat verbürgt, dass «wir diesen Philosophen nicht brauchen. Der Zwerg (Messi) und ich reichen».

Also was denn nun? Klar scheint, dass Messi kein Machtmensch ist, kein Intrigant oder hinterhältiger Strippenzieher. Dazu ist er viel zu schüchtern und auch ein viel zu grosser Einzelgänger.

Nach 14 Jahren in Spanien und Barcelona spricht er immer noch nicht Katalanisch und auch Englisch verweigert er regelmässig, was seine Sponsoren manchmal verzweifeln lässt.

Maradona berichtete einst, es sei «einfacher, Gott zu interviewen als Leo ans Telefon zu bekommen».

Aber der 27-Jährige ist ein Spassfussballer, der sich nur entfalten kann, wenn er auf dem Feld alle Freiheiten bekommt.

Und der bockt und eingeschnappt ist, wenn er sie nicht bekommt. Und weil er eben der Beste ist, wird ihm jeder Wunsch erfüllt, selbst wenn er ihn nur andeutet.

In Barcelona durfte er im vergangenen Sommer in «Tata» Martino sogar den Trainer aussuchen - der nach einem Jahr eingestand, er sei «überfordert».

Die Nationalelf bestritt ihr wichtigstes Spiel der WM-Qualifikation für 2010 gegen Brasilien im kleinen Rosario statt im Hexenkessel Buenos Aires. «Leo hat sich das gewünscht», betonte Maradona. Die Albiceleste verlor 1:3 und verspielte so beinahe das WM-Ticket.

Um sich «bester Spieler der Welt» nennen zu dürfen, müsse Messi nicht Weltmeister werden, meinte Maradona: «Das ist er sowieso.»

Doch für den Superstar ging es bei dieser WM um mehr. Darum, anerkannt zu werden. Und seine Sonderrechte auch für die Zukunft zu rechtfertigen. (sid/sha)

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