Manchester City, Manchester United, Liverpool – sie haben im vergangenen Jahr in der Premier League die drei ersten Plätze eingenommen. Und sie sind auch in der an diesem Wochenende (10. bis 12. August) beginnenden Saison die ersten Anwärter auf den Meistertitel. Doch etwas ist anders, im Hintergrund. José Mourinho (55), Jürgen Klopp (51) und Pep Guardiola (47) starten erstmals überhaupt in ihrer Karriere als Trainer ohne ihre engsten Vertrauten, ihre Assistenztrainer, in eine Saison. Die Gründe für die Trennungen sind unterschiedlicher Natur. Es geht um verletzte Eitelkeiten, um offene Konflikte und zerbrochene Freundschaften. Nur in einem Fall ist es wohl eine Trennung im Guten. Für die drei prominenten Trainer ist der Start in die neue Saison ein Sprung ins Ungewisse.

Mourinho und Faria

Sie haben beide nie professionell Fussball gespielt, aber beide Sportwissenschaften studiert. Der gemeinsame Hintergrund verbindet die Portugiesen. Sie lernen sich Ende der Neunzigerjahre in Barcelona kennen: Mourinho assistiert Louis van Gaal, Rui Faria hospitiert für eine Seminararbeit. 2001 wird er bei Uniao Leiria unter Mourinho Fitnesstrainer und Videoanalyst. Er folgt seinem Landsmann zu Porto, gewinnt die Champions League, wechselt dann zu Chelsea, zu Inter Mailand, Real Madrid, wieder zu Chelsea und ist zuletzt auch bei Manchester United dessen rechte Hand – 17 Jahre lang, sie gewinnen 19 Titel.

Faria (43), so englische Medien, sei Mourinhos Schutzschild gewesen, wenn dieser wieder einmal ausgeteilt habe – gegen Spieler, Trainer und Klubbosse. Stets hält der loyale Faria den Kopf hin, Mourinho dankt es ihm, bis es im Frühling zum Bruch kommt. Ob und was genau geschehen ist, dringt nie an die Öffentlichkeit. Oberflächlich ist es eine Trennung im Guten. Faria macht persönliche Gründe geltend. Er wolle mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. «José danke ich von Herzen: Für den Glauben, den er mir schenkte, für das Vertrauen, sein Wissen, seine Erfahrung und was mir am wichtigsten ist: für seine Freundschaft.» Mourinho sagt: «Nach 17 Jahren ist aus Rui, dem Kind, ein Mann geworden.» Auf einen Ersatz verzichtet Mourinho. Als Bindeglied fungiert der Ex-Spieler Michael Carrick. Farias Zukunft ist ungewiss. Bei Arsenal erhielt der Spanier Unai Emery den Vorzug.

José Mourinho (l.) und Rui Faria.

José Mourinho (l.) und Rui Faria.

Klopp und Buvac

Sieben Jahre Mainz, sieben Jahre Dortmund, drei Jahre Liverpool – Zeljko Buvac (56) weicht Jürgen Klopp nicht von der Seite. Drei Jahre spielten sie gemeinsam bei Mainz, 2001 wird der Bosnier Klopps Assistent, es folgt der Aufstieg in die Bundesliga. 2007 wechseln sie zu Dortmund, feiern zwei deutsche Meisterschaften, gewinnen den Pokal, erreichen den Final der Champions League. Ihre Beziehung fusst auf tiefem gegenseitigen Respekt. «Zeljko ist ein Meister aller Trainingsformen, ich lerne jeden Tag von ihm. Meistens arbeiten wir telepathisch zusammen. Er ist der beste Trainer, den ich je gesehen habe», sagt Klopp einmal.

Dass es zwischen den beiden immer wieder kracht, trübt ihre Freundschaft nicht. «Sie sind zwei höchst emotionale Typen. Wenn es einmal losging, dachtest du, die Tür fliegt raus, und wahrscheinlich kommt nur einer raus. Stattdessen kamen sie Arm in Arm raus und sind in die Kneipe gegenüber gegangen», erzählte Christian Heidel, der in Mainz als Manager der Vorgesetzte des Duos war. Doch im April, vor dem Halbfinal in der Champions League, verlässt Buvac das Team. «Aus persönlichen Gründen», wie der Klub bis heute festhält. Beim Training und bei Spielen hätten die beiden kaum noch miteinander gesprochen, zu Team-Meetings sei Buvac gar nicht mehr eingeladen worden. Kurios: Bis heute ist Buvac offiziell Angestellter des Vereins, obschon sein Nachfolger, der Holländer Pep Lijnders (56), die Arbeit aufgenommen hat. Buvacs Vertrag in Liverpool läuft noch bis 2022.

Jürgen Klopp (r.) und Zeljko Buvac.

Jürgen Klopp (r.) und Zeljko Buvac.

Guardiola und Torrent

Bedacht, respektvoll, zielstrebig, bescheiden und loyal – es sind Attribute, mit denen Weggefährten Domenec Torrent beschreiben. Und es sind Eigenschaften, die ihn für Pep Guardiola zum wichtigsten Vertrauten gemacht haben. 2007, als Guardiola mit erst 36 Jahren seinen ersten Trainerjob antritt, wird Torrent dessen Assistent bei der zweiten Mannschaft des FC Barcelona. Ein Jahr später übernehmen sie die erste Mannschaft. Zwischen 2008 und 2012 gewinnt das Trainergespann 14 Titel. Bei Bayern München sind es in drei Jahren 7 Trophäen, bei Manchester City deren zwei. 23 Pokale in elf Jahren stemmen Guardiola und Torrent in die Höhe, darunter zwei Mal den Champions-League-Pokal und drei Mal den Weltpokal.

Auch während Guardiolas Sabbatical-Jahr in New York bleiben sie in engem Kontakt. In Cafés und Bars debattieren sie zu Jazz-Musik (Torrent ist Saxofonist) über Spielphilosophien, Technik und Taktik. Guardiolas Vertrauen in seinen Landsmann geht so weit, dass Torrent während der Halbzeitpausen sogar Ansprachen hält. Doch aus seinen Ambitionen, dereinst selber wieder ein Team als Cheftrainer zu übernehmen, hat Torrent, inzwischen 56-jährig, nie ein Geheimnis gemacht. Im Sommer folgt er dem Ruf des New York City F.C., bei dem wie bei Manchester City die City Football Group Mehrheitseigner ist. Guardiola selbst hat Torrent dazu geraten, das Angebot anzunehmen. Es ist eine Trennung im Guten. Bereits im Juli traf sich das einstige Erfolgsgespann in New York wieder: zu Jazz und Sushi.

Pep Guardiola (r.) und Domenec Torrent.