WM 2018
Leider viel Durchschnitt: Das sind die Gewinner und Verlierer in der Schweizer Nati

Hier finden Sie die WM-Zeugnisse der Schweizer Nationalspieler: Yann Sommer war über die ganze WM top, Granit Xhaka vor allem am Schluss flop. Ansonsten zeigten die Schweizer (zu) viele durchschnittliche Leistungen.

Etienne Wuillemin und Christian Brägger
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Valon Behrami hat an der WM seinen enormen Wert bewiesen.

Valon Behrami hat an der WM seinen enormen Wert bewiesen.

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Die Gewinner

Yann Sommer Keiner hat es an dieser WM besser gemacht aus dem Schweizer Kader. Yann Sommer war und hielt Weltklasse, in jeder Partie vereitelte er mit mindestens einer Glanztat Unheilvolles. Und wäre die Schweiz ihrem Anspruch gerecht geworden und weitergekommen als bis in die Achtelfinals, der 29-Jährige wäre der Kandidat für den «Goalie des Turniers». So aber bleibt die stille Genugtuung, wenigstens für sich den nächsten Schritt in der Karriere gemacht zu haben. Der 29-Jährige hat vor der Zeit in Russland gesagt, für ihn sei es eine Challenge, an der WM gegen die richtig guten Fussballer zu bestehen. Nach der Werbung in eigener Sache könnte Sommer für sich den Umkehrschluss wagen: Es wäre eine Challenge, weg von Gladbach und dafür gemeinsam mit den richtig guten Fussballern zu spielen.

Yann Sommer Keiner hat es an dieser WM besser gemacht aus dem Schweizer Kader. Yann Sommer war und hielt Weltklasse, in jeder Partie vereitelte er mit mindestens einer Glanztat Unheilvolles. Und wäre die Schweiz ihrem Anspruch gerecht geworden und weitergekommen als bis in die Achtelfinals, der 29-Jährige wäre der Kandidat für den «Goalie des Turniers». So aber bleibt die stille Genugtuung, wenigstens für sich den nächsten Schritt in der Karriere gemacht zu haben. Der 29-Jährige hat vor der Zeit in Russland gesagt, für ihn sei es eine Challenge, an der WM gegen die richtig guten Fussballer zu bestehen. Nach der Werbung in eigener Sache könnte Sommer für sich den Umkehrschluss wagen: Es wäre eine Challenge, weg von Gladbach und dafür gemeinsam mit den richtig guten Fussballern zu spielen.

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Manuel Akanji Die Welt ist ungerecht. Wenn ein Schweizer dieses Ende nicht verdient hatte, dann er, Manuel Akanji. Er ist so etwas wie die Entdeckung des Turniers. Er verblüffte mit seiner Ruhe gleichsam wie mit seiner Schnelligkeit und Zweikampfstärke. Und dann kommt dieser eine, entscheidende Moment; der Ball, der von seinem Fuss ins eigene Tor abgelenkt wird. 0:1, der gelbe Jubel, der rote Frust, Akanji liegt am Boden, das Trikot über den Kopf gezogen. Da mag er noch nicht daran denken, dass er auf dieser Bühne noch viele weitere Chancen erhalten wird. Zunächst einmal wird er in Dortmund von Lucien Favre noch ein bisschen geformt.

Manuel Akanji Die Welt ist ungerecht. Wenn ein Schweizer dieses Ende nicht verdient hatte, dann er, Manuel Akanji. Er ist so etwas wie die Entdeckung des Turniers. Er verblüffte mit seiner Ruhe gleichsam wie mit seiner Schnelligkeit und Zweikampfstärke. Und dann kommt dieser eine, entscheidende Moment; der Ball, der von seinem Fuss ins eigene Tor abgelenkt wird. 0:1, der gelbe Jubel, der rote Frust, Akanji liegt am Boden, das Trikot über den Kopf gezogen. Da mag er noch nicht daran denken, dass er auf dieser Bühne noch viele weitere Chancen erhalten wird. Zunächst einmal wird er in Dortmund von Lucien Favre noch ein bisschen geformt.

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Valon Behrami Von ihm wird vor allem ein Bild in Erinnerung bleiben. Wie er herabschaut auf den sich am Boden windenden Neymar. Es ist eigentlich ein ungleiches Duell, hier der alternde Schweizer Kämpfer, da der Weltstar, ein Genie am Ball eigentlich, aber doch so verzweifelt plötzlich. Die Welt schaut zu, lamentiert über Neymar, so wie sie es noch oft tut an dieser WM – und Behrami, von keinem Schmerz dieser Welt zu erschüttern, beweist noch einmal seinen grossen Wert für diese Mannschaft. Vielleicht mehr denn je.

Valon Behrami Von ihm wird vor allem ein Bild in Erinnerung bleiben. Wie er herabschaut auf den sich am Boden windenden Neymar. Es ist eigentlich ein ungleiches Duell, hier der alternde Schweizer Kämpfer, da der Weltstar, ein Genie am Ball eigentlich, aber doch so verzweifelt plötzlich. Die Welt schaut zu, lamentiert über Neymar, so wie sie es noch oft tut an dieser WM – und Behrami, von keinem Schmerz dieser Welt zu erschüttern, beweist noch einmal seinen grossen Wert für diese Mannschaft. Vielleicht mehr denn je.

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Die Verlierer

Haris Seferovic Am längsten hat Vladimir Petkovic an Haris Seferovic geglaubt, an ihm festgehalten. Bis der Trainer nach dem ersten Spiel ein Einsehen hatte und umschwenkte. Er tat damit sich und dem Stürmer einen Gefallen. Der U17-Weltmeister von 2009 steht am Scheideweg, er muss wieder einmal seine Karriere neu lancieren. Der schwere Rucksack aus Benfica, den er vollgepackt mit Verunsicherung und Ladehemmung mitbrachte, wog jedenfalls an dieser WM zu schwer. Natürlich arbeitet Seferovic viel, auch nach hinten. Aber dieser Leistungsausweis ist letztlich begrenzt, wenn er denn überhaupt einer ist für einen Torjäger. Und so bleibt am Ende des Turniers dieser Eindruck haften: Seferovic war dabei, aber irgendwie auch nicht.

Haris Seferovic Am längsten hat Vladimir Petkovic an Haris Seferovic geglaubt, an ihm festgehalten. Bis der Trainer nach dem ersten Spiel ein Einsehen hatte und umschwenkte. Er tat damit sich und dem Stürmer einen Gefallen. Der U17-Weltmeister von 2009 steht am Scheideweg, er muss wieder einmal seine Karriere neu lancieren. Der schwere Rucksack aus Benfica, den er vollgepackt mit Verunsicherung und Ladehemmung mitbrachte, wog jedenfalls an dieser WM zu schwer. Natürlich arbeitet Seferovic viel, auch nach hinten. Aber dieser Leistungsausweis ist letztlich begrenzt, wenn er denn überhaupt einer ist für einen Torjäger. Und so bleibt am Ende des Turniers dieser Eindruck haften: Seferovic war dabei, aber irgendwie auch nicht.

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Granit Xhaka «Wir wollen gegen Schweden gewinnen, dann schauen wir weiter.» Der Mittelfeldstratege gibt sich stets selbstbewusst. Bisweilen wird ihm das als arrogant ausgelegt, und vielleicht ist es das auch. In jedem Fall ist der Grat schmal, auf dem sich Granit Xhaka bewegt. Und die Fallhöhe gross. An der WM verschwand der Arsenal-Profi völlig von der Bildfläche, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Verband hielt ihn unter Verschluss, auf dem Platz war der 25-Jährige nicht der sichtbare Taktgeber. Gäbe es diese zweite Halbzeit gegen Serbien nicht, in der der im Stolz verletzte Xhaka endlich zeigte, was in ihm steckt, das Urteil wäre ohne Adlergruss gemacht: Weniger reden, dafür Taten sprechen lassen. Und zwar ohne Handzeichen.

Granit Xhaka «Wir wollen gegen Schweden gewinnen, dann schauen wir weiter.» Der Mittelfeldstratege gibt sich stets selbstbewusst. Bisweilen wird ihm das als arrogant ausgelegt, und vielleicht ist es das auch. In jedem Fall ist der Grat schmal, auf dem sich Granit Xhaka bewegt. Und die Fallhöhe gross. An der WM verschwand der Arsenal-Profi völlig von der Bildfläche, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Verband hielt ihn unter Verschluss, auf dem Platz war der 25-Jährige nicht der sichtbare Taktgeber. Gäbe es diese zweite Halbzeit gegen Serbien nicht, in der der im Stolz verletzte Xhaka endlich zeigte, was in ihm steckt, das Urteil wäre ohne Adlergruss gemacht: Weniger reden, dafür Taten sprechen lassen. Und zwar ohne Handzeichen.

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Blerim Dzemaili Dann fliegt der Ball übers Tor. Und der Schweiz bleibt nur der Konjunktiv: Was wäre, wenn ihre Nummer 10 das Tor doch nur ein bisschen häufiger treffen würde? Vielleicht wäre sie gegen Schweden 1:0 in Führung gegangen, hätte den Achtelfinal gar gewonnen. Vielleicht wäre auch sonst manch ein Spiel nicht so kompliziert. Aber so ist das nicht. Die Schweiz hat Dzemaili auf der strategisch so wichtigen Position hinter der Sturmspitze. Sie muss mit ihm hoffen, und dann fast immer feststellen, dass es letztlich doch nur ein unerträgliches Leiden ist. Es sind ganz einfach zu viele Chancen, die er vergibt. Das ist das, was diese WM gezeigt hat. Sie hat aus Blerim Dzemaili einen Verlierer gemacht.

Blerim Dzemaili Dann fliegt der Ball übers Tor. Und der Schweiz bleibt nur der Konjunktiv: Was wäre, wenn ihre Nummer 10 das Tor doch nur ein bisschen häufiger treffen würde? Vielleicht wäre sie gegen Schweden 1:0 in Führung gegangen, hätte den Achtelfinal gar gewonnen. Vielleicht wäre auch sonst manch ein Spiel nicht so kompliziert. Aber so ist das nicht. Die Schweiz hat Dzemaili auf der strategisch so wichtigen Position hinter der Sturmspitze. Sie muss mit ihm hoffen, und dann fast immer feststellen, dass es letztlich doch nur ein unerträgliches Leiden ist. Es sind ganz einfach zu viele Chancen, die er vergibt. Das ist das, was diese WM gezeigt hat. Sie hat aus Blerim Dzemaili einen Verlierer gemacht.

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Der Rest der Schweizer Mannschaft: (Zu) viel Durchschnitt

Fabian Schär Der Ostschweizer spielte einen soliden Part, mehr nicht. In jedem Spiel hatte er Unsicherheiten, in jedem Spiel hatte er seine guten Momente. Es wird Zeit, dass sich Fabian Schär einen Club sucht, bei dem er zur Ruhe kommt. Denn grundsätzlich, wie bei der Niederlage gegen Schweden gesehen, ist der 26-Jährige aus dem Schweizer Nationalteam nicht wegzudenken.
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Stephan Lichtsteiner Als es den Captain am dringendsten gebraucht hätte, durfte er nicht auf dem Platz stehen, weil er gesperrt war. Biss und Leidenschaft und unbändiger Siegeswille – das alles ist offensichtlich noch immer nicht genug im Team verankert. Lichtsteiner weist den Weg. Und er muss das auch weiter tun.
Denis Zakaria Ihm gehört die Zukunft. Wenn Behramis Körper einmal nicht mehr mag, dann darf er übernehmen. Eine halbe Stunde durfte er an dieser WM spielen, gegen Costa Rica, und die zeigte die derzeitige Situation ziemlich gut auf. Zakaria ist noch etwas nervös und überhastet, aber er hat plötzlich geniale Einfälle und einen Punch, der diesem Team eigentlich nur guttun kann.
Ricardo Rodriguez Ricardo Rodriguez war Ricardo Rodriguez und damit wie immer: Ein sicherer Wert, ohne nennenswerte Aussetzer und Ausrufezeichen. Seine Leistungen an der WM sind im vorderen Viertel des Teams einzuordnen, er war einer der wenigen, der es gegen die Schweden zumindest versuchte. Doch Rodriguez blieb oft mit seinen Flanken hängen. Vielleicht muss man dem Aussenverteidiger wie gegen Nordirland noch mehr Verantwortung übertragen. Wegen ihm waren die Schweizer ja letztlich überhaupt in Russland.
Michael Lang Nach all den Jahren des Anstehens hätte es sein Spiel werden sollen gegen Schweden. Irgendwie wurde es dies auch, wenn auch im negativen Sinn. Lang spielte passabel, die rote Karte zum Spielschluss wegen der Notbremse bleibt eine Randnotiz. Keine Randnotiz bleibt, dass die Fussstapfen Stephan Lichtsteiners schlicht zu gross sind; weil der Captain von der Psyche und Präsenz, und nur von ihnen, nicht zu ersetzen ist.
Johan Djourou Die Welschen regen sich auf, weil die Deutschschweizer Johan Djourou immer schlechter sehen, als er ist. Abermals gegen die Schweden war das der Fall. Doch exakt in diesem Spiel ist klargeworden, dass die Spieler Djourou nicht mehr vertrauen, sie ihm nur noch dann den Ball zuspielen, wenn es nicht anders geht. Djourou hat viel erlebt, an EMs und WMs, oft war er Stammspieler. Es überraschte nicht, würde er nun mit 31 Jahren und 75 Länderspielen zurücktreten.
Xherdan Shaqiri Ein Turnier zwischen Licht und Schatten. Gegen Brasilien Fahrt aufgenommen. Dann letztlich herausragend gegen Serbien. Aber darf jener Siegtreffer den bescheidenen Auftritt im Achtelfinal überstrahlen? Nein, eher nicht. Es ist dieser letzte Eindruck, der bleibt. Und darum gilt: Man hätte sich mehr erhofft.
Steven Zuber Sein grosser Moment, das Tor gegen Brasilien, kam früh im Turnier. Viel mehr war es dann aber auch nicht, das sich in den Köpfen festgesetzt hat. Im Achtelfinal ist er ein einziges Mal zu sehen, bereitet die goldene Chance von Dzemaili vor. Immerhin das, aber am Ende zu wenig, um mehr als Durchschnitt zu sein.
Breel Embolo Ist zwischen Vorrunde und Achtelfinal erstmals Vater geworden. Kann in dieser neuen Rolle die Reife beweisen, die er als 21-jähriger Fussballer auf dem Platz noch immer nicht hat. Es bleibt dabei: Er hat in dieser Mannschaft seinen Platz noch immer nicht gefunden. Und das, obwohl die Offensiv-Konkurrenz alles andere als glänzt. Seine Zeit kann noch kommen, muss aber zulegen.
Josip Drmic Die Geschichte wäre auch zu schön gewesen. Innert eines Jahres vom drohenden Karrierenende zum umjubelten WM-Helden. Es blieb ein Wunsch. Aber Drmic hat etwas, das niemand sonst hat in diesem Team. Er riecht das Tor. Ob mit Kopfbällen oder technisch einwandfrei per Fuss (wie beim Tor gegen Costa Rica). Legt er körperlich zu, kann er noch einige Freude bereiten.
Mario Gavranovic Hat seine Sache so gut gemacht, wie man sie von einem Stürmer der kroatischen Liga eben erwarten kann. Im zweiten Spiel hatte der Tessiner seinen Moment, als er Xherdan Shaqiri den Siegtreffer ermöglichte. In der dritten Partie erhielt er seine Chance, nutzte sie aber nicht. Er hat zwar Goalgetter-Qualitäten, aber zu wenig Wasserverdrängung. Ein Wechsel in eine bessere Liga würde helfen.

Fabian Schär Der Ostschweizer spielte einen soliden Part, mehr nicht. In jedem Spiel hatte er Unsicherheiten, in jedem Spiel hatte er seine guten Momente. Es wird Zeit, dass sich Fabian Schär einen Club sucht, bei dem er zur Ruhe kommt. Denn grundsätzlich, wie bei der Niederlage gegen Schweden gesehen, ist der 26-Jährige aus dem Schweizer Nationalteam nicht wegzudenken.

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