Fussball
Kuzmanovic erzählt erstmals, warum er den FC Basel verlassen hat

Es war ein Hammertransfer: Zdravko Kuzmanovic zuück zum FCB. Doch lange blieb der Rückkehrer nicht. An einem Morgen während des Trainingslagers in Spanien reist Kuzmanovic ab – per sofort verlasse er das Team. Jetzt spricht er erstmals exklusiv über den Abgang.

Sebastian Wendel
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Zdravko Kuzmanovic meldet sich über zwei Monate nach seinem fluchtartigen Abgang aus Basel zu Wort und sagt, warum es zwischen ihm und Trainer Urs Fischer nicht funktioniert hat. Andy Mueller/Freshfocus

Zdravko Kuzmanovic meldet sich über zwei Monate nach seinem fluchtartigen Abgang aus Basel zu Wort und sagt, warum es zwischen ihm und Trainer Urs Fischer nicht funktioniert hat. Andy Mueller/Freshfocus

Andy Mueller/freshfocus

Rückblende: Es ist der Morgen des 19. Januar, als der FC Basel während des Trainingslagers in Spanien aufsehenerregende Neuigkeiten verkündet: Zdravko Kuzmanovic verlässt die Mannschaft per sofort, um Verhandlungen mit einem anderen Klub zu führen.

Nur gerade ein halbes Jahr, nachdem der serbisch-schweizerische Doppelbürger unter viel Brimborium zu jenem Verein zurückkehrte, bei dem seine Profilaufbahn begann und bei dem er nun die neue Identifikationsfigur werden sollte, ist das Abenteuer Geschichte.

Per Zufall fliege ich in der gleichen Maschine wie Kuzmanovic zurück in die Schweiz. Am Flughafen in Malaga sprechen wir kurz miteinander, doch offiziell äussern möchte sich der 28-Jährige zu seinem überraschenden Abgang nicht. «Sorry, ich darf und will nicht darüber sprechen. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.»

Tage, Wochen, ja Monate vergehen, in denen Kuzmanovic nichts von sich hören lässt. Stattdessen avanciert er bei Udinese Calcio, wohin er sich ausleihen liess, zur fixen Grösse im Mittelfeld.

In Basel ist sein Abgang, der mehr an eine Flucht denn an überlegtes Handeln erinnerte, schnell einmal kein Thema mehr: Zu unbedeutend war Kuzmanovic’ sportliche Rolle in der Vorrunde. Zu fest verärgert hat er die FCB-Fans, als dass sie ihm eine Träne nachweinen würden.

Bis gestern. Plötzlich leuchtet das Handy auf: SMS von Kuzmanovic. «Willst du eine Aussage? Dann ruf mich an!» So könne er den Fans sagen, was passiert sei.

Wir telefonieren zehn Minuten lang. Zehn Minuten, in denen Kuzmanovic ruhig, aber bestimmt nach monatelangem Schweigen sagt, warum er den FCB damals in Spanien Hals über Kopf verlassen hat.

Bevor wir auflegen, bittet Kuzmanovic darum, ihm seine Aussagen zur Autorisierung zuzuschicken. Als der FCB, notabene immer noch Kuzmanovic’ Arbeitgeber, vom Gespräch erfährt, bittet auch er um die Zustellung der Zitate. Nach langem Hin und Her wurden die Zitate in den folgenden Abschnitten freigegeben.

«Wir werden keine Freunde mehr»

Schnell wird klar: Der Grund für den Abgang war einzig und allein Trainer Urs Fischer.

Kuzmanovic sagt: «Ich bin nicht gegangen, weil ich ein Problem mit dem FC Basel oder mit den Fans hatte. Ich bin gegangen, weil ich gespürt habe, dass ich und der Trainer nicht zusammenpassen. Eine weitere Zusammenarbeit zwischen mir und Urs Fischer hätte keinen Sinn gemacht, das habe ich den Verantwortlichen so mitgeteilt. Es war in meinen Augen auch zwecklos, einen letzten Versuch für eine weitere Zusammenarbeit zu unternehmen.»

Und weiter: «Wenn der Spieler und der Trainer nicht auf der gleichen Wellenlänge sind, muss man sich trennen. Ich bin im Sommer gekommen, um zu helfen. Ich hatte andere Vorstellungen als das, wie es in der Vorrunde herausgekommen ist. Darum ist es besser, dass wir uns getrennt haben.»

Auf die Nachfrage, was genau zwischen ihm und Fischer nicht gestimmt habe, antwortet Kuzmanovic: «Wir hatten unterschiedliche Meinungen über meine Rolle im Team. Und ich spürte je länger, je mehr, dass er nicht voll auf mich setzen wird.»

Und über das zwischenmenschliche Verhältnis: «Es hat einfach nicht gepasst. Das gibt es im Leben. Wichtig ist, dass man ehrlich zueinander ist und daraus die richtigen Schlüsse zieht.»

«Dazu muss ich nichts sagen.» Die Antwort von Urs Fischer, nachdem die «Nordwestschweiz» den FCB-Coach mit den Aussagen von Zdravko Kuzmanovic konfrontierte.

«Dazu muss ich nichts sagen.» Die Antwort von Urs Fischer, nachdem die «Nordwestschweiz» den FCB-Coach mit den Aussagen von Zdravko Kuzmanovic konfrontierte.

Keystone

Danach geht es um die Vorwürfe von Fans, er sei ein Charakterlump, weil er den FCB trotz dem Versprechen, bis zum Karriereende zu bleiben, verlassen hat.

Kuzmanovic: «Dass ich von einigen Fans zum schwarzen Schaf abgestempelt werde, kann ich irgendwo verstehen. Ich hoffe aber, dass sie auch ein wenig Verständnis haben.»

Kuzmanovic betont, er habe Verantwortung übernommen: «Ich wollte nicht für Unruhe sorgen und den Erfolg gefährden. Darum habe ich von mir aus entschieden, dass es am besten für alle Parteien ist, wenn ich den FCB verlasse. Ich hätte es mir leicht machen und meinen Vertrag aussitzen können. Aber das wollte ich zu meinem und zum Wohl des FCB nicht.»

Und die Geschichten in den Medien, wonach er Teamkollegen von oben herab behandelt habe?

Kuzmanovic: «In meinen Augen war das Verhältnis zu den Teamkollegen intakt. In einer Fussballmannschaft kann nicht jeder dein bester Freund sein – wer das behauptet, lügt. Ich habe mich mit einigen Spielern sehr gut, mit anderen weniger gut verstanden.»

Bis zum Saisonende ist Kuzmanovic ausgeliehen an Udinese. Was passiert danach? Ist eine Rückkehr zum FCB vorstellbar?

«Urs Fischer und ich, wir werden keine Freunde mehr. Solange er beim FCB Trainer ist, kann ich mir eine Rückkehr nicht vorstellen. Alles andere steht in den Sternen und wird die Zukunft zeigen.»

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