Fussball

Kräfte schonen, oder doch Vollgas geben? – YB vor dem Rückspiel in Liverpool

Voller Euphorie nach dem Sieg gegen Basel: Raphael Nuzzolo.

Voller Euphorie nach dem Sieg gegen Basel: Raphael Nuzzolo.

Die Young Boys vor der unlösbar scheinenden Aufgabe beim FC Everton in der Europa League.

Es ist eine knifflige Frage, die sich den Young Boys stellt. Nach ihrem 4:2-Heimsieg über den FC Basel sind sie in der Super League bis auf fünf Punkte an den Meister herangerückt und voll im Titelrennen. Doch am Sonntag wartet mit dem Kantonalderby in Thun eine Aufgabe der heikleren Art. Kassiert YB im Oberland eine Niederlage, ist die Euphorie aus dem Spiel gegen Basel schon wieder verpufft.

Dies bringt die Berner in eine Zwickmühle. Denn weniger als drei Tage vor diesem wegweisenden Auftritt sind sie noch in der Europa League engagiert. Nicht, dass sich die Young Boys über den dichten Terminplan beschweren würden, sie haben sich ja selber gewünscht, international zu spielen und dabei so weit wie möglich zu kommen. Und ein Gastspiel bei einem Premiere-League-Klub ist ohnehin etwas, wovon jeder Fussballer träumt. «Ich durfte mit YB in Liverpool in die Anfield Road einlaufen, und jetzt darf ich in der gleichen Stadt auch noch im Goodison Park spielen. Das ist speziell», sagt Raphael Nuzzolo. Auch mit 31 Jahren lechzt ein Profi nach der besonderen Ambiance englischer Stadien. Vollgas geben und sich im bestmöglichen Licht präsentieren, ist Pflicht. Eigentlich.

Mentale Fortschritte erkennbar

Aber eben: Vor einer Woche hat YB das Heimspiel gegen den FC Everton im Stade de Suisse 1:4 verloren. Ein Vorstoss in die Achtelfinals ist nach menschlichem Ermessen nicht mehr möglich. Zu stark haben sich die «Toffees» in Bern präsentiert, um YB im Glauben zu lassen, eine Korrektur sei noch möglich. Die logische Folgerung daraus hiesse nun für Gelbschwarz: Energie sparen in Liverpool, um gegen Thun die Siegchancen zu erhöhen.

«Nein, das tun wir nicht. Es ist ja kein Freundschaftsspiel, sondern ein Sechzehntelfinal in der Europa League. Wir wollen den Schweizer Fussball gut vertreten», sagt Nuzzolo. «Ich habe keine Angst davor, in Thun könnte uns deshalb die Kraft ausgehen. Vor dem Spiel gegen Basel haben wir genau gleich wenig Erholungszeit gehabt und sind gleichwohl spritzig gewesen.» Allerdings liess Trainer Uli Forte durchblicken, dass doch der eine oder andere Spieler, etwa Alexander Gerndt oder Milan Gajic, eine Pause erhalten könnte. Sicher spielen werden Milan Vilotic und Guillaume Hoarau, die in Thun gesperrt fehlen werden.

Nuzzolo steht in seiner vierten Saison bei YB. «Wir haben auch schon in früheren Jahren gute Spieler gehabt. Gerade in der Mannschaft von Trainer Christian Gross gab es tolle Fussballer mit viel Qualität, aber jeder hat für sich geschaut», sagt Nuzzolo. «Nun sind wir mental stärker. Wir haben mit einem 4:2 gegen Basel auf das 1:4 gegen Everton reagiert. Das ist ein Beweis dafür, dass wir Fortschritte gemacht haben. In der Super League müssen wir dies nun auch gegen Teams wie Aarau und Vaduz bestätigen.» Im Brügglifeld und im Rheinpark, wo die Beine nicht von alleine laufen wie im Goodison Park.

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