Super League

Komornicki: «Es ist ein schönes Gefühl, das Training zu leiten»

Ryszard Komornicki hat gestern seine erste Einheit als Trainer des FC Luzern geleitet. Der Pole verlässt sich dabei nichts aufs Gefühl, wie er sagt. Der 53-Jährige rechnet auch mit seinem Ex-Club, dem FC Wohlen, ab.

Ryszard Komornicki bat gestern kurz vor 10.30 Uhr zum ersten Training mit den Profis des FC Luzern. Zuvor hatten der 53-jährige Pole und FCL-Sportchef Heinz Hermann (54) zur Mannschaft gesprochen. 30 Minuten lang. Hermann appellierte an die Werte «Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt und Zusammenhalt, die wir sofort echt leben müssen». Murat Yakins ebenfalls freigestellte Assistenten Giorgio Contini und Walter Grüter hatten in der Kabine eine schriftliche Abschiedsbotschaft hinterlassen. Sie wünschten der Mannschaft Erfolg. Denn dieser war zuletzt verloren gegangen.

Der zweitletzte Tabellenplatz mit nur drei Punkten aus sechs Partien konnte den Spielern aus dem Gesicht abgelesen werden. Sie machten einen äusserst niedergeschlagenen Eindruck, als sie von der Swissporarena zum Trainingsplatz gingen. Es ist klar: Der neue Coach hat viel Arbeit vor sich, um die Luzerner Profis aus ihrem Tief zu befreien. Komornicki hat ein einfaches Mittel dafür: «Wenn ich nicht lache, kann ich nicht leben und arbeiten.» Das nächste Spiel steht am Donnerstag (19.30 Uhr) im Playoff-Hinspiel der Europa League daheim gegen Genk an. «Eigentlich brauchte ich jetzt zwei Wochen, um das Team optimal einzustellen. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert.» Er liess die Profis zuerst mit dem neuen Konditionstrainer Reto Jäggi Runden laufen, Kraft wurde gebolzt, dann wurden Pässe geschlagen. Der Pole hat losgelegt.

Ryszard Komornicki, offensichtlich freuen Sie sich, wieder auf dem Fussballplatz zu stehen.

Ryszard Komornicki: Es ist ein schönes Gefühl, das Training zu leiten. Fussball ist für mich kein Krieg, Fussball ist Freude – unabhängig davon, was passiert.

Sie haben sich eine schwierige Aufgabe ausgesucht.

Ich bekomme stets schwierige Jobs (schmunzelt). Aber ich sehe es nicht negativ. Mein Job ist es, der Mannschaft den Druck zu nehmen. Zu grosser Druck löst nur Angst aus. Die Spieler brauchen jetzt vor allem Selbstvertrauen. Wir müssen gemeinsam aus dem Tief herauskommen. Jeder Einzelne zählt.

Die Spieler machen immer noch einen geknickten Eindruck. Ist die negative Denkweise in den Köpfen drin?

Solange die Spieler alles geben, ist es für mich kein Problem. Es braucht etwas Zeit und ein Erfolgserlebnis, damit die positiven Gedanken überwiegen.

Bleibt Florian Stahel Captain?

Es ist noch zu früh, darüber zu entscheiden. Ich führe zuerst Gespräche mit den älteren Spielern. Ich rede hier von Führungsspielern, die muss man dazu auffordern. Wenn es keine gibt, dann ist die Verantwortung auf verschiedene Schultern zu verteilen.

Wie muss sich Ihre Mannschaft auf dem Platz verhalten?

Sie muss wieder eine Struktur haben, defensiv kompakt stehen. Aber nicht nur. In Ballbesitz will ich nicht bloss mit zwei Leuten angreifen.

Wie ist Ihre Philosophie?

Ich spiele, nur um zu gewinnen, andere Resultate interessieren mich nicht. Ich mache keine Prognosen, ich tue alles, damit wir siegen. In der Kabine habe ich gehört, dass jemand sagte, wenn wir am Sonntag bei Servette verlieren sollten, wären wir Letzter. Wie zuletzt beim FC Wohlen, den ich im Frühling vor dem Abstieg aus der Challenge League rettete, will ich von den Spielern, dass sie sich keine solchen Gedanken machen. Lasst die Tabelle auf der Seite, habe ich ihnen gesagt.

Sie haben während des Trainings immer wieder mit einzelnen Spielern gesprochen. Was sagten Sie zum Beispiel dem 19-jährigen Hekuran Kryeziu?

Ich erklärte ihm, dass er als defensiver Mittelfeldspieler nach einem Pass in die Tiefe nicht stehen bleiben soll, und fragte ihn, warum er nicht in den Angriff mitgeht. Ich brauche keine sieben Spieler, die nur defensiv ausgerichtet sind.

Was macht Sie sauer?

Wenn mir einer einen Zettel hinhält mit der Aufstellung. In Wohlen ist mir das passiert, dort habe ich den Verein mit dem Ligaerhalt beschenkt und die Verantwortlichen bedankten sich mit der Entlassung (lächelt dabei bitter).

Fehlt dem FCL ein Grundgerüst von acht, neun Stammspielern?

Ich würde am liebsten immer mit den gleichen elf Spielern durchspielen.

Wie haben Sie sich auf das Playoff-Spiel am Donnerstag gegen Genk vorbereitet?

In der Nacht habe ich DVDs von Genk gesehen. Um 5 Uhr in der Früh hat mich meine Frau geweckt und gesagt, ich soll jetzt zur Arbeit fahren (lächelt). Langsam realisiere ich, dass ich wieder arbeite.

Die Zeit bis zum Europa-League-Match ist kurz.

Wir haben wenig Zeit, ich kann nicht viel verändern. Alle hoffen auf den Trainerwechsel-Effekt. Die Spieler müssen aber mitziehen, alleine kann ich nichts tun. Wir müssen zusammen stark sein. Ich hoffe auf eine positive Konstellation.

Wie ist Ihr Gefühl?

Ich verlasse mich nicht auf mein Gefühl, dieses ist nicht besonders gut (trotzdem funkeln seine Augen).

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