Fussball
Kommt nach dem Streit im Schweizer Mittelfeld endlich die grosse Versöhnung?

Die beiden Napoli-Söldner Inler und Behrami liegen sich seit einiger Zeit in den Haaren. Nun gibt es Anzeichen, dass sie sich zusammenraufen. Oder doch nicht?

Etienne Wuillemin, Weggis
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Ein erster Schritt: Die beiden Napoli-Stars Inler und Behrami sprechen wieder miteinander.

Ein erster Schritt: Die beiden Napoli-Stars Inler und Behrami sprechen wieder miteinander.

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Es sind zwei Szenen im Training, die unterschiedlicher nicht sein können. Die Frage lautet nur: Welchem Bild können wir trauen?

Szene 1: Während des Trainings kommt es zu einem Zweikampf zwischen Gökhan Inler und Valon Behrami. Die beiden fighten um den Ball. Sie sind nahe beieinander. Erst sieht es so aus, als wollen sie möglichst nicht aneinandergeraten. Dann verfolgt Inler aber Behrami trotzdem. Und trifft ihn mit seinen Schuhen an der Achillesferse. Behrami bleibt liegen. Beleidigt. Wie schon bei einem Zusammenprall am Tag zuvor.

Szene 2: Das Training ist zu Ende. Das Team am Auslaufen. Ganz zuhinterst, mit einem Abstand von einigen Metern, laufen Inler und Behrami. Ja, nur sie zwei. Sie sprechen miteinander, sie gestikulieren, manchmal lächeln sie gar. Irgendwie sieht es wie eine erste Aussprache aus. Streit oder Versöhnung? Bild 1 oder Bild 2?

Wie der Streit beginnt

Es ist Anfang März, als Inlers Berater einem italienischen Radio («Kiss Kiss») ein Interview gibt. Der Agent ist ein regelmässiger Gesprächspartner von Kiss Kiss. Die Interviews - alle, ausser jenem einen fatalen - kann jeder im Internet nachhören. Häufig geht es um die grossartigen Leistungen von Inler.

Es ist ein Deal wie oft, eine Hand wäscht die andere. Das kleine Radio verschafft sich dank den Interviews mit Inlers Berater Aufmerksamkeit. Der Berater stellt sicher, dass sein Mandant in einem positiven Licht dargestellt wird.

Aber in diesem Gespräch Anfang März geht unverhofft etwas schief. Die Frage lautet: Mit wem an seiner Seite spielt Inler am besten? «Und dann habe ich eben spontan den anderen genannt», erinnert sich Inlers Berater. «Der andere», das ist Jorginho, ein Brasilianer. Und vor allem: nicht Behrami. Nicht Dzemaili. Nicht die Kollegen aus dem Nationalteam. Danach gab es in Neapel während Wochen nur noch dieses eine Thema. Einmal sei es deswegen fast zu einer Schlägerei im Teambus gekommen, berichtete am letzten Samstag «Das Magazin».

Inlers Berater sagt, er habe sofort gemerkt, einen grossen Fehler begangen zu haben. Er entschuldigt sich in der Öffentlichkeit. Aber damit ist die Sache nicht erledigt. Inler, ein zurückhaltender, fast schon scheuer Zeitgenosse, macht den vielleicht entscheidenden Fehler. Er sucht nicht direkt das versöhnliche Gespräch mit Behrami. Erst vor gut zwei Wochen will er mit Behrami sprechen. Zu spät. Behrami, so heisst es, soll sich gefragt haben, ob er denn monatelang nicht genug wichtig gewesen sei für ein Gespräch.

Wie sich der Streit entwickelt

Und nun sind die beiden also bei der Nationalmannschaft. An der WM eigentlich zusammen als Schweizer Herz vorgesehen. Droht jetzt der Herz-Stillstand?
Wir rufen Inlers Berater an. Am Telefon sagt er bald einmal: «Für mich ist die Sache erledigt. Ich habe mich entschuldigt. Es tut mir leid. Es war ein grosser Fehler. Aber ich will nicht weiter Öl ins Feuer giessen - das habe ich Ottmar Hitzfeld und dem Verband versprochen.»

Es ist, ohne Zweifel, die richtige Entscheidung. Vor allem, weil sich das Thema sonst ausweiten würde. In den letzten Tagen erreichten Inlers Berater Telefonanrufe aus Brasilien. Auch die Journalisten im WM-Austragungsort wollten die Details über die «Fehde von Napoli» («Das Magazin») erfahren.

Was die Beteiligten dazu sagen

Gestern Abend in Weggis. Captain Gökhan Inler nimmt gegenüber der «Nordwestschweiz» erstmals seit dem Nati-Zusammenzug Stellung zum Streit im Herz des Schweizer Mittelfelds. «Wir sind beide Sportler und Profis. Wir haben die Geschehnisse ausdiskutiert.» Zur Kollision im Training sagt Inler: «So etwas kommt eben vor.» Und schliesslich: «Valon ist wichtig für die Mannschaft. Wir haben ein gutes Verhältnis.»

Zumindest der letzte Satz ist wohl etwas übertrieben. Trotzdem: Es gibt Anzeichen, dass die Operation am Nati-Herzen gelingen könnte. Bereits am Sonntag sagte Valon Behrami: «Wir sind nun 30 Tage zusammen - irgendwie werden wir uns arrangieren.»

Zurück zum Gespräch mit Inlers Berater. Noch einmal betont er: «Dieses Interview war ein grosser Fehler, da muss man das Bild nicht schöner malen, als es ist.» Aber, und so viel lässt er gerne durchblicken, vielleicht habe der Streit auch seine Vorteile. Weil es Inler guttue, einmal einen Konflikt bewältigen zu müssen. Weil sich beide, Inler und Behrami, auf dem Platz noch mehr zerreissen würden. So sehr, dass am Schluss sogar die Schweiz profitiert. «Das alles halte ich für sehr realistisch», sagt der Berater.
Seine Wünsche in Gottes Ohr.