Super League
Koller lässt erstmals Punkte liegen – FCZ und FCB verabschieden sich mit einem 1:1-Unentschieden

1:1 im Klassiker FC Zürich - FC Basel, Marcel Kollers Siegesserie reisst und FCZ-Trainer Ludovic Magnin fordert den Videobeweis.

Sébastian Lavoyer
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FCB-Trainer Marcel Koller muss mit ansehen, wie sein Team trotz 1:0-Führung erstmals unter ihm Punkte lässt.

FCB-Trainer Marcel Koller muss mit ansehen, wie sein Team trotz 1:0-Führung erstmals unter ihm Punkte lässt.

Keystone

Er macht seinem Übernamen alle Ehren, seit er beim FCB von Raphael Wicky übernommen hat. In Österreich nannten sie Marcel Koller «Wunderwuzzi». Auch, weil er die Nationalelf unserer Nachbarn an die EM 2016 dirigierte. Ein kleines Wunder hat Koller auch in Basel vollbracht. Nach drei Niederlagen und bloss einem Unentschieden gegen Aufsteiger Xamax übernahm er in Basel ein zutiefst verunsichertes Team. Doch kaum kam Koller, siegte der FCB. Sechs Mal in Folge verliess sein Team den Platz als Sieger, seit der Zürcher übernahm. Jetzt ist die Serie gerissen. 1:1 gegen den FCZ. Ausgerechnet, muss man sagen, denn der FCZ ist Erzrivale des FCB und von GC, wo Koller als Spieler Karriere machte.

Zürichs Jagne Pa Modou, rechts, jubelt nach seinem Tor zum 1:1.
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Zürichs Trainer Ludovic Magnin
Kevin Rueegg
FCZ-FCB, 26.08.2018
Die Basler jubeln nach dem 1:0 Tor.
Basels Ricky van Wolfswinkel, oben, spielt um den Ball mit Zuerichs Mirlind Kryeziu, unten.
Trainer FC Koller; am Spiel
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Basels Samuele Campo, rechts, auf dem Weg zum 1:0 Tor.
Basels Taulant Xhaka
Basels Ricky van Wolfswinkel, links, spielt um den Ball mit Zuerichs Jagne Pa Modou.
Basels Trainer Marcel Koller lachend am Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Basel im Letzigrund.
Basels Eray Cuemart, links, spielt um den Ball mit Zuerichs Benjamin Kololli.

Zürichs Jagne Pa Modou, rechts, jubelt nach seinem Tor zum 1:1.

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Koller sagt, dass das Unentschieden «letztlich verdient» sei und sein Opponent, Ludovic Magnin, pflichtet dem bei. Verdient, weil der FCB zwar mehrheitlich das Spiel kontrollierte, der FCZ aber die besseren Chancen hatte. Aber zufrieden kann Koller mit diesem Resultat nicht sein. Erst fünf Runden sind gespielt, aber der Rückstand auf Meister YB, dem man den Titel so gerne wieder abluchsen möchte, ist schon auf stattliche sieben Punkte angewachsen. Danach gefragt, ob er das Gefühl habe, sein Kader genüge, um die beeindruckend stilsicheren Berner zu gefährden, weicht Koller aus. Man sei erst drei Wochen da, habe viele Junge im Kader, brauche noch Zeit.

Hansen spricht Klartext

Der FC Basel hat es nicht nur verpasst, an YB dranzubleiben. Er hat es auch verpasst, für eine klare Hierarchie in der Tabelle zu sorgen. Punktgleich mit dem FCZ liegt man auf Platz 2. Das ist insbesondere aus Sicht der Zürcher beachtlich. Sie haben während der letzten Saison angekündigt, dass man näher an die Liga-Dominatoren aus Bern und Basel rücken wolle.

Man hat sich verstärkt, verlor aber mit Raphael Dwamena und Michael Frey die besten Torschützen. Zwar will man noch einen grossen, physisch starken Stürmer holen. FCZ-Trainer Ludovic Magnin sagt aber auch: «Wenn wir nicht zu 100 Prozent überzeugt sind oder es nicht klappt, dann holen wir halt keinen. Wir machen keinen Panikkauf.» Stand heute gilt: Die Distanz zu

FCB und YB ist grösser geworden.

Auch deshalb ist das 1:1 gegen den FCB ein Achtungserfolg für die Zürcher. Ein Erfolg, den sie auch ihrer taktischen Disziplin zu verdanken haben. Auf dem Blatt spielen sie ein 3-4-3, tatsächlich verteidigen sie anfänglich vor allem in einem 5-4-1. Der Riegel hält, bis Samuele Campo aus der Drehung und mit dem ersten Schuss aufs Tor zum 1:0 trifft. Doch der FCZ reagiert, drückt in der zweiten Halbzeit vehement auf den Ausgleich.

Der fällt eigentlich schon in der 67. Minute. Und zwar durch den einzig nominellen FCZ-Stürmer Stephen Odey. Doch das Schiedsrichter-Gespann um Alain Bieri annulliert den Treffer wegen eines vermeintlichen Offsides. Ein Fehlentscheid. Und Magnin meint: «Die Szene zeigt, dass in der Schweiz der Videoschiedsrichter kommen muss. Das tut weh.» Ausgerechnet nach diesem Wochenende.

Martin Hansen: 4 Macht eigentlich eine ganz ansprechende Partie und hält mehrmals stark, dann aber rutscht ihm Pa Modous Kopfball unter dem Körper durch.
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Silvan Widmer: 4,5 Zu Beginn deutlich aktiver in der Offensive als noch gegen Limassol unter der Woche. Baut in der zweiten Halbzeit deutlich ab.
Eray Cömert: 5 Klärt in der 41. Minute einen Abschluss von FCZ-Innenverteidiger Bangura auf der Linie. Stark mit dem Kopf, stark im Zweikampf. Hinten der Boss.
Fabian Frei: 4 Muss aufgrund von Eder Balantas Verletzung wieder eine Reihe zurück. Fühlt sich in der Innenverteidigung sichtlich weniger wohl.
Raoul Petretta: 4 Weniger im Angriff involviert als Widmer, aber defensiv praktisch ohne Fehler. Kurz vor Schluss verstolpert er den Ball, Glück, dass Frei klären kann.
Taulant Xhaka: 4,5 Es ist, als wäre er nie verletzt gewesen. Anfänglich noch ein bisschen passiv, mit fortlaufendem Spiel immer präsenter. Kämpferisch tadellos.
Geoffroy Serey Die: 4 Ob er Hekurian Kryeziu noch im Traum verfolgt? Löscht den FCZ-Spielmacher ab, schont weder sich noch Gegner. Teils fehlerhaft im Aufbau.
Ricky van Wolfswinkel: 3,5 Macht eigentlich defensiv ein ansprechendes Spiel und gewinnt viele Kopfballduelle. Lässt dann aber Pa Modou unbedrängt einnicken.
Samuele Campo: 4,5 Braucht Zeit, bis er im Spiel ankommt. Trifft dann aus der Drehung zur FCB-Führung. Sekunden vor Schluss vergibt er aber den Matchball.
Noah Okafor: 4 Setzt sich vor dem 1:0 stark gegen FCZ-Abwehrroutinier Alain Nef durch. Hat das 2:0 auf dem Fuss, ist aber zu zögerlich. Zuffi ersetzt ihn.
Albian Ajeti: 4 Hat einen schweren Stand gegen die FCZ-Fünferkette. Trotzdem behauptet er den Ball immer wieder. Im Abschluss ohne Glück.
Luca Zuffi: 4 Zu Beginn geschont. Als er kommt, rückt Campo auf den Flügel. Dann fällt der Ausgleich. Zuffi kämpft, rennt und ackert, hat aber wenig Einfluss.
Afimicio Pululu: Keine Note Kommt in der 78. Minute für Ajeti . Setzt seinen Körper gut ein, aber muss sich noch ans Tempo gewöhnen. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.
Dimitri Oberlin: Keine Note Knapp drei Minuten kriegt der 5-Millionen-Mann Auslauf und ein ordentliches Pfeifkonzert gibts obendrauf. Zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

Martin Hansen: 4 Macht eigentlich eine ganz ansprechende Partie und hält mehrmals stark, dann aber rutscht ihm Pa Modous Kopfball unter dem Körper durch.

Zur Verfügung gestellt

In der deutschen Bundesliga war es schon am ersten Spieltag wieder zu heftigen Debatten gekommen über Sinn und Unsinn des Video-Schiris. So oder so: Am Resultat hätte sich im Letzigrund kaum etwas geändert, so die Vermutung. Denn die Zürcher hätten sich kaum anders verhalten als nach dem tatsächlichen Ausgleich durch Pa Modou in der 76. Minute. Ausgleich, Rückzug, Resultat halten – so kann man das zusammenfassen.

Martin Hansens Patzer

Obwohl der Ausgleich verdient ist, brauchen Magnins Männer auch eine Portion Glück. Denn Martin Hansen, der bei Basel den aufgrund einer Oberschenkel-Verletzung mehrere Wochen fehlenden Jonas Omlin ersetzt, patzt. Der Kopfball rutscht ihm unter dem Körper durch. «Ich habe den Ball ein bisschen unterschätzt, hätte wohl einfach ins Seitenaus boxen sollen», gesteht der Däne. Die Schuld am Gegentor nimmt er auf sich. Dann sagt er: «Wir haben eine sehr schlechte zweite Halbzeit gespielt. Wir haben die Bälle viel zu einfach verloren.» Kaum hat der FCZ gepresst, hatte der FCB gewaltig Probleme.

Trotz sieben Spielen ohne Niederlage ist klar: Der FCB hat sich unter Koller gefangen. Wundersam waren aber vor allem die Resultate. Koller kann etwas, daran besteht kein Zweifel. Aber Wunder vollbringen kann auch er nicht.