Jürgen Klopps Meisterhoffnungen mit dem FC Liverpool hängen an einem Krisenklub. Das formschwache Manchester United soll den Reds im Stadtderby mit Titelverteidiger Manchester City die dringend benötigte Schützenhilfe leisten, doch Englands Rekordmeister ist völlig aus der Spur geraten. Das 0:4 der Red Devils bei Everton wirkte kaum als Mutmacher für Klopps Titeljäger, die beim womöglich vorentscheidenden Manchester-Showdown nur bange Zuschauer sind. Zwei Punkte Vorsprung hat Liverpool auf City, das aber mit einem Sieg im Nachholspiel beim Stadtrivalen vorbeiziehen könnte.

"Wir haben keinen Einfluss auf die anderen Spiele. Als wir gegen Manchester United gespielt haben, waren sie in einer viel besseren Phase als jetzt, und da war es ein 0:0", sagte Klopp, nachdem Liverpool am Ostersonntag mit dem 2:0 bei Abstiegskandidat Cardiff City seine Pflicht erfüllt hatte. Pep Guardiolas City-Startruppe hatte sich zuvor mit dem hart erarbeiteten 1:0 gegen die Tottenham Hotspur ein wenig für das Champions-League-Aus gegen die Nordlondoner revanchiert und vor allem die Chance gewahrt, aus eigener Kraft erneut Meister werden zu können.

Auf das knifflige Gastspiel bei Manchester United folgen für den Champion nur noch die lösbaren Aufgaben in Burnley, gegen Leicester und in Brighton. Gewinnt City alle vier Spiele, bleibt Liverpool nur Platz 2. Für Klopp kein Problem. "Wenn du nur mit dem Gewinn des Heiligen Grals zu motivieren bist, dann läuft etwas falsch bei dir. Wir wollen Fussballspiele gewinnen, weil wir diese Reise mit den Fans geniessen", versicherte der Kult-Trainer.

Der Trainereffekt ist verpufft

Weit entfernt vom Genuss ist derzeit sein United-Kollege Ole Gunnar Solskjaer. Fünf der letzten acht Pflichtspiele haben die Red Devils verloren. Nach dem ernüchternden Aus in der Champions League gegen den FC Barcelona geraten nun auch in der Liga die Ziele in Gefahr. Als Sechster droht Manchester die Qualifikation für die Königsklasse zu verpassen. "Ich muss mich bei den Fans entschuldigen. Das war einer Mannschaft von Manchester United nicht würdig", sagte Solskjaer.

Die Klatsche in Everton wirkte auf manchen Beobachter wie Arbeitsverweigerung der Gäste. "Diese Leistung ist schwer zu beschreiben, weil sie so schlecht war", schimpfte Solskjaer. Das Stimmungshoch, für das der Norweger nach der Ablösung von José Mourinho mit einer Serie von Siegen gesorgt hatte, ist verflogen. Schon werden erste Zweifel laut, ob es richtig war, Solskjaer vom Interimstrainer zum Chefcoach mit Dreijahresvertrag zu befördern, noch bevor er seine erste Krise zu meistern hatte.

Nach der höchsten Saisonniederlage sprechen die Zahlen gegen United. So viele Tore wie in dieser Saison hatte der Klub zuletzt vor 40 Jahren in Englands höchster Spielklasse hinnehmen müssen. Zum ersten Mal seit 21 Jahren kassierte das Team in elf Spielen nacheinander mindestens ein Gegentor. All das könnte aber schnell vergessen sein, wenn Solskjaers Stars am Mittwoch dem ungeliebten Nachbarn City womöglich die Meisterschaft verderben.