Jürgen Klopp wirkte teilnahmslos, blickte immer wieder auf sein Handy, als würde ihn die obligatorische Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel gegen Paderborn nicht interessieren. Dann klärte er aber schnell auf. «Ich schaue nur auf die Verletztenliste, weil die so lang ist, dass ich mir nicht alle merken kann», sagte der Trainer von Borussia Dortmund und löste damit die staatstragende Stimmung an selber Stelle, wo er 24 Stunden zuvor seinen vorzeitigen Abschied vom BVB verkündet hatte.

Pressekonferenz: Jürgen Klopp vor dem Heimspiel gegen den SC Paderborn

Pressekonferenz: Jürgen Klopp vor dem Heimspiel gegen den SC Paderborn

Der 47-Jährige, der sich optisch im aschgrauen T-Shirt und gleichfarbiger Jacke der Trauerstimmung rund um den Borsiglatz angepasst hatte, versuchte am Tag eins nach dem Trainerbeben, zur Normalität zurückzukehren. «Ich weiss nicht, wie die Leute das aufgenommen haben, das kann ich nicht einschätzen. Ich habe so etwas ja vorher noch nicht gemacht. Mich und mein Trainerteam hochleben zu lassen, wäre aber sicherlich verfrüht. Denn ich bin nicht auf Abschiedstour», betonte er energisch vor seinem ersten von maximal noch acht Spielen auf der BVB-Bank.

Noch nicht fest steht die Zukunft von Klopp. Ob er ebenso wie sein als Nachfolger gehandelte Thomas Tuchel ein Sabbatjahr einlegt oder relativ schnell eine neue Herausforderung sucht, steht in den Sternen. An Angeboten wird es nicht mangeln. In England spekulieren die Medien, dass Klopp bei Manchester City anheuert, wo Manuel Pellegrini vor der Ablösung steht. Aber auch Real Madrid könnte eine Option sein, da Carlo Ancelotti beim Rekordmeister auf einem Schleudersitz arbeitet. Ein Aus in der Champions League gegen den Lokalrivalen Atlético Madrid würde der italienische Coach beim Titelverteidiger wohl nicht überstehen.

Keine Wunschlösung

Auch über Klopps Nachfolger darf noch gerätselt werden. Favorit ist Tuchel, der laut «Bild»-Zeitung für einen Vierjahresvertrag 20 Millionen Euro Gehalt erhalten soll. Nach Informationen der Rhein Main Presse, die Tuchel und dessen Umfeld aus dessen Mainzer Zeit (2009 bis 2014) bestens kennt, war er aber nicht die Wunschlösung der Dortmunder Entscheidungsträger, sondern der Schweizer Gladbach-Coach Lucien Favre.

Klopp selbst soll aber Tuchel als seinen Nachfolger vorgeschlagen haben. Beim BVB soll Tuchel einen Vertrag bis 2019 erhalten. Angesichts dieser Meldung erscheinen Tuchels Absagen an den ambitionierten Zweitligisten RB Leipzig sowie an den verzweifelten HSV in einem anderen Licht. Es deutet alles auf den BVB.