Medien verbreiten, was Newcastles Trainer in rauer Sprache dazu gesagt hat: «Fucking unbelievable». Die Experten reiben sich die Augen und müssen sich erst einmal schlaumachen: Mbabu ist wer?

Jetzt, zweieinhalb Jahre später, sitzt Rastaman Kevin Mbabu im Foyer der YB-Geschäftsstelle und erzählt bei einem Kaffee vom bisher schönsten Tag seines Lebens. «Eine Stunde vor dem Spiel kommt Trainer Steve McClaren zu mir und sagt: ‹du spielst gegen Chelsea›. Mir ist das Herz in die Hose gerutscht und die Zeit bis zum Spielbeginn war ein einziger Stress. Ein volles Stadion und Superstars wie Hazard, Pedro und Fabregas würden auf mich warten; Spieler, die ich nur vom Fernsehen kannte und bewunderte. Doch dann lief alles perfekt, wir spielten 2:2 und ich wurde sogar ins BBC-Team der Runde berufen.»

Am Flughafen kehrtgemacht

Drei Tage zuvor war Mbabu in einem FA-Cupspiel gegen Sheffield Wednesday erstmals für Newcastle aufgelaufen, und dies vor den Augen seiner Mutter und Schwester, die zu Besuch waren. Als die beiden am nächsten Tag am Flughafen bereit zur Heimreise waren, hatte Kevin eben ein Gespräch mit McClaren hinter sich und erfahren, dass er zum Aufgebot für das Chelsea-Spiel zählt. «Als ich dies meiner Mutter und meiner Schwester mitteilte, machten sie kehrt, obwohl sie die Sicherheitskontrolle schon hinter sich hatten und auch das Gepäck eingecheckt war», berichtet Mbabu. Die beiden mussten ihre spontane Entscheidung nicht bereuen.

Als 17-Jähriger hatte der Genfer für Servette im Spiel gegen Lausanne 24 Super-League-Minuten absolviert und war während eines Länderspiels mit dem Schweizer Nachwuchs von Newcastle gescoutet und dann verpflichtet worden. «Aber dort war ich ständig verletzt», sagt Mbabu. Während einer Ausleihe an die Glasgow Rangers kam er nur im Reserveteam zum Einsatz. In Newcastle war inzwischen Rafael Benitez Trainer geworden und erklärte, im Moment keine Verwendung für den Schweizer zu haben. «Ich hatte die Wahl zwischen einem Klub aus der Championship und YB», sagt Mbabu.

Kein seltenes Bild: YB-Torschütze Christian Fassnacht (Mitte) lässt sich von Kevin Mbabu (links) und Roger Assalé feiern

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«Eigentlich wollte ich gar nicht in die Heimat zurück. Ich wusste, dass man dann sagen würde, ich sei in England gescheitert.» Doch Verbandstrainer Gérard Castella empfahl Mbabu, sich ins nächste Flugzeug zu setzen und nach Bern zu kommen. Dieser tat wie geheissen und sagt heute: «Das war der beste Entscheid meiner Laufbahn.» Seine Zeit in England sei zwiespältig, sagt Mbabu. Er habe zwar dreimal in der Premier League gespielt, wegen der Verletzungen aber nicht das erreicht, was er sich vorgestellt habe. Doch das komme vielleicht noch. «Im Kopf bin ich unheimlich stark geworden. Mich wirft so schnell nichts mehr um.»

Und, oh Wunder: Seit Mbabu bei YB ist, sind die Verletzungssorgen passé. Nach seiner Ankunft in Bern hatte er sich mit einem privaten Fitnesstrainer aufgebaut. «Und ich habe die Ernährung umgestellt. In England habe ich zu wenig darauf geschaut.» Mbabu nimmt einen Schluck Kaffee und klopft mit der Hand auf den Tisch: «Holz anfassen, damit es so bleibt.»

Als er im August 2016 zu YB kam, hatte er sich in Geduld üben müssen. Erst in der Rückrunde wurde der Rechtsverteidiger Stammspieler. In 21 Spielen sah er zwar zehnmal die gelbe Karte, doch der unbändige Kampfgeist, sein Mut, seine immense Schnelligkeit und die entschlossenen Rushes machten ihn zu einem Publikumsliebling. In dieser Spielzeit steht er nach 23 Meisterschaftspartien auch schon bei sechs Gelben, in der Fangunst aber weiter hoch im Kurs. Dass er in zwei Cupspielen zweimal gelb sah und nun im Final gegen den FCZ gesperrt ist, tut weh. «Es war ein Irrtum des Schiedsrichters, das war keine Schwalbe», sagt Mbabu.

Kevin Mbabu (am Ball) bleibt bei den Young Boys

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Der 22-jährige Genfer, inzwischen von YB definitiv bis 2020 übernommen, spielt so gut, dass man ihn sich lebhaft als Nationalspieler vorstellen kann. «Ich weiss, dass mich Herr Petkovic beobachtet», sagt Mbabu, «aber ich bin mir bewusst, wie gross auf meiner Position die Konkurrenz mit Lichtsteiner, Lang und Widmer ist.»

Er will sich daher lieber auf YB konzentrieren. «Ich habe noch nichts gewonnen. Es wäre unbeschreiblich, nach 31 Jahren einen Titel in die Bundesstadt zu holen», sagt der Sohn eines Franzosen und einer Kongolesin, der noch immer im freiburgischen Bösingen als Untermieter eines eingefleischten FCB-Fans wohnt. Präziser: eines ehemaligen FCB-Fans. «Dank mir ist er zu YB übergelaufen», lacht Mbabu.