Fussball
Kay Vosers Rückkehr in die Super League

Sion gewinnt gegen im Tourbillon mit 2:1 gegen die Grasshoppers – dabei wird ein gewisser Kay Voser eingewechselt. Der 29-jährige ist nach über 20 Monaten des Leidens zurück in der Super League.

Calvin Stettler und Etienne Wuillemin
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Kay Voser (rechts) feiert mit seinen neuen Teamkollegen seinen ersten Sieg mit dem FC Sion.

Kay Voser (rechts) feiert mit seinen neuen Teamkollegen seinen ersten Sieg mit dem FC Sion.

Keystone

75 Minuten sind gespielt im Stade de Tourbillon. Es ist der Moment der Rückkehr für Kay Voser. Als Einwechselspieler absolviert er seine ersten Minuten im Dress des FC Sion. Er hilft mit, Sions 2:1-Sieg gegen GC über die Zeit zu bringen. Gegen jenen Verein, mit dem er in der Super League einst debütierte.
Voser ist zurück in der Super League. Nach Rückschlägen, Verletzungen und Hiobsbotschaften. Nach einer Zeit, in der aus einem Champions-League-Spieler ein Übergangener wurde.
Rückblende. Im Sommer 2014 ist Kay Voser ganz oben. In seinem dritten Jahr beim FC Basel spielt der damals 27-Jährige erstmals eine Saison durch. Endlich, nach vier Jahren, die von Verletzungen und Rückschlägen geprägt waren. Auftritte in der Champions League inklusive. Alles scheint perfekt. Doch Voser verspürt den Drang zum Abenteuer. Er unterschreibt beim Premier-League-Absteiger Fulham.

Als Champions-League-Spieler in die raue englische Zweitklassigkeit. Viele begreifen diese Entscheidung nicht, doch Voser reist mit hohen Erwartungen nach London und der Hoffnung, sich dereinst als Premier-League-Spieler bezeichnen zu dürfen.

«Entweder du schlägst ein, oder du gehst wieder»

Die Mission ist klar: sofortiger Wiederaufstieg. Voser ist einer der teuersten Transfers, die Trainer Felix Magath im Sommer tätigt. Der Deutsche wird in Fulham als Architekt des Erfolgs ausgerufen – nach sieben Spielen mit nur einem Punktgewinn wird er entlassen. «In England ist die Zeit beschränkt, entweder du schlägst ein, oder du gehst wieder», sagt Voser.
Dasselbe gilt zu diesem Zeitpunkt für ihn. Ein Traum nach dem anderen platzt. Unter dem neuen Trainer Kit Symons, ein Nachzügler aus Fulhams U21-Mannschaft, kommt Voser bis Saisonende nie zum Einsatz. Wegen einer längeren Verletzung. Aber auch, weil Symons nur auf Spieler setzt, die mit der zweiten englischen Liga vertraut sind.

Die Tatsache, vom gescheiterten Magath verpflichtet worden zu sein, haftet wie ein Etikett an Voser. Er sagt: «Ich fühlte mich ungerecht behandelt, weil ich gar nie eine richtige Chance erhalten habe.»
Doch Voser resigniert nicht. «Immerhin privat ging es mir gut. London zu entdecken, eine neue Sprache zu lernen, dieses Gefühl von Freiheit zu erleben, das erfüllte mich.» Voser will nicht einfach davonlaufen. Trotz Angeboten. Doch die Offerten erreichen ihn aus Ländern und Ligen, die er als uninteressant erachtet. Er bleibt. «Ich hätte mir sonst vorgeworfen, mich nicht dieser Herausforderung gestellt zu haben.»
Vosers Geduld wird belohnt, zum Beginn der zweiten Fulham-Saison spielt er. Endlich. Sogar mehrfach über die volle Distanz. Doch dann bahnt sich im Oktober 2015 die nächste Hiobsbotschaft an: der Tod seiner kranken Mutter. «Ich bin schon etwa drei Wochen vor ihrem Tod in die Schweiz geflogen, um mich um sie zu kümmern und mit ihr die letzten Tagen verbringen zu können.»
Es ist ein Schicksalsschlag, der den Denker in Kay Voser wieder aufleben lässt. Er stellt sich die Sinnfrage, versucht seine Gedanken zu ordnen, will sich bewusst werden, was ihm wirklich wichtig ist. «Der Fussball war es in diesen Tagen überhaupt nicht.» Es ist ein Prozess, den er bereits einmal zu Basler Zeiten durchmachte, als er monatelang verletzt war. Damals entdeckte er sein Interesse an Philosophie und Psychologie. Auch darum findet er in dieser schwierigen Zeit Ablenkung.
Nach einem Monat der Trauer und der Besinnung kehrt Voser nach London zurück. Mittlerweile wurde Trainer Symons von Peter Grant abgelöst und eine ganze Viererkette neu verpflichtet. «Auf Einzelschicksale wird keine Rücksicht genommen. Spielt man unter Niveau, wird man einfach ersetzt. So läuft das auf der Insel, wenn Geld scheinbar unbegrenzt vorhanden ist.» Voser verharrt weiter auf dem Abstellgleis – und wird sich je länger, je mehr bewusst, dass er in England nicht glücklich wird.
Das Engagement in Fulham endet Anfang 2016 mit der Auflösung des Kontrakts. Und in jenem Moment, als sich Voser fragt, was denn mit ihm geschehen würde, wenn ihn kein Klub mehr in seinen Reihen sehen will, kommt eine Anfrage von Christian Constantin. Schon ein Jahr zuvor will ihn der Sion-Präsident verpflichten. Diesmal klappt es.
Nach mehreren kleinen Verletzungen will der mittlerweile 29-Jährige mit Sion noch einmal die Super League erobern. Das Erfolgserlebnis gegen GC ist ein erster Schritt dazu.

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