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Kampfzone Super League: So lassen die Sicherheitskräfte die Chaoten in Schweizer Stadien gewähren

Fussball-Chaoten zünden ungehindert Petarden in Schweizer Stadien und die Sicherheitsverantwortlichen schauen nur zu. Kein Wunder: Die Behörden laden die Chaoten geradezu ein, Randale zu veranstalten.

Vasilije Mustur
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Kampfzone Super League Sicherheitskräfte schauen tatenlos zu.
Chaoten sind erkennbar. Chaoten sind erkennbar.

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Kaum ist die Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika zu Ende, hat die Schweiz ihre nationale Meisterschaft wieder - und mit ihr das seit Jahren ungelöste Hooligan-Problem.Trauriger Tiefpunkt: Die Partie vom letzten Sonntag im Letzigrund zwischen dem FC Zürich und den Zürcher Grasshoppers. 15800 Zuschauer pilgern zum Derby in das Zürcher Stadion. Unter den Zuschauern unzählige Eltern mit ihren Kindern. Zunächst ist die Stimmung bei Fans und Zuschauern friedlich und ausgelassen.

Das ändert sich nach dem 1:0 für den FC Zürich durch Abwehrchef Teixeira aber schlagartig. Einige FCZ-Chaoten rasten komplett aus, zünden eine bengalische Fackel nach der anderen. Die Reaktion der Sicherheitsverantwortlichen ist nur eine Durchsage über den Lautsprecher: «Liebe FCZ Fans, das Abbrennen von Feuerwerkskörper ist verboten. Damit schadet ihr nur den Spielern und dem Club». Das Resultat: Der Appell an die Vernunft verhallt in der Südkurve.

GC-Hooligan sprintet auf den Rasen
Damit nicht genug: Neben den FCZ-Chaoten geraten auch einige sogenannte «Ultras» der Grasshoppers ausser Kontrolle. So springt ein Unbekannter aus der GC-Fankurve über die Abschrankungen, überrumpelt die Sicherheitskräfte und rennt in Richtung Rasen (siehe Video).

Erst in letzter Sekunde dreht der unbekannte Mann ab und verschwindet nach einem Sprung zurück über die Abschrankungen wieder in der Menge. Zu guter Letzt brennen FCZ-Chaoten nach der Pause erneut Dutzende bengalische Fackeln und Petarden ab.

Erstaunlich: Obwohl die Chaoten mit ihrem Verhalten die Sicherheit von Spielern, Trainer und Familien gefährden, greifen die Delta-Securitas nicht ein. Zur Erinnerung: Am 2. Mai 2008 drehten Hooligans des FC Zürich im St. Jakobspark völlig durch und bewarfen den Nebensektor mit bengalischen Fackeln. Dort befanden sich auch Familien mit Kindern.

GC und FCZ verstecken sich
Die beiden Fussballclubs FC Zürich und GC waren trotz schriftlicher Anfrage für eine Stellungnahme zu den Vorfällen im Stadion nicht erreichbar. Die Swiss Football League bedauert die Vorkommnisse. «Wir haben heute den Rapport unseres Sicherheitsinspizienten erhalten. Darin sind auch die Ereignisse im Stadion Letzigrund protokolliert», sagt Claudius Schäfer gegenüber «a-z.ch».

Die Liga versuche laut Schäfer ständig das Sicherheitspersonal für solche Situationen besser zu schulen und sei bemüht die Eingangskontrollen noch weiter zu verbessern. «Leider finden diese Leute vielfach einen Weg, die Fackeln in das Stadion zu schmuggeln», sagt Schäfer.

Hooligans haben unter der Woche leichtes Spiel
In der Tat: Recherchen von «a-z.ch» zeigen, dass die Stadionkontrollen nicht das eigentliche Problem sind. Wie Andreas Bachmann - stellvertretender Stadionmanager des Letzigrundstadions - bestätigt, handelt es sich beim Stadion Letzigrund auch um eine Begegnungsstätte für Quartierbewohner. Damit bleibt das Stadion Letzigrund unter der Woche für Besucher und Hooligans offen.

Damit könnten die Unruhestifter Gegenstände ins Stadion schmuggeln, unbehelligt an den Eingangskontrollen vorbei in die Fan-Kurve gelangen und dort ihre Fackeln aus dem Versteck herausholen. Bachmann glaubt allerdings nicht, dass die Hooligans mit dieser Strategie erfolgreich seien, da die Sicherheitskräfte vor dem Spiel das Stadion inspizieren würden. Vielmehr gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Gegenstände an schwerkontrollierbaren Körperstellen befestigt und so an den Delta-Securitas vorbeigeschleust würden - wie zum Beispiel in der Unterhose einer Frau.

Nichtsdestotrotz bleibt unverständlich, weshalb die Sicherheitskräfte während des Spiels die Chaoten gewähren lassen - schliesslich ist das Abbrennen von Feuerwerkskörper im Stadion eine Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz. «Darauf steht bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe», sagt Marco Bisa von der Stadtpolizei Zürich auf Anfrage.

Im benachbarten Deutschland gelten ähnliche Gesetze und werden konsequent angewendet. So stürmten mehrere Polizisten den Fan-Sektor auf Schalke und verhafteten eine Person, nachdem dieser eine bengalische Fackel gezündet hatte.

Für Andreas Bachmann vom Stadionbetreiber Letzigrund ist ein solches Vorgehen undenkbar. «Wir haben in der Situation, als der Unbekannte GC-Fans das Feld stürmen wollte, zu spät reagiert. Zu den Fackeln aus dem FCZ-Sektor: Die Lage würde eskalieren, wenn wir diesen gestürmt hätten».

Liga eröffnet gegen GC und FCZ ein Verfahren
Damit ist es für die Stadtpolizei Zürich nicht getan. Sie bekommt das Bildmaterial der Videokameras im Stadion und will auch das Material von «a-z.ch» nutzen, um die Chaoten aufzuspüren. «Wenn die Personen auf dem Videos identifiziert sind, wird gegen sie zuhanden der zuständigen Behörden rapportiert und bei den Vereinen der Antrag gestellt, sie mit einer gesamtschweizerischen Stadionsperre von zwei Jahren zu belegen», sagt Bisa. Diese Sperre wird vom Verein selbst ausgesprochen.

Darüber hinaus will die Swiss Football League das Verhalten der FCZ- und GC-Fans nicht mehr tolerieren. Da das Mitführen und Abbrennen pyrotechnischen Gegenständen wie auch das Übersteigen der Zuschauerabschrankungen verboten sind, wird die Swiss Football League gegen den FCZ und die Grasshoppers ein Verfahren eröffnen.

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