FC Basel
Kakitani muss noch in seine Rolle hineinwachsen - bis der Baum Früchte trägt

Hinter dem Japaner Yoichiro Kakitani liegt ein zähes erstes Halbjahr beim FC Basel. Weil er in Basel nicht so richtig auf Touren kam, wurde er von seinem Heimatland auch nicht für den Asien-Cup aufgeboten. Das hat ihn getroffen.

Sebastian Wendel, Marbella
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Will sich in Basel durchbeissen: Der Japaner Yoichiro Kakitani.

Will sich in Basel durchbeissen: Der Japaner Yoichiro Kakitani.

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Der Satz, dass Yoichiro Kakitani das Zeug zum Komiker hat, fällt oft, wenn man sich mit seinen Teamkollegen über den Japaner unterhält. Im Trainingslager an der spanischen Costa del Sol können sich die mitgereisten persönlich davon überzeugen, als der 24-Jährige einige Müsterchen seines Humors preisgibt. Auf die Frage, welches schweizerdeutsche Wort er nach sechs Monaten beim FC Basel beherrsche, sagt er grinsend: «Morge!» Via seinen Dolmetscher Jonathan Wüst fügt er an: «Das sage ich in jeder Situation, weil es irgendwie immer passt.» Oder der Klassiker, ob er Fondue und Raclette möge: «Nein, nicht so. Der Käse ist so käsig. Und dann dieser Geruch in einem Käseladen!»

Dass Kakitani zum Witzeln aufgelegt ist, ist nicht selbstverständlich. Seine Ankunft im Sommer war mit viel Getöse verbunden: Erstmals seit Alex Frei 2009 lud der FCB für die Präsentation eines neuen Spielers zu einer Pressekonferenz. Japanische Journalisten reisten nach Basel und übermittelten jeden noch so belanglosen Satz des 25-Jährigen in grossen Lettern in die Heimat. Dort bedauerten die Menschen zwar seinen Abgang, wollten aber über jeden Schritt ihres Lieblings am anderen Ende der Welt informiert sein. Sportlich durfte man einiges erwarten, hatte sich der FCB im Werben um Kakitani doch gegen namhafte Konkurrenz (Dortmund, Florenz) durchgesetzt. Präsident Bernhard Heusler sagte: «Kakitani ist ein Spektakelspieler.»

Statt Partytiger Schlüsselspieler

Ein halbes Jahr später sind die Lobgesänge abgeklungen. Für die Musik sorgten andere wie der 17-jährige Breel Embolo, während Kakitani im goldenen FCB-Herbst nur eine Nebenrolle spielte. Zwar erzielte er in der Super League zwei Tore und ein Assist, dies jedoch bei nur neun Einsätzen (vier davon in der Startelf). Noch enttäuschender die Bilanz in der Champions League, in der es bei zwei Kurzeinsätzen gegen Real Madrid blieb.

Kakitani sagt offen: «Vor meinem Wechsel nach Basel habe ich mich nicht damit beschäftigt, nur wenig zum Einsatz zu kommen.» Und dass die Folge dessen war, dass er kein Nationalmannschafts-Aufgebot für den derzeit laufenden Asien-Cup erhielt, habe ihn getroffen.

Jonathan Wüst: «Ich bin Yoichiros Stützräder»

Mit Fussball hatte Jonathan Wüst (28) wenig bis gar nichts am Hut, als er vom FCB das Angebot erhielt, persönlicher Übersetzer von Yoichiro Kakitani zu werden. Wüst hatte da soeben die Kunst-Hochschule in Luzern abgeschlossen und plante eine Karriere als Trickfilmemacher. Nach langer Überlegung entschloss er sich für die 100-Prozent-Anstellung beim FCB, weil es für ihn auch eine Herzensangelegenheit ist: Wüst lebte bis zum 17. Lebensjahr in Japan. Seit Kakitanis Ankunft im Juli 2014 weicht Wüst ihm praktisch nicht von der Seite, übersetzt die Anweisungen des Trainers und hilft bei Alltagsdingen wie dem Erledigen von Bankgeschäften. «Ich bin Yoichiros Stützräder. Das Ziel ist es, diese irgendwann abzunehmen.» (wen)

Kakitani nickt und betont, dass er sich auch neben dem Fussballplatz in Basel immer besser zurechtfinde. Im Restaurant zu bestellen oder einzukaufen, das schaffe er jetzt alleine. «Klar, irgendwann will ich im Alltag alleine zurechtkommen. Aber als Freund werde ich dann weiterhin mit Jonathan Kontakt haben.» Im Gegensatz zu seinem japanischen Vorgänger beim FCB, Koji Nakata, hat Kakitani keinen Kontakt zu den vielen Landsleuten, die im Raum Basel leben. «Ich bin nicht so gut darin, auf Menschen zuzugehen. Lieber bin ich zu Hause und beschäftige mich dort irgendwie.»

In Basel glaubt man an Kakitani

Ein Partytiger dürfte aus Kakitani nicht mehr werden – doch dass er dereinst in ihrem Spiel eine Schlüsselrolle besetzt, davon sind sie in Basel weiterhin überzeugt. «Im Training zeigt er jeden Tag seine grossartigen Fähigkeiten. Wartet’s ab, er wird dem FCB noch sehr viel bringen», sagt Marco Streller.

Etwas verhaltener, aber doch optimistisch tönt es aus dem Mund des Trainers. «Er hat viel Potenzial, keine Frage. Aber er muss noch viel lernen. Yoichiro war in Japan ein Konterspieler. Bei uns muss er lernen, was es heisst, in einer Mannschaft zu spielen, die auf dem Platz den Ton angibt», sagt Paulo Sousa. Um ihn behutsam heranzuführen, plant der Portugiese, Kakitani vorerst einmal als Stürmer einzusetzen. Also auf einer Position, wo taktische Fehler weniger ins Gewicht fallen als auf seiner bevorzugten Position am Flügel.

Am Ende des Gesprächs sagt Kakitani: «Ich vergleiche mich mit einem Baum, der frisch gepflanzt wurde. Irgendwann soll er Früchte tragen, und daran arbeite ich jeden Tag.»