Champions League
Julian Draxler – Schalkes Megatalent zu Gast im St.Jakob-Park

Experten sprechen vom grössten Fussballtalent, das Deutschland je hatte. Rechtzeitig für den Hit in der Champions League gegen den FC Basel ist der 20-Jährige Julian Draxler wieder fit. Ängstlich werden wir gegen Basel gewiss nicht sein.»

Markus Brütsch, Gelsenkirchen
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Schalkes Ausnahmetalent Julian Draxler zu Gast in Basel

Schalkes Ausnahmetalent Julian Draxler zu Gast in Basel

Keystone

Julian Draxler nimmt sich Zeit. Die meisten seiner Teamkollegen haben sich fette Kopfhörer aufgestülpt und längst aus dem Staub gemacht.

3:0 haben die Schalker beim Start in die Champions League gegen Steaua Bukarest gewonnen und Draxler ein Tor und einen Assist beigesteuert.

Doch das Thema ist in der Mixed Zone ein anderes. «Julian, wie gehen Sie damit um, dass Sie wieder auf dem linken Flügel spielen müssen?», wollen die Reporter wissen.

«Ich habe mit dem Trainer gesprochen, und ich glaube, wir haben die Ideallösung gefunden», sagt Draxler. «Boateng und ich wechseln uns im Zentrum ab.»

Draxler ist in aller Munde. Experten sprechen vom grössten Fussballtalent, das Deutschland je hatte. Und entsprechend gejagt wird von all jenen Vereinen, die mindestens 50 Millionen Euro aufbringen können. Die letzte Meldung dazu kommt aus Spanien. Im Januar, so spekuliert eine Fernsehstation, werde Draxler zum FC Barcelona wechseln.

Draxler zu Messi, Neymar, Xavi und Iniesta? Jene, die denken, für den deutschen Jungstar wäre das katalanische Künstlerensemble eine Nummer zu gross, brauchten sich bloss eine einzige Szene aus dem Fussballerleben Draxlers anzusehen, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Ende Juli, bei Rauls Abschiedsspiel auf Schalke, hat der Schlaks so sehr gezaubert, dass man das Video mehrmals ansehen muss, um zu verstehen, was genau passiert ist:

Nach einer brillanten Ballannahme und einem genialen Dribbling schlägt er die Kugel in vollem Lauf mit der rechten Hacke gegen die linke, von wo sie als perfektes Zuspiel bei Torschütze Raul landet.

70 Millionen Euro für Draxler-Transfer?

Angesichts solcher Hexereien verwundert auch die Nachricht nicht, Juventus Turin sei bereit, für das Juwel 70 Millionen Euro auf den Tisch zu legen.

Schon im Sommer hatten Real Madrid und Manchester City um den Mittelfeldspieler gebuhlt, – Draxler hätte in fünf Jahren 60 Millionen verdienen können.

Im Ägyptenurlaub mit seiner Freundin Lena habe ihm diese Offerte den Schlaf geraubt, hat Draxler der Boulevardzeitung «Bild» erzählt.

Doch die bevorstehende Weltmeisterschaft habe ihn zum Schluss kommen lassen, dass es wohl klüger sei, sich als unumstrittener Schalker Stammspieler dem Nationalteam anzubieten, als das Risiko einzugehen, bei einem europäischen Grossklub auf Anlaufschwierigkeiten zu stossen.

Denn nicht zu vergessen ist: Draxler ist eben erst 20 Jahre alt geworden.

Joachim Löw macht indes kein Geheimnis daraus, wie sehr er Draxler schätzt. «Beim DFB sehen wir ihn als überragenden Spieler mit wahnsinnigen Qualitäten», sagt der Bundestrainer. «Wir versprechen uns bei der WM extrem viel von ihm.»

Wie die Schalker in der Bundesliga und in der Königsklasse. Acht Kleinlastwagen sind Mitte Mai mit dem Konterfei von Draxler durch das Ruhrgebiet gerollt, um die fröhliche Botschaft seiner Vertragsverlängerung bis 2018 gebührend kundzutun.

Schön für die Fans, schön aber auch für Draxler: Verdoppelung des Gehalts auf drei Millionen Euro, dazu das begehrte Trikot mit der Nummer 10.

«Ich bin gereift und möchte Verantwortung übernehmen», sagte Draxler beim Fototermin.

Doch jetzt ist etwas dazwischengekommen. Kevin-Prince Boateng ist da.

«Kevin ist auf der Zehnerposition gut aufgehoben, er kann die Bälle super halten und entlastet mich», sagt Draxler. «Zuvor sind alle Augen auf mich gerichtet gewesen.»

Auch heute in Basel werden viele beobachten, was das Megatalent drauf hat. In jenem Stadion, in dem er 2012 für Deutschland debütiert hat. Beim 3:5 gegen die Schweiz.

Nicht nur deshalb hat er Respekt vor Basel. «Der Sieg gegen Chelsea ist eine echte Hausnummer», sagt Draxler. «Doch ängstlich werden wir deswegen beim Anpfiff gewiss nicht sein.»