Champions-League-Gala

Jürgen Klopp bleibt Pep Guardiolas Mysterium: «Das ist kurz vor der Perfektion»

Startrainer unter sich: Pep Guardiola gratuliert Jürgen Klopp

Startrainer unter sich: Pep Guardiola gratuliert Jürgen Klopp

Mit dem sensationellen 3:0 gegen Pep Guardiolas Manchester City hat Jürgen Klopp in der Champions League die Tür zum Halbfinale weit aufgestossen. Sein FC Liverpool brillierte mit einer taktischen Meisterleistung.

Für den sonst so aufbrausenden und leidenschaftlichen Jürgen Klopp war das ungewöhnlich. Um den Trainer des FC Liverpool tobte an der Anfield Road ein gigantischer Stimmungsorkan, man musste schon fast Sorge haben, dass der legendäre Fussballtempel dem Jubelsturm überhaupt standhält, doch Klopp blieb vor seiner Bank beinahe regungslos. Dabei geschah gerade Unfassbares.

Drei Gegentreffer für City in 19 Minuten. Schiere Fassungslosigkeit bei Pep Guardiola. Mit 3:0 (3:0) fegten die Reds das scheinbar übermächtige, aber an diesem Abend wehrlose Manchester City des stolzen Katalanen vom Platz und stehen kurz vor dem Halbfinal-Einzug in der Champions League. Klopp nahm das dritte Tor äusserlich so hin, als spiele Liverpool gerade gegen den FC Watford. Es war aber vielmehr einer der grossen Favoriten in der Königsklasse, der zudem die Premier League nahezu uneinholbar anführt und am Samstag frühzeitig Meister werden kann.

Jürgen Klopp kann nach der 3:0-Gala seines Liverpools nur noch klatschen.

Jürgen Klopp kann nach der 3:0-Gala seines Liverpools nur noch klatschen.

"Das war in der ersten Hälfte kurz vor der Perfektion", sagte Klopp bei Sky über einen ersten Durchgang, in dessen Verlauf Guardiola Hören und Sehen verging. Das Erstaunliche zudem: Liverpool hatte gegen den ehemaligen Bayern-Coach das bessere taktische Konzept. Zum siebten Mal im 13. Duell Klopp versus Guardiola düpierte der frühere Dortmunder Trainer seinen spanischen Widersacher, der seine Champions-League-Seuche anscheinend aus München mit auf die Insel genommen hat. In den letzten vier Spielzeiten gab es für Guardiola im wichtigsten Wettbewerb jeweils ein Aus vor dem Finale.

Die Londoner Times störte sich an der Aufstellung des wirkungslosen deutschen Nationalspielers Ilkay Gündogan. Es sei ein "schrecklicher taktischer Fehler" von Guardiola gewesen, das Blatt verglich Gündogan mit der "Feder in einer Windmaschine". Auch Leroy Sane hatte Liverpool nichts entgegenzusetzen, wenngleich der Telegraph meinte, der Ex-Schalker sei bei City der einzige gewesen, der annähernd gut gespielt hätte. Dabei leitete Sane doch das 0:1 mit einem schlampigen Zuspiel ein.

Vernichtend für Guardiola fiel das Urteil der Boulevardzeitung Sun aus. Liverpool habe ein "meisterhaftes Beispiel" dafür abgegeben, "wie man eine technisch überlegene Mannschaft wie City besiegt, mundtot macht, kastriert und besitzt." Der Traum vom Henkelpott sei für die Sky Blues "in einer Wolke aus rotem Rauch" aufgegangen, meinte der Mirror.

Doch trotz aller Begeisterung fand Klopp, dass die Tore von Mohamed Salah (12.), Alex Oxlade-Chamberlain (21.) und Sadio Mane (31.) mitnichten die halbe Miete sind. "Das Rückspiel wird uns nochmal richtig Energie kosten. Jetzt führen wir mit 3:0, das ist besser, als 0:3 zurückzuliegen, aber es ist noch nichts entschieden", merkte der 50-Jährige an.

Pep Guardiola - gut gelaunt scheint anders.

Pep Guardiola - gut gelaunt scheint anders.

Nun ja, die Reds haben unter Klopp im September 0:5 bei City verloren, aber ein zweites Mal? "Keiner glaubt mehr an uns, aber wir werden es versuchen", gab Guardiola zu Protokoll. Liverpools deutscher Torhüter Loris Karius klang vom Weiterkommen überzeugt. "Wir gehen mit breiter Brust ins Rückspiel und wollen unter die letzten Vier. Alle sind richtig heiß auf die Champions League", sagte er.

Was die Ereignisse dieses imposanten Fussballabends trübte, war der Angriff von Liverpooler Fans auf den Teambus von Manchester City mit Flaschen und Feuerwerkskörpern vor dem Spiel. Guardiola erinnerte an den Bombenanschlag auf den Bus von Bundesligist Borussia Dortmund vor einem Jahr und kritisierte die Sicherheitsbehörden. "Normalerweise, wenn die Polizei weiss, dass es passieren wird, verhindern sie so etwas. Ich verstehe das nicht", sagte Guardiola. Klopp entschuldigte sich aufrichtig für das Verhalten den Anhänger. Für das Liverpooler Spiel musste er das nicht.

Das Tor von Mo Salah

Meistgesehen

Artboard 1