Fussball
Jetzt können Shaqiri und Xhaka beweisen, reif zu sein für eine prominentere Rolle

Xherdan Shaqiri (Bayern) und Granit Xhaka (Gladbach) spielen seit 50 Wochen in der Bundesliga. Für die beiden waren es zwiespältige Tage. Heute um 20.30 Uhr spielen sie im Eröffnungsspiel der Bundesliga-Saison 2013/2014 gegeneinander.

Etienne Wuillemin
Drucken
Teilen
Einen Schritt voraus: Xherdan Shaqiri imponierte in der Bundesliga häufiger als Granit Xhaka.

Einen Schritt voraus: Xherdan Shaqiri imponierte in der Bundesliga häufiger als Granit Xhaka.

imago

Wer liebt ihn nicht, seinen Geburtstag? Am 25. August feiern ihn Sean Connery, Claudia Schiffer und Amy McDonald. Was das mit Fussball zu tun hat? Der 25. August ist auch für Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri so etwas wie ein Geburtstag, ein etwas anderer zwar, denn geboren sind sie beide im Herbst, aber am 25. August 2012 war die Geburt der Bundesliga-Fussballer Xhaka und Shaqiri, als sie mit Borussia Mönchengladbach und Bayern München ihre ersten Spuren in der neuen Welt hinterliessen.

50 Wochen sind seither vergangen. Wochen mit Hochs und Tiefs in dieser rauschenden Welt des deutschen Fussballs. Heute Freitag Abend eröffnen Bayern und Gladbach um 20.30 Uhr in München die 51. Bundesliga-Saison. Und vielleicht kommt es dabei auch zum Duell der beiden.

«Meine Sprüche waren ein Problem»

Wenn Granit Xhaka an sein erstes Jahr in Gladbach zurückdenkt, sagt er sofort: «Es hat gutgetan, mir Gedanken über mich selbst machen zu müssen. Denn das gab es zuvor in meiner Karriere lange nicht mehr.»

Vieles lief nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Xhaka machte Fehler, war überfordert vom Tempo und eckte gleichzeitig mit kernigen Sprüchen an. Zum Beispiel: «Ich bin gekommen, um die Jungen ohne Champions-League-Erfahrung zu führen.» Oder: «Aus Basel bin ich es gewohnt, immer gewinnen zu wollen. Diese Siegermentalität fehlt hier einigen.»

Es dauerte nicht lange und Xhaka wurde zum Reservisten degradiert. Heute sagt er: «Meine Sprüche waren ein Problem. Vieles würde ich anders formulieren. Deshalb habe ich mir vorgenommen, weniger zu reden und mehr Leistung auf dem Platz zu zeigen.»

Der deutsche Fernsehkommentator Marcel Reif sagte jüngst: «Granit hat wunderbare Anlagen, aber er muss begreifen, dass die Bundesliga eine andere Welt ist.» Xhaka bekräftigt, er habe seine Lektion gelernt. Von seiner verbesserten Ballannahme berichtet er nun, von Lektionen für den Kopf, «weil alles immer viel schneller geht». Das Vertrauen von Trainer Lucien Favre scheint er zurückgewonnen zu haben. Es sieht ganz danach aus, als würde Xhaka die Saison als Stammkraft beginnen.

«Bayern spielt ohne Stammspieler»

Ob das für Xherdan Shaqiri auch gilt, muss bezweifelt werden. Zumindest wenn sämtliche Mitglieder des Münchner Starensembles fit sind. Shaqiris Konkurrenten? Ribéry, Robben, Müller, Götze, Kroos, Schweinsteiger, Thiago, Mandzukic. Und deshalb sind sich deutsche Beobachter einig: Shaqiri ist weit weg von der Stammformation. Von Anfang an spielt er dann, wenn es um wenig geht, im DFB-Pokal gegen einen Viertligisten zum Beispiel.

Nun ist Shaqiri nicht bekannt als Mann, der Herausforderungen scheut. Und zweifellos meistert er einen Hochseilakt tadellos: Nämlich jenen, den richtigen Mix zu finden zwischen Ansprüche stellen («Ich will in den wichtigen Spielen von Anfang an dabei sein») und seine Rolle akzeptieren («Ich bin bereit, wenn mich der Trainer braucht und gebe Vollgas»).

Von einer Ausleihe zu einem anderen Bundesligisten, wie Bayern das bei Toni Kroos einst tat, wollten Spieler und Verein nichts wissen. Shaqiri ist von sich und dem neuen Trainer Pep Guardiola jedenfalls überzeugt. Er sagt: «Bayern spielt in dieser Saison wohl ohne echte Stammspieler.» Und deshalb hofft er, mindestens so viele Einsätze zu erhalten wie in der letzten Spielzeit (38, 8 Tore, 13 Vorlagen).

12 Millionen Euro zahlte Bayern dem FC Basel für Shaqiri, wegen des Triple-Gewinns sind es nun sogar noch einige Euros mehr. 10 Millionen Euro überwies Gladbach dem FCB für Xhaka. Es sind stolze Summen für zwei Spieler, die – und das geht gerne vergessen – erst 21 und 20 Jahre alt sind.

Ihre ersten Bundesliga-Erfahrungen sind Geschichte, jetzt können sie beweisen, reif zu sein für eine prominentere Rolle. Beweisen eben, dass die neue Welt nicht mehr neu ist. Sondern Gewohnheit.

Aktuelle Nachrichten