Endspiele sind prickelnd. Es geht um viel und die Spannung ist gross. Jahmir Hyka hat noch neun dieser Endspiele vor der Brust. Zwar hat er mit dem FC Luzern zu seiner grenzenlosen Enttäuschung im Halbfinal das Endspiel des Schweizer Cups verpasst, gleichwohl ist für den kleinen Albaner bis Ende Mai jeder Einsatz ein Endspiel.

Und dies aus zwei Gründen: Mit den Zentralschweizern will er zum einen die Super League auf einem Europacupplatz abschliessen. Zum andern hat er seine Hoffnungen noch nicht aufgegeben, im letzten Moment noch auf den EM-Zug der albanischen Nationalmannschaft aufzuspringen. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt Hyka.

Im zehntletzten Endspiel gestern Abend im Letzigrund war seine Leistung Durchschnitt. «Ich hatte keine besonderen Szenen, aber ich habe viel für die Mannschaft gearbeitet», sagte Hyka. «Mit dem Unentschieden bin ich zufrieden.»

In den vergangenen Wochen hatte sich Hyka mehr und mehr in den Vordergrund gespielt. Mit zwei Toren und zwei Assists in den letzen fünf Spielen. «Ich fühle mich im Moment wirklich gut. Ich bin physisch fit, gut im Rhythmus und habe Selbstvertrauen», sagt Hyka.

«Er bewegt sich seit Wochen auf einem konstant hohen Niveau», sagt der Luzerner Trainer Markus Babbel, der den Dribbler am Flügel einsetzt. Gegen GC hat dieser gestern nun sogar einen persönlichen Rekord eingestellt. Zum siebten Mal stand er in der Starformation, dies hatte er zuvor in fast fünf Jahren beim FCL nur einmal geschafft.

Gut möglich, dass man derzeit den besten Hyka sieht, seit dieser im Sommer 2011 in die Schweiz gekommen ist. «Ich bin nun 28 Jahre alt, habe schon in einigen Ländern gespielt und viele Erfahrungen gesammelt», sagt Hyka.

Der «Maradona von Albanien»

Ausgebildet bei Dinamo Tirana, war er schon als 17-Jähriger zu Rosenborg Trondheim gegangen. «Im Winter war es immer dunkel, im Sommer immer hell. Die erste Zeit, erstmals fort zu Hause und allein in Norwegen, war hart», erinnert sich Hyka. In der ersten Mannschaft kam er nicht zum Einsatz, sagt aber gleichwohl: «Ich habe viel profitiert und noch immer Kontakte nach Norwegen.»

Es folgte ein Jahr in Griechenland bei Olympiakos Piräus, aber auch da war er noch zu jung, um sich durchzusetzen. «Doch ich konnte mit grossen Stars wie Rivaldo und Djordjevic trainieren und von ihnen lernen», sagt Hyka. Kurz vor seinem 19. Geburtstag debütierte er gegen Mazedonien in der Nationalmannschaft.

Wegen seiner überdurchschnittlichen Technik wurde er in der Heimat euphorisch «Maradona von Albanien» genannt. Als er in einem Spiel gegen Polen eine gute Leistung zeigte, bekam er beim FSV Mainz 05 einen Vertrag.

Mit diesem kam er unter Trainer Jörn Andersen in der Aufstiegssaison 08/09 zu acht Einsätzen, in der 1. Bundesliga unter Thomas Tuchel dann ebenfalls. «Tuchel hat mich und meine Art, Fussball zu spielen, gern gehabt», sagt Hyka. «Aber die Konkurrenz war wohl zu gross.»

Es folgten noch je ein halbes Jahr bei Panionios Athen und beim FK Tirana, ehe die unstete Karriere des mittlerweile 23-Jährigen endlich Kontinuität erhielt. Mittlerweile hat er 133 Super-League-Partien auf dem Buckel und gehört bei den Fans zu den beliebtesten Spielern. «Ich bin bodenständig und spreche gerne mit ihnen», sagt Hyka. «Überhaupt fühle ich mich extrem wohl in Luzern.»

Zum kompletten Glück fehlt ihm allerdings die Nationalmannschaft. Das letzte seiner 38 Länderspiele hat er unter Giovanni De Biasi vor zwei Jahren bestritten. «Ich vermute, dass der Coach mehr auf defensiv starke Spieler setzt», sagt Hyka, der Albaniens Nationalspieler Burim Kukeli vom FCZ zu seinen besten Kumpels zählt. «Ich gebe nicht auf und habe die EM noch nicht abgeschrieben.» Es bleiben ihm neun Endspiele.