Pro und Kontra

Nati-Eklat spaltet Experten und Leser: Ist Petkovic noch der richtige Trainer?

Läuft die Zeit von Nationalcoach Vladimir Petkovic bald aus?

Läuft die Zeit von Nationalcoach Vladimir Petkovic bald aus?

Nach dem Eklat um Valon Behrami – wie weiter mit der Schweizer Nationalmannschaft? Muss auch der Trainer gehen? Die beiden Sportreporter Sebastian Wendel und Etienne Wuillemin sind geteilter Meinung.

Sportreporter Sebastian Wendel: «Endlich zeigt Petkovic Mut – lasst ihn machen!»

Es steht Aussage gegen Aussage. Wie sich Valon Behrami als politisches Opfer inszeniert, ist perfid.

Valon Behrami sagt, er sei vom Trainer aus politischen Gründen aus der Nationalmannschaft geworfen worden. Vladimir Petkovic lässt mitteilen: Er wisse, was er an Behrami habe. Doch in den nächsten Testspielen wolle er jüngere Spieler testen. Dies heisse nicht, dass die Nati-Tür für Behrami zu sei.

Was Petkovic tatsächlich gesagt hat, wissen nur die beiden. Ja, die Kommunikation ist eine Schwäche von Petkovic. Mag sein, dass es smarter gewesen wäre, Behrami persönlich statt am Handy zu informieren.

Doch dessen Reaktion ist ebenso fragwürdig. Mehr noch: Nach einem vertraulichen Gespräch den nächstbesten Journalisten anzurufen, um sich als Opfer und Petkovic als Täter zu inszenieren, ist perfid.

Ist dem fussballerisch limitierten Behrami die mediale Verherrlichung als Vorzeige-Doppelbürger und «Nati-Papa» zu Kopf gestiegen? Wie man mit Grösse «Ciao» sagt, zeigt Gelson Fernandes, der trotz Differenzen kein böses Wort über den Trainer verliert.

Hohes Alter, Verletzungsanfälligkeit – Petkovic hat gute Gründe, auf Behrami zu verzichten. Endlich zeigt er den ihm lange abgesprochenen Mut und den Willen, nach der enttäuschenden WM tiefgründige Veränderungen vorzunehmen.

Lasst ihn machen und messt ihn am Ergebnis an der EM 2020!

 In der Umfrage (links) liegen zur Zeit die Petkovic-Gegner vorne.

Etienne Wuillemin, Ressortleiter Sport: «Es braucht frische Kräfte für einen Neustart»

Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist angezählt, seine Bosse ebenfalls – das kann nicht gut gehen.

Bester Punkteschnitt eines Trainers der Schweizer Geschichte. Zweimal für ein grosses Turnier qualifiziert. Zweimal souverän den Achtelfinal erreicht. Es spricht einiges für Vladimir Petkovic.

Doch mittlerweile überwiegen die Probleme. Als sich Ende 2015 der Balkangraben auftat, hat es Petkovic geschafft, den Konflikt zu moderieren. Er öffnete sich, ging auf Spieler zu, wurde sicht- und greifbarer. Nun ist Petkovic ins alte Muster zurückgefallen. Er ist schnell nervös, kommuniziert schlecht – und scheint das Team in entscheidenden Momenten (WM-Achtelfinal) nicht zu erreichen.

Petkovics Ansehen schwindet auch im Team. Die Diskussionen über Doppeladler und Doppelbürger sind am Nationaltrainer vorbeigezogen. Dabei wäre es an ihm gelegen, zu vermitteln zwischen Team und Verbandsführung.

Nun hat er es sogar geschafft, einen Umbruch, der sportlich zu rechtfertigen ist, per Telefon so unbedarft anzugehen, dass das Vertrauen der Spieler und der Öffentlichkeit in ihn weiter schwindet. Es ist fraglich, ob Petkovic das Steuer noch einmal herumreissen kann. Auch seine Vorgesetzten sind schwer angezählt nach den jüngsten Wochen des Totalversagens. Vielleicht würde ein Blick in die Politik oder Wirtschaft helfen.

Und die Erkenntnis reifen: In der Krise braucht es für einen gelungenen Neustart auch frische personelle Kräfte.

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