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Ist Bruno Labbadia der erhoffte Heilsbringer in Hamburg?

Bruno Labaddia will mit dem HSV den Klassenerhalt schaffen. Die Vorzeichen dafür stehen gut, in den letzten drei Spielen ging ein Ruck durch die Mannschaft. Nun wartet das wegweisende Duell gegen den SC Freiburg.

Kai Behrmann, Hamburg
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Bei HSV-Trainer Bruno Labbadia liegt der Fokus ganz auf dem Abstiegskampf.

Bei HSV-Trainer Bruno Labbadia liegt der Fokus ganz auf dem Abstiegskampf.

KEYSTONE

Die Sonne hatte den ganzen Tag geschienen. Doch als Bruno Labbadia (49) mit seiner Mannschaft auf den Trainingsplatz gehen wollte, zogen urplötzlich dunkle Wolken auf und stürmischer Wind peitschte Regenwände über das Übungsgelände. Labbadia führte das Unwetter später als Metapher für die aktuelle Situation beim HSV an: «Der Himmel kann sich schneller verfärben, als man denkt.»

Labbadia weiss, wovon er spricht. Als er vor drei Wochen den Trainerjob beim HSV übernahm, sah die Lage richtig düster aus. Der Traditionsklub war Tabellenletzter und steuerte ungebremst dem erstmaligen Gang in die Zweitklassigkeit entgegen.

In den ersten drei Partien hat es Labbadia geschafft, den freien Fall zu stoppen. Er sagt: «Mit zwei Siegen haben wir uns wieder ins Rennen gebracht.» Mehr aber auch nicht. Gerade einmal ein Punkt beträgt der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz – und auf den heutigen Gegner Freiburg.

Attraktiver Fussball unter Labbadia

Seit Labbadia da ist, lebt die Hoffnung. Er hat den Glauben zurückgebracht, einer komplett verunsicherten Elf wieder Halt gegeben. Dabei hatten die HSV-Bosse den gebürtigen Darmstädter zunächst gar nicht auf dem Zettel gehabt. Thomas Tuchel sollte ab kommender Saison das Kommando übernehmen. Die Verhandlungen waren schon weit gediehen, bis plötzlich Borussia Dortmund in den Poker einstieg – und den HSV ausstach.

Über Nacht beendeten die Klubbosse daraufhin das missglückte Experiment mit Sportdirektor Peter Knäbel als Interimscoach und kontaktierten Labbadia – der sofort zusagte. Statt in den geplanten Mallorca-Urlaub düste er nach Hamburg. Dort ist der Hesse ein alter Bekannter. Von 1987 bis 1989 schnürte der frühere Torjäger die Schuhe für die Rothosen und es folgte in der Saison 2009/2010 ein kurzes Intermezzo als Trainer.

Als Labbadia vor fünf Jahren gefeuert wurde, stand der Klub auf Rang sieben und im Halbfinal der Europa League. Unter ihm spielte der HSV den attraktivsten Fussball der jüngsten Vergangenheit. Fachlich wurde Labbadia nie infrage gestellt. Doch in der Doppelfunktion als Trainer und Manager rieb er sich auf. Hinzu machten Stars wie Zé Roberto und van Nistelrooy intern Stimmung.

Im zweiten Anlauf will Labbadia das Kapitel HSV nun zu einem positiven Ende bringen: «Für mich war da immer noch etwas offen.» Im Erfolgsfall kann Labbadia als Retter zur HSV-Ikone werden. Dafür hat er auf Tunnelblick geschaltet. «Ich habe meinen Spielern gesagt: Tag und Nacht bin ich für euch da», so Labbadia. Alles andere schiebt er beiseite. Seine Frau ist dabei seine grösste Stütze. «Sie tankt für mich, sie geht einkaufen, hält mir den Rücken frei.»

Djourou hat die Wende geschafft

Drei Runden vor Saisonende ist wieder Land in Sicht. «Das Freiburg-Spiel ist ein kleiner Matchball», sagt Johan Djourou, der unter Labbadia richtig aufgeblüht ist. Dabei war der Schweizer Nationalspieler vor drei Wochen noch total von der Rolle, lieferte sich in der Pause des Wolfsburg-Spiels eine Kabinen-Prügelei mit Valon Behrami, sah danach gelb-rot.

Djourou hat die Kehrtwende geschafft, Behrami dagegen nicht. Im vergangenen Sommer für 3,5 Millionen Euro aus Neapel verpflichtet, sollte er die prägende Figur im HSV-Spiel werden. Die Erwartungen konnte der Schweizer nie erfüllen. Intern umstritten, fällt er auch auf dem Platz eher durch Rüpeleien und Lamentieren auf, denn durch überzeigende Leistungen. Hinzu kommen immer wieder verletzungsbedingte Pausen – wie derzeit.

Fraglich, ob Behrami im Abstiegskampf überhaupt noch mal aufläuft. «Valon hat noch Probleme mit der Muskulatur und dem Knie. Er hat oft Spiele gemacht, in denen er sich in den Dienst des Vereins gestellt hat, aber nicht in der optimalen Verfassung war», sagte Labbadia.

In der heissen Phase setzt er nur auf fitte Spieler. «Freiburg wird das nächste überlebenswichtige Spiel», kündigt er an. Es folgen die Duelle mit Stuttgart und Schalke – dann, so hofft Labbadia, kann endlich durchgeatmet werden.

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