Fussball
Innocent Emeghara: «Schwierige Zeiten gehören zum Profifussball»

Vieles ist schlecht gelaufen für Innocent Emeghara seit seinem Wechsel von GC zu Lorient im Sommer 2011. Jetzt muss sich der Stürmer neu orientieren – und er will das in der Bundesliga tun. Über Düsseldorf solls für Emeghara zurück in die Nati gehen.

Markus Brütsch, Winterthur
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Hier will er wieder hin: Innocent Emeghara im Dress der Schweizer Nationalmannschaft

Hier will er wieder hin: Innocent Emeghara im Dress der Schweizer Nationalmannschaft

Keystone

Innocent Emeghara (23) ist für ein paar Tage nach Winterthur zurückgekehrt, um die Weihnachtszeit im Kreis von Familie und Freunden zu verbringen. Noch weiss er nicht, ob er zum Trainingsbeginn des FC Lorient am 1.Januar wieder in der Bretagne sein wird. Trainer Christian Gourcuff hat ihm zu verstehen gegeben, dass es das Beste wäre, er würde anderswo Spielpraxis sammeln.

Innocent, in welchem Trikot werden Sie im neuen Jahr auflaufen?

Innocent Emeghara: Das ist offen. Es gibt ein paar Möglichkeiten.

Ist auch die Rückkehr in die Super League denkbar?

Nein, das schliesse ich aus.

Es zieht Sie in die Bundesliga.

Das würde von der Mentalität her gut passen. Es gibt ein paar Bundesligisten, die Interesse daran zeigen, mich vom FC Lorient auszuleihen.

Besonders Fortuna Düsseldorf?

Ja, es ist denkbar, dass ich da spielen werde. Es ist der heisseste Tipp.

Sie rechnen also nicht damit, am 1.Januar in Lorient zum Dienst zu erscheinen?

Ich habe da einen Vertrag bis 2015 und natürlich noch immer eine Wohnung. Aber es sieht schon nach einem Wechsel aus. Wenn es eine gute Lösung für mich gibt, dann spricht nichts dagegen. Schon heute oder morgen kann eine Entscheidung fallen. Wie schnell es im Fussball geht, haben wir 2011 bei meinem Wechsel von GC zu Lorient gesehen.

Sie waren damals in Topform und haben in der Ligue 1 gleich im ersten Spiel beim 1:1 in Sochaux kurz vor Schluss ein Tor geschossen.

Es war mega schön, einen solchen Start zu haben. Und ich bin sogar bei den Fans bald zu einem Lieblingsspieler geworden.

Auch wenn es nicht mehr ganz so rasant weiterging: Sie haben bis zum Saisonende 27-mal gespielt und, inklusive Cup, sieben Tore geschossen. Das erste Jahr in Lorient war nicht schlecht.

Das sehe ich auch so. Pro Einsatzminuten habe ich sogar am meisten Tore geschossen. Der Trainer aber hat gesagt, die zweite Saison müsse besser werden. Er sei überzeugt, dass dies gelinge, weil ich nun die ganze Vorbereitung mitmachen könne.

Er hat nicht damit gerechnet, dass Sie sich entscheiden, an den Olympischen Spielen teilzunehmen.

Wir waren zuvor mit Lorient in Österreich im Trainingslager. Es ist mir dort sehr gut gelaufen. Als wir dann zurück in Frankreich waren und er erfuhr, dass ich nach London reise, war er total überrascht.

Aber der Schweizerische Fussballverband hatte ihn ja wohl über das Aufgebot informiert.

Natürlich, aber Gourcuff hatte es nicht für möglich gehalten, dass ich mich so entscheide. Er hatte das Gefühl, es würde mir am nötigen Respekt gegenüber dem FC Lorient fehlen. Er zitierte mich in sein Büro und erklärte mir, dass ich nach Olympia nicht mehr zum Einsatz käme.

Sie gingen trotzdem.

Ja, Olympische Spiele sind neben einer Weltmeisterschaft und der Champions League immer ein Traum von mir gewesen. Ich habe aber nicht unbedingt damit gerechnet, dass der Trainer seine Ankündigung so gnadenlos durchziehen würde.

Gourcuff ist in Lorient eine lebende Legende.

Er ist ein hervorragender Trainer und hat sich korrekt verhalten. Er war total ehrlich.

Und hat Ihnen dann am 20.Oktober in Valenciennes sogar noch einmal eine Chance gegeben.

Ja, er hat gesehen, dass ich mich im Training nie hängen liess, immer Vollgas gab.

Und dann sind Sie kurz nach Ihrer Einwechslung vom Platz geflogen.

Meine erste rote Karte im Profifussball! Es ist total unglücklich gelaufen. Ich war übermotiviert und wollte in einem Zweikampf den Ball spielen, habe aber auch den Gegner erwischt. Es war ungeschickt. Viele haben gesagt, es sei ein zu harter Platzverweis gewesen. Wir waren zu jenem Zeitpunkt schon ein Mann weniger und verloren am Schluss 1:6. Der Trainer war gar nicht begeistert ...

Danach kamen Sie nicht mehr zum Einsatz. Es muss schrecklich gewesen sein: allein in Lorient und beim Trainer ohne Chance.

Es war hart, klar. Aber ich hatte Teamkollegen, mit denen ich mich gut verstand; ich hatte die Familie und Freunde, die mich aus der Ferne unterstützten. Schwierige Zeiten gehören zum Profifussball. Der Weg an die Spitze ist oft steinig. Ich habe viel gelernt.

Auch, dass Geld nicht glücklich macht?

Das habe ich schon vorher gewusst. Glücklich macht das, was du machst, um Geld zu verdienen.

Würden Sie sich im Nachhinein betreffend Olympische Spiele gleich entscheiden? Zumal andere wie Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri auf London verzichtet haben.

Ja, ich würde es noch einmal so machen. Es war zwar ziemlich stressig in England und die Resultate sind enttäuschend gewesen. Dennoch war es ein einmaliges Erlebnis. Für Xhaka und Shaqiri war die Situation anders; sie hatten eben erst den Klub gewechselt, ich nicht. Ich konnte die beiden verstehen.

Wie wäre es für Sie in Lorient gelaufen, wenn Sie auf London verzichtet hätten?

Ich wäre Stammspieler gewesen und hätte zehn Tore erzielt. Mindestens.

Ihr Selbstvertrauen ist unversehrt.

Warum sollte ich es verloren haben? Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht durchsetzen konnte. Im Training habe ich meine Qualitäten gezeigt.

Wie sehr haben Sie die Schweizer Nati vermisst?

Nicht mehr dabei zu sein, war hart. Aber Ottmar Hitzfeld hat mich wissen lassen, dass ich sofort wieder dabei bin, wenn ich im Klub spiele.