WM14
Inler und Behrami: Die beiden Streithähne haben sich anscheinend versöhnt

Das Bild hatte Symbolcharakter: Neben Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld waren Kapitän Gökhan Inler und Valon Behrami an der letzten Pressekonferenz vor dem Startspiel gegen Ecuador. Die beiden werden wohl nebeneinander im Mittelfeld aufspielen.

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Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld an der Pressekonferenz in Brasilia.
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Hitzfeld: "Die Stürmer sind überragend. Es ist eine starke Mannschaft mit guten Individualisten."
Kapitän Gökhan Inler läuft in den Pressekonferenz-Raum. Hinter ihm Valon Behrami.
Gökhan Inler (l.) und Valon Behrami an der Pressekonferenz in Brasilia.
Die beiden Streithähne Inler und Behrami haben sich versöhnt

Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld an der Pressekonferenz in Brasilia.

Keystone

Bei Ottmar Hitzfeld steigt die Anspannung vor dem WM-Auftakt gegen Ecuador. "Wir brauchen eine Top-Leistung, um zu gewinnen." In der Abwehr dürfte Johan Djourou neben Steve von Bergen spielen.

24 Stunden noch bis zum ersten Spiel der Schweiz. Der Blick von Ottmar Hitzfeld ist etwas schärfer geworden. Die Augen leicht zusammengekniffen. Die ganze Haltung etwas angespannter als in den Tagen zuvor in Porto Seguro. "Bei einem Turnier beginnt alles bei null. Das ist wie ein Neustart, daher die Anspannung."

Aber Hitzfeld will diese WM auch geniessen. Und so redet er vom "fantastischen Stadion" mit dem "hervorragenden, sehr weiten Platz". Das hat Vor- und Nachteile. "Man hat viel Raum, muss aber auch viele Räume schliessen. Die Bedingungen sind ideal und beste Voraussetzung für ein tolles Spiel." Hitzfeld wusste natürlich längst um die Verhältnisse im Estadio Nacional Mané Garrincha in Brasilia. Er hat sich auf alles vorbereitet. Akribisch, wie man es von ihm gewohnt ist.

Das durfte auch der Reporter von "Radio Gaucho" aus Ecuador erfahren. Die Frage nach dem Star der Südamerikaner, Antonio Valencia von Manchester United, beantwortete Hitzfeld so ausführlich wie er immer Auskunft gibt über den Gegner. Er mag es, mit seinem Wissen zu beeindrucken. Darum sagte er: "Ecuador besteht nicht nur aus Valencia oder Caicedo. Es gibt auch Enner Valencia oder Montero auf der linken Seite, die das Spiel ankurbeln. Die Innenverteidiger Guagua und Erazo sind stark und die Aussenverteidiger Ayovi und Paredes sehr schnell. Ecuador ist stark im Kontern und gut im Umschalten." Er kam zum Schluss: "Wir brauchen eine Top-Leistung, um zu gewinnen."

Namen von Schweizer Spielern wollte er nicht nennen. Fragen zur Startformation beantwortete er so, wie er das seit Tagen und ohnehin immer tut. "Ich werde die Aufstellung mit der Mannschaft besprechen. Sie wird am Spieltag bekannt gegeben." Allerdings sickerte durch, dass das Training vom Freitag in Porto Seguro wohl die letzte offene Frage beantwortet haben könnte: Johan Djourou trainierte an der Seite von Steve von Bergen. Hitzfeld dürfte dem Genfer den Vorzug gegenüber Fabian Schär geben.

So wird die Schweiz also wohl mit dieser Mannschaft ins WM-Startspiel steigen: Diego Benaglio steht im Tor, vor ihm verteidigen Stephan Lichtsteiner, Johan Djourou, Steve von Bergen und Ricardo Rodriguez. Im Mittelfeld schirmen Valon Behrami und Captain Gökhan Inler den offensiveren Granit Xhaka sowie die Flügel Xherdan Shaqiri und Valentin Stocker ab. Als Sturmspitze ist Josip Drmic zu erwarten.

Diese Mannschaft ist gemäss Hitzfeld stärker als das Team, das vor vier Jahren den späteren Weltmeister Spanien zum WM-Auftakt geschlagen hatte, bevor es doch schon nach den Gruppenspielen die Heimreise antreten musste. Hitzfeld sagte, das Team sei "vorne kreativer und hinten immer noch gut organisiert". Und: "Menschlich passt das Team besser zusammen."

Deshalb sei die Schweiz zusammen mit Frankreich Favorit in dieser Gruppe, sagte Hitzfeld. Auf dem Papier ist das so. Die Schweiz ist im FIFA-Ranking auf Platz 6 klassiert. Frankreich ist die Nummer 17, Ecuador folgt auf Rang 26, Honduras belegt Platz 33. Ob die Schweiz deshalb wieder Platz 6 erreiche, wie damals 1950 an der WM in Brasilien, wird Hitzfeld gefragt. Er antwortete: "Damals gab es weniger Teams, aber ich bin überzeugt, dass wir die Achtelfinals erreichen."

Es war ein Bild mit Symbolcharakter, das sich am Tag vor der Partie in Brasilia bot. Neben Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld nahmen Captain Gökhan Inler und dessen Partner Valon Behrami auf dem Podium Platz. Jene zwei Spieler also, denen nach unglücklichen Aussagen von Inlers Manager im Winter zur Besetzung der Mittelfeldpositionen bei Napoli ein angespanntes Verhältnis nachgesagt wird.

Dass das für die Schweiz so wichtige Duo nebeneinander sass, weil es sich längstens versöhnt hat. Genau das sollte diese Besetzung der Plätze an der obligaten Pressekonferenz belegen. "Es könnte einer der Gründe sein, dass zwischen uns alles ok ist", sagte Behrami. "Das Team braucht uns zusammen. Wir kennen die Wichtigkeit dieses Spiels."

Für Behrami geht es gegen Ecuador nicht zuletzt darum, mit Weltmeisterschaften so etwas wie Frieden zu schliessen. In Brasilien steht der Tessiner mit der Urkraft und dem Gespür für Balleroberungen zum dritten Mal im Schweizer Aufgebot, viel Glück war ihm 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika nicht beschieden.

Vor acht Jahren konnte Behrami nach einer Adduktorenentzündung aus dem letzten Test gegen China nur reduziert trainieren, am Ende hatte er einen einminütigen Einsatz im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea in der persönlichen WM-Statistik. Im zentralen Mittelfeld standen ihm damals Johann Vogel und Ricardo Cabanas vor der Sonne.

2010 widerfuhr Behrami, erneut im letzten Test vor der Abreise, ein ähnliches Schicksal. Dannzumal war es eine Muskelverletzung im rechten Oberschenkel, die einen Einsatz im Startspiel gegen Spanien verunmöglichte. Und gegen Chile sah er wegen eines angeblichen Ellbogenschlags gegen Arturo Vidal nach 31 Minuten die rote Karte. Deshalb sagte Behrami vor der Partie gegen Ecuador mit einem Grinsen: "Ich bin glücklich, dass ich eine zweite Chance erhalte und werde alles geben, damit ich wenigstens einmal ein Spiel fertig machen kann."

In der Tat haben sich Behramis Spiel und sein Wesen in den letzten vier Jahren stark verändert. Er wird längst nicht mehr als Rechtsaussen eingesetzt, sein davor überbordendes Temperament hat er massiv gezügelt. "Ich bin ein anderer Mensch, ein anderer Spieler", sagte er. "Ich machte in meiner Karriere viele Fehler, das erwarte ich in Zukunft nicht mehr." Mit dieser nicht mehr so neuen Strategie wird Behrami gut fahren, falls er denn von den Ecuadorianern wirklich derart provoziert wird wie zu hören war.