Fussball
In Italien geht die grosse Klotzerei wieder los

In Italien scheint die Krise vorbei zu sein – die Top-Klubs der Serie A investieren wieder grosse Summen in internationalie Transfers.

Lukas Plaschy
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Stolze 30 Millionen Euro blätterte Inter Mailand für das Engagement von Geoffrey Kondogbia hin.

Stolze 30 Millionen Euro blätterte Inter Mailand für das Engagement von Geoffrey Kondogbia hin.

Keystone

Bereits über 1000 Profis tauschten die Trikots in diesem Sommer in Italien. Tief in die Tasche griffen die beiden Mailänder Vereine. Inter-Trainer Roberto Mancini konnte den indonesischen Präsidenten Erick Thohir überzeugen, dass nur eine kräftige Auffrischung des Kaders dem Klub wieder Champions-League-Abende im San Siro garantiert.

Für 30 Millionen Euro stiess der französische Rohdiamant Geoffrey Kondogbia von der AS Monaco zum Champions-League-Sieger von 2010. Zusammen mit Stevan Jovetic (von Manchester City), dem Brasilianer Miranda (Atlético Madrid) und Martin Montoya (FC Barcelona) soll damit Inters Renaissance eingeleitet werden.

Xherdan Shaqiri wird darin allerdings keine Rolle spielen dürfen. Als Ersatz für den Schweizer Nationalspieler soll Ivan Perisic (Wolfsburg) geholt werden. Die Frage bleibt, wohin Shaqiri wechseln wird. Gerüchte gibt es viele, so sollen beispielsweise die Bundesligisten Schalke und Borussia Dortmund Interesse bekundet haben, ein offizielles Angebot hat es aber noch nicht gegeben.

Ganz Mailand ist in Shoppinglaune

Inters Stadtrivale AC Milan zeigte sich nicht minder in Kauflaune. Manager Adriano Galliani durfte mit dem Segen von Besitzer Silvio Berlusconi (dessen politische Ambitionen ein nicht zu unterschätzender Faktor bei diesem Entscheid gewesen sein dürften) endlich wieder tief in die Schatulle greifen. Für insgesamt 58 Millionen Euro wechselten Sevillas kolumbianischer Torgarant Carlos Bacca, Konterstürmer Luiz Adriano (Shaktar Donezk) sowie der italienische Nationalspieler Andrea Bertolacci (Roma via FC Genua) zu Milan.

Die Rossoneri planen zudem den Auszug aus dem Giuseppe-Meazza-Stadion. Bis 2018 soll im Nordwesten der Finanzmetropole ein eigenes Stadion mit 48'000 Sitzplätzen entstehen. Nicht ungelegen kommt den Mailändern der geplante Einstieg des thailändischen Geschäftsmannes Bee Taechaubol. Für 500 Millionen Euro will der Broker einen Anteil von 48 Prozent am siebenfachen Champions-League-Gewinner übernehmen. Mit dessen Geld könnte es Milan vielleicht sogar gelingen, Zlatan Ibrahimovic zu einer Rückkehr aus Paris zu bewegen.

Bei Rekordmeister Juventus Turin kompensierte man die Abgänge von Andrea Pirlo, Carlos Tevez und Arturo Vidal mit dem Argentinier Paulo Dybala für 32 Millionen Euro von Palermo. Für weitere 19 respektive 18 Millionen Euro stiessen Mario Mandzukic (Atlético Madrid) sowie Simone Zaza (Sassuolo) zum Klub von Stephan Lichtsteiner. Der ablösefreie Sami Khedira (ehemals Real Madrid) entschied sich gegen Angebote aus der Premier League oder Bundesliga und unterschrieb ebenfalls bei den Bianconeri.

Das gesteigerte Selbstbewusstsein der Turiner manifestiert sich auch im aggressiven Werben für Bayern Münchens Weltmeister Mario Götze oder auch Schalkes Julian Draxler.

Dass Lazio Roms sparsamer Präsident Claudio Lotito hartnäckig den Millionenofferten aus England und Spanien für seine beiden Topstars Lucas Biglia und Felipe Anderson widersteht, ist als weiteres Zeichen für die Aufbruchstimmung im Calcio zu deuten.