Fussball
In England verlässt der Engel die Stadt - aber wie geht es weiter?

Angel Di Maria verlässt Manchester United. Trainer Louis van Gaal ist genervt. Eigentlich wollte er Manchester United nach seinen Ideen formen, doch die sündhaft teuren Renovierungsarbeiten erweisen sich als schwieriger als geplant.

Raphael Honigstein
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Louis van Gaal ist auf der Suche nach einem neuen Superstar - bisher noch erfolglos.

Louis van Gaal ist auf der Suche nach einem neuen Superstar - bisher noch erfolglos.

Keystone

«Heaven must be missing an angel», sang die Disco-Band Tavares in den 1970er-Jahren. Derzeit vermisst allerdings nicht der Himmel, sondern ein «Roter Teufel» einen Engel beziehungsweise einen Angel: von Angel Di Maria, Manchester Uniteds 70-Millionen-Euro-Rekordeinkauf des vergangenen Sommers, fehlte vor einigen Tagen jede Spur. «Ich weiss auch nicht, wo er ist. Vielleicht wissen Sie es ja?», antwortete Trainer Louis van Gaal nach dem 0:2 im Testspiel gegen Paris Saint-Germain in Chicago auf Fragen der Reporter recht genervt.

Di Maria steht vor einem Wechsel zu den Franzosen und verweigerte deswegen die Reise in die Staaten. Der Argentinier wird Old Trafford verlassen, so viel steht bereits fest. Van Gaal hatte gegen Ende der letzten Spielzeit das Vertrauen in den unbeständigen 27-Jährigen verloren. In Manchester wird gescherzt, dass man den Stürmer im Grunde das ganze Jahr nicht gesehen habe.

Der Abgang muss definitiv sein

Wahrscheinlich wird mit dem Spanier Pedro (Barcelona) erst ein Ersatz verpflichtet, wenn United Di Maria endgültig ziehen lässt. Ob die von van Gaal und Geschäftsführer Edward Woodward energisch angetriebenen Umbauarbeiten nach zwei schmerzhaften Jahren ohne Titel damit abgeschlossen sind, muss sich zeigen. Vor einigen Tagen sprach der holländische Coach sibyllenhaft von einem «Überraschungstransfer», von dem man bisher noch nichts gelesen habe.

Abwehrmann Sergio Ramos (Real Madrid) erwies sich jedoch als nicht realisierbar, und das gilt auch für dessen Teamkollegen Gareth Bale und Cristiano Ronaldo sowie für van Gaals Wunschspieler Thomas Müller vom FC Bayern. Der Trainer träumt von einem offensiven Superstar, der United auf einen Schlag zu alter Stärke zurückführen würde.

Die bisherigen Transfers – Goalie Sergio Romero (Sampdoria), Morgan Schneiderlin (Southampton), Bastian Schweinsteiger (Bayern), Memphis Depay (PSV) und Matteo Darmian (Torino) – vergrössern zwar die Qualität in dem nach Alex Fergusons Abgang vor zwei Jahren arg abgewirtschafteten Kader, reichen allerdings noch nicht ernsthaft für eine tragende Rolle im Titelkampf aus.

Van Gaal hat ausgemistet

17 Spieler hat van Gaal bereits aussortiert, darunter auch einstige Stammspieler und Kabinenverbündete wie Robin van Persie, der in die Türkei flüchtete. Im Sturm fehlen so die Alternativen zu Wayne Rooney, und mit dem Innenverteidiger-Duo Chris Smalling/Daley Blind würde United wohl auch lieber nicht in die Saison ziehen. «Van Gaal hat acht Tage Zeit, Ordnung ins Haus zu bringen», schrieb die «Daily Mail» mit Blick auf den nahenden Spielbeginn am 8. August.

Problematisch könnte die Personalie David de Gea werden. Der spanische Torhüter möchte zu Real Madrid; er wird ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages aber quasi gegen seinen Willen auf die Bühne im «Theater der Träume» gestellt. United sollte sich nach dem Willen des Trainers eigentlich in «eine echte Van-Gaal-Mannschaft» verwandeln. Derzeit sieht es aber so aus, als ob sich die Renovierungsarbeiten weiter hinziehen.