Fussball
In diesem Trümmerhaufen duscht und trainiert das Schweizer WM-Team

In drei Monaten soll sich die Stadionruine in Porto Seguro in ein kleines Schmuckstück verwandeln. Ein Augenschein zeigt: Es gibt jede Menge zu tun. Doch die Verantwortlichen sind zuversichtlich, den Termin einhalten zu können.

Hans Peter Schläfli(Text und Fotos), Porto Seguro
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Hier duscht die Schweizer Nati an der WM!
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Wohnt im Stadion: Kaninchenkauz.
Die Visualisierung des neuen Estádio Municipal.

Hier duscht die Schweizer Nati an der WM!

Hans Peter Schläfli

Es heisst genau genommen Estádio Municipal de Porto Seguro, aber alle nennen es hier nur «Toca do Guaiamum». Und es wird seinem Übernamen absolut gerecht: Der Guaiamum ist nämlich ein grosser, bläulicher Krebs, der hier, gleich zwei Schritte neben dem Stadion im schwarzen Schlamm der Mangrovenwälder am Ufer des Rio Bunharém, seine Höhlen gräbt.

Das Stadion, in dem sich die Schweizer Nationalmannschaft schon bald auf die WM-Spiele vorbereiten soll, ist ein einziger Trümmerhaufen. Und der Rasen – man kann es nicht schonender sagen – erinnert derzeit eher an eine Ziegenweide denn an einen Fussballplatz. Mittendrin hat sich sogar ein Kaninchenkauz sein Nest gegraben. Mit weit aufgerissenen Augen zeigt er, dass er bereit ist, seinen Nachwuchs zu verteidigen.

Renovation steht bevor

Dass hier, nur 15 Minuten vom traumhaften Basiscamp «La Torre» entfernt, ab Anfang Juni die Schweizer Nationalmannschaft trainieren soll, erscheint kaum plausibel. Selbst die Kicker vom FC Porto Seguro, genannt die Guaiamuns, mussten ja im vergangenen Jahr ihre Heimspiele im 65 Kilometer entfernten Eunápolis austragen.

Obwohl sie nicht seitwärts gehen, wie ihre Maskottchen, die Krebse, belegten sie am Ende nur den zweiten Platz der Regionalmeisterschaft, die etwa das Niveau der hiesigen 2. Liga aufweisen dürfte.

Die Bürgermeisterin, gegen die wegen Korruption ein gerichtliches Amtsenthebungsverfahren läuft, beruhigt: «Das Wichtigste ist die Freigabe der Gelder, und mittlerweile stehen vom Bundesstaat Bahia 2,9 Millionen brasilianische Reais für die Renovation bereit», sagt Cláudia Oliveira, die seit einem Jahr im Amt ist. Man müsse sich also keine Sorgen machen. Einen Fototermin im Stadion lehnt sie dann aber doch entschieden ab. Es sei derzeit verboten, das Stadion zu fotografieren.

Eine einzige Ruine

Aber ein freundliches «por favor» öffnet in Brasilien alle Türen. «Klar dürfen Sie ein paar Fotos machen», laden die drei Arbeiter, die zufälligerweise gerade die Sprinkleranlage in der Höhle des Guaiamum inspizierten, zu einem Rundgang ein. Der Augenschein zeigt, dass der Traum der grossartigen Visualisierung beim Eingang und die doch etwas schockierende Wirklichkeit einer total verlotterten Infrastruktur nicht weiter auseinanderliegen könnten.

100 Arbeiter sollen kommen

Aber in drei Monaten soll alles anders sein. Die inspizierte Sprinkleranlage funktionierte auf jeden Fall schon wieder. Die 2,9 Millionen Reais für die Renovation des Stadions entsprechen derzeit etwa 1,1 Millionen Schweizer Franken. «Die Schweizer müssen sich keine Sorgen machen. Die Firma, die unser Stadion bauen wird, ist dieselbe, die das WM-Stadion Fonte Nova in Salvador gebaut hat», sagt Cláudia Oliveira, «schon bald werden etwa 100 Arbeiter auf der Baustelle im Einsatz stehen.»

Derselbe Rasenteppich wie in Salvador werde fertig eingepflanzt und koste alleine 800 000 Reais, also etwa 310 000 Franken. Und es muss ja kein grossartiges Stadion werden. In Porto Seguro interessiert man sich zu normalen Zeiten, wenn nicht gerade die Heim-WM vor der Türe steht, nicht heftiger für Fussball als zum Beispiel in Olten.

Begonnen haben die Arbeiten noch nicht. Immerhin wurde das Stadion jüngst mit einer neuen Holzwand abgesperrt.