Momentan ist die Schweiz in der Gruppe G sechs Punkte hinter Montenegro auf Platz 3 klassiert. Leader England (14 Zähler) ist wohl für alle Verfolger ausser Reichweite. Gewinnen die Montenegriner heute Dienstag im Heimspiel gegen die ungeschlagenen "Three Lions" erneut nicht, ist der Vorstoss in die EM-Barrage für die Schweizer womöglich auch mit "nur" zwei Erfolgen - gegen Bulgarien und im "Endspiel" gegen Montenegro - sowie einem Remis (gegen Wales) machbar.

Innerhalb von rund drei Stunden hat sich die delikate Situation der Schweizer am letzten Freitagabend dank Englands 3:0 in Bulgarien und dem 2:1-Erfolg der Waliser gegen den Direktkonkurrenten Montenegro entschärft. Es ist nicht mehr von einer theoretischen Chance die Rede, sondern davon, wieder alle Fäden in den eigenen Händen zu halten. "Wir sind felsenfest davon überzeugt, die Barrage zu erreichen", sagt Ottmar Hitzfeld zum Thema.

Exklusiv ist der Optimismus Hitzfelds nicht, aber die Kreditwürdigkeit im eigenen Land ist tief. Nur knapp 15'000 Tickets hat der Verband für das wegweisende Spiel derEM-Ausscheidung gegen die Bulgaren im Vorverkauf abgesetzt. Gemessen an der Bedeutung der Partie ist diese Zahl enttäuschend klein. Für jedes halbwegs spannende Meisterschaftsspiel im Basler St.-Jakob-Park interessieren sich erheblich mehr Fans.

Der relativ geringe Zuspruch ist ein untrügliches Indiz dafür, dass das einheimische Publikum der Landesauswahl nur einen beschränkt hohen Unterhaltungswert zutraut und die EM-Chancen im Gegenteil zu den Protagonisten als eher minimal einschätzt. Das allseits bejubelte 2:2 in England genügte nicht, die generelle Skepsis spürbar einzudämmen.

Die Aussenwahrnehmung korrespondiert (noch) nicht mit den überaus positiv gefärbten Botschaften aus der Equipe. In ihrer Trainingsbasis in Feusisberg hat die SFV-Delegation in den vergangenen sechs Tagen von sich ein diametral anderes Bild gefertigt als die nationalen Fussball-Konsumenten. Das Potenzial zur Wende sei durchaus vorhanden, die Spielfreude zurück, der Spirit ausserhalb des Rasenvierecks gewachsen.

Ganz neu sind die Inhalte nicht. Im letzten Teil der Ära mit dem abgetretenen Captain Alex hatten die Schweizer auch immer betont, wie wohl sie sich fühlen würden und kündigten vor jeder Partie eine spürbare Steigerung an. Wort hielten sie bislang kaum. Möglicherweise schafft ja die neue, zahlenmässig bereits gewichtig vertretene Generation neue Fakten.

Zu belegen ist derzeit jedenfalls nur die fundamentale Veränderung der Equipe seit dem trostlosen 0:0 in Sofia im vergangenen März. Nur noch Inler und Dzemaili, das defensive Herzstück der Equipe, sowie die beiden Aussenverteidiger Lichtsteiner und Ziegler gehören auch im Rückspiel gegen Bulgarien noch zum Kern; wegen desStreiks in der Serie A hat das Quartett seit der Sommerpause im Übrigen noch kein einziges Wettbewerbsspiel bestritten. Alle anderen Positionen sind wegen Rücktritten und Verletzungen neu besetzt.