Super League
Im Fall Salatic gibt es auf beiden Seiten nur Verlierer

Vero Salatic trainiert wieder mit der ersten Mannschaft von GC. Eine «Lose-lose-Situation»: Spieler Salatic darf nur dank gerichtlichem Entscheid mittrainieren und Trainer Skibbe verzichtet freiwillig auf den ehemaligen Captain seines Teams.

Michael Meier
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Viel Distanz: Veroljub Salatic (l.) und GC-Trainer Michael Skibbe.

Viel Distanz: Veroljub Salatic (l.) und GC-Trainer Michael Skibbe.

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Es war eine weitere hektische Woche bei GC. Seit Dienstag trainiert der ehemalige Captain Vero Salatic wieder mit der ersten Mannschaft. Er hat sich dieses Recht vor Bezirksgericht mittels superprovisorischer Verfügung erstritten, nachdem er vom Verein Ende August suspendiert wurde.

Eine groteske Situation. GC-Trainer Michael Skibbe hat in seinem Abschlusstraining vor der heutigen Partie gegen den Tabellenvierten aus Thun einen Spieler im Training, den er nicht mehr möchte, mit dem nach eigener Aussage «das Tischtuch zerschnitten sei». Aber Skibbe spielt die Situation herunter: «Wir haben gut trainiert.» Die Situation mit Salatic sei nichts Aussergewöhnliches. «Es ist einfach ein Spieler mehr, der mittrainiert.» Aber es kann doch nicht im Sinne des Trainers sein, wenn er im Abschlusstraining – in dem man vor allem taktisch arbeiten möchte – einen Spieler hat, den man unter keinen Umständen einzusetzen gedenkt?

Keine Lösung in Sicht

Die Fronten sind verhärtet. Alle involvierten Parteien, das sind neben Trainer und Spieler auch Assistenztrainer Alex Kern, aber auch der Vorstand, der sich klar auf Skibbes Seite geschlagen hat, haben ihren Stolz. Die momentane Lage ist eine «Lose-lose-Situation». Auf der einen Seite Salatic, in den letzten zwei Jahren einer der besten Mittelfeldspieler in der Schweiz. Er darf nur noch trainieren, nicht spielen. Auf der anderen Seite Skibbe, der auf seinen wichtigsten Spieler, auf den Captain der Mannschaft, verzichtet. Und zudem einen Spieler im Training hat, den er eigentlich nicht mehr duldet.

Gibt es wirklich keine Möglichkeit für eine Versöhnung, für ein Zweckbündnis zweier Profis? Denn die momentane Situation hilft keinem weiter. Skibbe reagiert unwirsch: «Vero hat sich das Recht erstritten, mitzutrainieren. Der Verein hat dazu Stellung genommen. Mehr gibt es momentan nicht zu sagen.» Der Verein liess Anfang Woche lediglich verlauten, man werde sich auf rechtlichem Wege gegen den Entscheid des Bezirksgerichts wehren. Es scheint also nur den steinigen gerichtlichen Ausweg zu geben, aus der «Causa Salatic». Geprägt von einer Verfügung zur nächsten, Endstation Bundesgericht. Oder etwa doch nicht?

Ein vergleichbarer Fall

Vor gut 3 Wochen sagte Skibbe, er habe einen solchen Fall noch nie in seiner Karriere erlebt. Doch dem ist nicht ganz so. Während seiner Zeit in Deutschland bei Eintracht Frankfurt von 2009 bis 2011, erlebte er sehr wohl einen vergleichbaren Fall. Er überwarf sich mit dem damaligen Starstürmer und Captain Ioannis Amanatidis und sortierte den Griechen mit den Worten «Amanatidis spielt keine Rolle mehr in meinen Planungen» endgültig aus. Doch nur eine Woche später folgte die Rolle rückwärts. Skibbe nahm Amanatidis mit den Worten «Ich freue mich darüber, dass sich Amanatidis einsichtig zeigt», wieder ins Kader auf. Eine Entschuldigung vor dem Trainer, der Mannschaft und dem Vorstand reichte damals aus, für einen Burgfrieden.

Skibbe sagt zwar, die Situationen seien nicht vergleichbar, aber gewisse Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Auf die Nachfrage, ob Entschuldigungen von Salatic vielleicht auch dem ehemaligen Captain wieder eine Tür öffnen könnten sagt Skibbe lachend: «Bei Amanatidis hat es jedenfalls eine Türe geöffnet.» Doch bei GC sind zu viele Parteien involviert, es wurde zu viel Geschirr zerschlagen. Ein Happy End scheint kaum möglich. Salatic müsste dazu wohl wirklich um Absolution bitten und die ganze Schuld auf sich nehmen. Doch dass der stolze Ex-Captain dies tut, scheint ausgeschlossen.

Salatics Ruf hat gelitten

Aber auch Salatic steht mit dem Rücken zur Wand. Er ist im besten Fussballeralter von 28 und darf nicht spielen. Dass es keine Interessenten für einen Last-Minute-Transfer gab, ist ein Zeichen, dass sein Ruf gelitten hat. Seine Intentionen sind unklar. Salatic selbst möchte sich nicht zur momentanen Situation äussern. Es bleibt ihm eigentlich nur, auf eine Entlassung Skibbes zu hoffen. Denn es ist kein Geheimnis, dass Salatic in der Mannshaft noch immer ein hohes Standing geniesst. Wenn Skibbe weg wäre, stünde einer Rückkehr des Captains nichts im Weg.

Doch momentan deutet nichts auf eine Entlassung Skibbes hin, der Vorstand stützt den Deutschen. So bleibt Salatic nur noch der Ausweg einer umfassenden Entschuldigung. Und ob diese ausreichen würde, steht in den Sternen.