WM14
«Ich möchte mich bei allen Brasilianern entschuldigen»

Nach der 1:7-Demütigung von Deutschland schlug die Partystimmung der Brasilianer in Frust und Trauer um. Die Spieler entschuldigten sich weinend vor laufenden Kameras: «Wir wollten unserem Volk Freude schenken», sagte David Luiz.

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Brasilien-Debakel nach 1:7-Klatsche: Die Trauer der brasilianischen Fans
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David Luiz entschuldigt sich weinend vor laufender Kamera beim brasilianischen Volk für die 1:7-Klatsche
David Luiz wird vom gesperrten Thiago Silva getröstet

Brasilien-Debakel nach 1:7-Klatsche: Die Trauer der brasilianischen Fans

Keystone

Entsetzen, Trauer, Wut: Nach vier Gegentoren in nur sieben Minuten und dem unglaublichen 1:7 (0:5)-Debakel im WM-Halbfinale gegen Deutschland verfiel ganz Brasilien in Schockstarre. Im Estadio Mineirão flossen bei gestandenen Männern und kleinen Kindern die Tränen, aber auch Fäuste flogen beim Frustabbau auf den Rängen.

In Belo Horizonte machten sich einige Hunderte Fans schon vor dem Halbzeitpfiff auf den Heimweg - sie konnten das Desaster nicht mehr ertragen.

Es war das abrupte Ende einer riesigen WM-Party, die am Dienstag wenige Stunden vor dem Spiel noch euphorisch begonnen hatte.

Mit lauter Sambamusik hatten sich die Seleção-Stars bei der Ankunft des Mannschaftsbusses in Stimmung gesungen, am Ende eines katastrophalen Fussballabends erklang landauf, landab nur ein Trauermarsch. Noch nie hat ein Gastgeber in der WM-Geschichte eine solche Klatsche kassiert.

Dabei hatten die Fan-Feste in den WM-Städten weit vor Anpfiff wegen des Zuschauerandrangs die Pforten vorzeitig schliessen müssen, doch nach dem Tor-Hagel der deutschen Nationalmannschaft in Durchgang eins suchten viele schnell das Weite.

Nur die deutschen Schlachtenbummler feierten, wie im Mineirão, wo es hämisch «Ihr seid nur ein Karnevalsverein» aus dem Fanblock klang. Dies wohl in Anlehnung an das sensationelle Mertesacker-Interview nach dem Algerien-Match, wonach der Verteidiger sich über die Fragen des Journalisten beklagte und betonte, dass es in der K.O.-Phase einer Weltmeisterschaft keine «Karnevalsvereine» mehr gebe.

Brasiliens Presse reagierte noch während des Spiels mit verbitterten Schlagzeilen. "Schande im Mineirão" (Estadão), "Beschämende Leistung" (O Globo), "Erniedrigung" (Zero) war zu lesen. Ex-Weltmeister Rivaldo meinte im deutschen TV: «Die Vorstellung der Selecao ist eine Enttäuschung für alle Brasilianer. Das ist nur schwer zu akzeptieren.»

Den Frust über das Debakel bekam auch Staatspräsidentin Dilma Rousseff ab, die mit Schmährufen beschimpft wurde. Drei Monate vor der Präsidentenwahl hatte die Amtsträgerin nach den bisherigen Auftritten des fünfmaligen Weltmeisters bei den Wählern im Stimmungshoch gelegen. Das ist jetzt vorbei.

David Luiz: «Wir wollten unserem Volk Freude schenken»

Als André Schürrle mit seinem Traumtor zum 7:0 die höchste Pleite einer brasilianischen Nationalmannschaft perfekt machte, wechselten die Fans in Gelb endgültig ins deutsche Lager über, bedachten die Elf von Bundestrainer Joachim Löw mit Standing Ovations und riefen "Ole!" beim Passspiel von Thomas Müller und Co.

Nach dem Schlusspfiff zeigten sich die brasilianischen Spieler auf dem Platz und streckten ihre heulenden Gesichter in die Kameras.

David Luiz und Torhüter Julio Cesar zeigten Grösse und nahmen vor laufenden Kameras Stellung zum Debakel: «Wir wollten unserem Volk Freude bereiten, aber leider haben wir das heute nicht geschafft. Ich möchte mich bei allen Brasilianern entschuldigen.»

Torhüter Cesar versuchte wenige Minuten nach Spielende, das Debakel einzuordnen: «Es ist unerklärlich. Wir müssen anerkennen, dass Deutschland einfach sehr gut gespielt hat. Nach dem ersten Tor sind wir zusammengebrochen. Den Fehler, den ich vor vier Jahren begangen habe, würde ich gerne mit diesem Spiel umtauschen.» (sid)