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«Ich hatte vor der Saison angekündigt, dass ich mehr Tore schiessen wolle»

Hamburgs Schweizer Innenverteidiger Johan Djourou trifft gegen Stuttgarts Torhüter Przemyslaw Tyton in der zweitletzten Minute zum 3:2

Hamburgs Schweizer Innenverteidiger Johan Djourou trifft gegen Stuttgarts Torhüter Przemyslaw Tyton in der zweitletzten Minute zum 3:2

Captain Johan Djourou trifft erstmals in der Bundesliga und bringt dem HSV den Sieg. Nach der 0:5-Schlappe gegen Bayern zum Auftakt und der Cup-Niederlage gegen den Viertligisten Jena haben die Hamburger endlich wieder ein Erfolgserlebnis.

Völlig losgelöst rannte Johan Djourou über den Rasen und verschwand in der Traube der jubelnden Hamburger. «Ich bin mir sicher gewesen, dass ich den Ball reinmache», sagte er hinterher. «Das Tor ist gut für mich und die Mannschaft.»

Wohl wahr. Denn nachdem der HSV in der letzten Saison erneut im letzten Moment den Kopf aus der Abstiegsschlinge gezogen hatte, war ihm auch der Auftakt in die neue Saison gründlich misslungen. Beim Viertligisten Jena hatte es im Cup eine 2:3-Niederlage, beim Ligaauftakt gegen die Bayern eine 0:5-Klatsche abgesetzt.

Am Samstag aber bereitete er seinem treuen Anhang wieder mal Freude. Die Hamburger hatten gegen den VfB Stuttgart in den letzten Minuten einen 1:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg umgebogen. Mit einem Djourou, der schon den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich eingeleitet hatte und dann in der 89. Minute zur Höchstform aufgelaufen war.

Mit Coolness versenkt

Der Innenverteidiger hatte im Mittelfeld aufmerksam einen Ball abgefangen und mit einem Pass auf den linken Flügel den Konter des HSV ausgelöst. Um sogleich nach vorne zu sprinten und Sekunden später Lasoggas Kopfballvorlage zum Siegtreffer ins Netz zu spedieren. Nicht viele Stürmer – geschweige denn Verteidiger – hätten den aufspringenden Ball so cool im Tor versenkt.

Dass er dabei die Kugel mehr mit dem Knöchel als mit dem Innenrist getroffen hatte, kommentierte er so: «Das war ein Sprunggelenkschuss. Diese Technik habe ich einst von Thierry Henry bei Arsenal gelernt.»

Verständliche Euphorie

Verständlich, dass einem, der kaum einmal ein Tor schiesst, in der Euphorie ein bisschen der Gaul durchging. «Das war ein Tor mit Ansage», lachte der 28-Jährige. «Ich hatte vor der Saison ja angekündigt, dass ich mehr Tore schiessen wolle. Und: In meiner Schweizer Jugend war ich Stürmer. Deswegen hatte ich jetzt die Ruhe, dieses Tor zu machen.»

Eine etwas verwegene Aussage, denn immerhin sind es zwölf Jahre her, seit Djourou als 16-Jähriger von Etoile Carouge zum FC Arsenal wechselte, dort zum Innenverteidiger umgeschult wurde und die Torproduktion einstellte. In 236 Pflichtspielen für Arsenal, Birmingham City, Hannover und den HSV traf er lediglich zwei Mal.

Gestern und am 5. Februar 2011 beim 4:4 in Newcastle, als die Gunners einen 4:0-Vorsprung verspielten. Auch in 55 Länderspielen für die Schweiz ist ein Freundschaftsspieltreffer gegen Japan die einzige Offensivausbeute.

Erstes Bundesligator im 70. Anlauf

Jetzt hat Djourou im 70. Bundesligaspiel sein erstes Tor erzielt. Und erstmals überhaupt als Profi ein Spiel mit einem Tor und einem Assist beendet. «Ich muss nun eben auch mehr Verantwortung übernehmen», schmunzelte der Schweizer. Bruno Labbadia hatte ihn zum Captain ernannt und nach dem Sieg in den höchsten Tönen gelobt. «Johans Tor war klasse. Er hat  sogar selber den Aufbau dazu geleistet.»

Es scheint, als habe der früher so verletzungsanfällige Djourou Stabilität in seine Laufbahn gebracht. In der letzten Saison gab es zwar die Kabinenrauferei mit Behrami, doch in der Liga fehlte er bloss zwei Mal. Nationalcoach Vladimir Petkovic darf sich für die EM-Qualifikationsspiele gegen Slowenien und England auf einen formstarken Djourou freuen. Ich bin fit und fühle mich gut», sagte der Held eines aufwühlenden Abends im Volksparkstadion.

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