Aargauer Derby

Ianu hat mit dem FC Aarau noch eine Rechnung offen

Christian Ianu kehrt zurück ins Brügglifeld. Diesmal aber als Gegner des FCA.

Christian Ianu kehrt zurück ins Brügglifeld. Diesmal aber als Gegner des FCA.

Christian Ianu kehrt mit dem FC Wohlen zurück an seine alte Wirkungsstätte, das Brügglifeld. Im Jahre 2007 hatte Ianu in Aarau angeheuert. Sein Einstieg beim FCA verlief damals jedoch nicht nach Plan.

Ende Juli 2007: Cristian Ianu sitzt am Küchentisch. Vor ihm liegt ein Brief des FC Aarau. Der Inhalt: Die erste Lohnabrechnung von seinem neuen Arbeitgeber. Ianus Vorfreude ist gross. Genauso gross ist die Ernüchterung.

Der Mittelstürmer studiert die Zahlen und wähnt sich im falschen Film. «Das kann nicht sein», sagt er. «Das war so nicht abgemacht. Das ist zu wenig. Viel zu wenig!» Ianu ist verärgert, fühlt sich verschaukelt und nimmt sofort Kontakt mit Sportchef Fritz Hächler auf.

Hächler und Ianu treffen sich im Restaurant Burestube in Buchs. Als Verstärkung nimmt Ianu seine Lebenspartnerin Leyla Türkyilmaz mit. Sie spricht besser Deutsch als er. Sie soll Licht ins Dunkel bringen. Sie soll mit Hächler verhandeln. Das Trio diskutiert. Es wird laut. Im Laufe des Gesprächs unter sechs Augen wird klar, dass das Ganze ein Missverständnis ist.

Ianu ging davon aus, dass der vereinbarte Monatslohn netto ausbezahlt wird. Hächler ging davon aus, dass es sich beim vereinbarten Betrag um einen Bruttolohn mit den üblichen Abzügen handelt.

«Wir haben anderthalb Stunden gestritten», erinnert sich Ianu. «Eine Einigung gab es nicht. Ich hatte keine Chance. Hächler hatte die besseren Argumente. Es war ja auch mein Fehler. Ich hätte mich im Vorfeld der Verhandlungen besser informieren müssen.»

Ianu überzeugte als Gegner

Ianu und der FC Aarau – eine spezielle Geschichte: Begonnen hat alles Ende Mai 2007 mit einer Barrage um einen Platz in der Super League. Der FCA gewann das Hinspiel in Bellinzona 2:1. Die Tessiner aber führten in der zweiten, entscheidenden Partie im Brügglifeld 1:0. Ianu schoss Bellinzona mit einem herrlichen Treffer in Führung. Ianu wirbelte. Ianu dribbelte. Ianu zauberte Dutzende von Kabinettstücklein aus seiner Trickkiste.

Die Aarauer siegten im Endeffekt zwar 3:1, aber der Mann des Spiels war Ianu. Hächler war begeistert. Hächler war entzückt. Und von diesem Augenblick an setzte sich der Sportchef in den Kopf, Ianu ins Brügglifeld zu holen. Ianu musste es sein! Nur Ianu!


Was sich Hächler in den Kopf setzt, das zieht er auch durch. Kurze Zeit später reiste er zusammen mit Präsident Alfred Schmid nach Bellinzona. Die zwei Spitzenfunktionäre des FC Aarau verhandelten mit Bellinzona-Sportchef Marco Degennaro und Ianus Manager Walter Fernandez über einen Transfer des kleinen Wunderknaben. Man redete und redete und redete.

Der Deal war nicht einfach. Natürlich ging es um Geld. Um viel Geld! Irgendwann wurde es Hächler und Schmid zu bunt. Sie hatten Hunger. Also unterbrachen sie die Verhandlungsrunde, gingen in eine Beiz, assen eine Pizza und tranken ein Glas Rotwein.

Als sie in die Höhle des Löwen mit Degennaro und Fernandez zurückkehrten, ging alles schnell. Ianu entschloss sich trotz lukrativer Angebote von Xamax und St. Gallen für den FC Aarau. Der heimliche Sieger aber hiess Hächler. Der Landwirt aus Staufen landete seinen ersten Transfercoup.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Nach knapp neun Jahren kehrt Ianu ins Brügglifeld zurück. Nicht als Freund, nein, mit dem FC Wohlen: mit dem Kantonsrivalen also! Der 32-Jährige freut sich auf das Wiedersehen mit dem FC Aarau und darauf, ehemalige Mitspieler begrüssen zu können.

Mit Sandro Burki spielte er von 2007 bis 2009 gemeinsam für den FCA, mit Daniele Romano in Lausanne, mit Ridge Mobulu in Luzern und mit Steven Deana in Sion. Doch nach dem Anpfiff ruhen die Freundschaften. Ianu setzt alles daran, mit dem Aussenseiter aus dem Freiamt den Exploit beim grossen Bruder zu landen.

Ianu kennt die Bilanz zwischen den beiden Kantonsrivalen. Zehnmal hat der FC Wohlen mit Aarau die Klingen gekreuzt. Zehnmal! Und nie gewonnen! Sechs Niederlagen stehen vier Unentschieden gegenüber. Jetzt will Ianu Geschichte schreiben. Und sollte der kleine Rumäne tatsächlich das siegbringende Tor für die Freiämter erzielen, wird ihm Wohlens Mäzen und Ehrenpräsident René Meier wohl höchstpersönlich eine Prämie überweisen. Netto.

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