Das Schlüsselspiel (III)
Horrornacht in Istanbul

Am Freitag steht für die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld in Montenegro ein kapitales Qualifikationsspiel auf dem Programm. Wir blicken deshalb auf die Schlüsselspiele der Schweizer Nationalmannschaft seit 1992 zurück.

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Kein Fan der Nationalmannschaft wird die Bilder des 16. November 2005 je vergessen. Schiedsrichter Frank De Bleeckere pfeift nach 98 Minuten das Rückspiel der WM-Barrage zwischen der Türkei und der Schweiz ab.

DieTürken gewinnen das Spiel zwar mit 4:2, sind aber wegen der Auswärtstorregel trotzdem ausgeschieden. Anstatt die Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland noch auf dem Rasen des Sakracoglu-Stadions zu feiern, müssen die Schweizer Spieler und das Trainerteam um Köbi Kuhn in die Kabine flüchten.

Sie werden von den türkischen Spielern gejagt, von den Zuschauerrängen mit Wurfgeschossen eingedeckt und in den Katakomben stellen sich ihnen die Ordner in den Weg. Der Stolz der Türken konnte die Niederlage gegen die kleine Schweiz nicht akzeptieren. Was folgte, war eine der grössten Untersuchungen in der Geschichte des Weltverbands Fifa.

Die Geschehnisse der historischen Fussballnacht wurden minuziös aufgearbeitet. Die härtesten Urteile fielen auf türkischer Seite. Doch auch der Schweizer Benjamin Huggel wurde für sechs Pflichtspiele gesperrt und verpasste deswegen die WM.

Das Wichtigste und einzige Erfreuliche am 16. November 2005 war aus Schweizer Sicht die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Deutschland. Im Hinspiel in Genf trafen Philippe Senderos und Debütant Valon Behrami zum 2:0-Sieg und schafften damit ein komfortables Polster für das Rückspiel vier Tage später in Istanbul.

Dort ging die Schweiz nach zwei Minuten durch einen von Alex Frei verwandelten Handelfmeter in Führung, kassierte aber bis zur 52. Minute drei Gegentore. Der Druck der Türken und der fanatischen Zuschauer war riesig. Doch die junge Schweizer Mannschaft hielt ihm stand und erzielte in der 85. Minute mit einem Konter das alles entscheidende 2:3. Das Tor war Marco Streller vergönnt, den in der Nationalmannschaft oft das Verletzungspech verfolgt.

Tuncay erzielte kurze Zeit später noch das 4:2 für die Türkei, ehe die unschönen Geschehnisse ihren Lauf nahmen. «Wir wussten nicht, ob wir feiern oder weinen sollen. Wir waren an der WM, doch im Massageraum nebenan schrie Stéphane Grichting vor Schmerzen.»

Köbi Kuhns Worte beschreiben die Gefühlslage der Schweizer im Moment des Triumphs. Richtig jubeln konnten die Spieler dann beim grossen Empfang am Zürcher Flughafen. Nach der EM 2004 hat Köbi Kuhn das Team zum zweiten Mal in Folge an eine Endrunde gecoacht. (wen)