Hooligans

Hooligan-Experte: Was die Schweiz von anderen Ländern lernen kann

Polizei-Einsatz in Deutschland bei Spiel Frankfurt - Köln im Mai 2011

Polizei-Einsatz in Deutschland bei Spiel Frankfurt - Köln im Mai 2011

Ausweise zeigen beim Ticketkauf und Stewards platzieren zwischen den Zuschauern: Der Hooligan-Experte Maurice Illi, der während der WM 2006 für die Schweiz im Einsatz stand, über erfolgreiche Massnahmen gegen Hooligans.

Wie haben andere Länder auf das Hooligan-Problem reagiert? Mit diesen Fragen hat sich Maurice Illi befasst. Der Hooliganexperte war bei der WM 2006 Deutschland als Co-Leiter der Fan-Botschaft Schweiz tätig. Wer in England den Rasen eines Stadions betritt, wird saftig gebüsst - mit bis zu 10'000 Franken.» Würden solche Bussen auch in der Schweiz eingeführt, müsste vor allem die harte Umsetzung garantiert sein, sagt Illi. «So könnte man Szenen verhindern wie etwa am 14. Mai 2006, als Dutzende Fans den Rasen des St. Jakob-Parks stürmten.»

In England ermahnen Stewards die Fans

Eine weitere denkbare Massnahme: «In Stadien der Premier League stehen Stewards auf den Treppen zwischen den Zuschauern. Sie ermahnen Fans, sitzen zu bleiben, und weisen sie bei mehrfachem Fehlverhalten aus dem Stadion». Für Spiele der Premier League seien zudem die Ticketpreise massiv erhöht worden. Das hatte zur Folge, dass sich viele jugendliche Krawallmacher den Eintritt nicht mehr leisten können. «In der Schweiz würden sich die Clubs aber gegen höhere Ticketpreise wehren, weil dann die Zuschauer ausbleiben würden», vermutet Illi. «Die Gefahr wären eine Art selbstauferlegte Geisterspiele, und das will niemand.»

In Deutschland werde versucht, mit grossem Polizeiaufgebot Gewalt zu verhindern. «Bei einem Spiel von Bayern München zum Beispiel werden bis zu 400 Polizisten pro Spiel eingesetzt.» Dazu müssten in der Schweiz jedoch die Polizeikorps massiv aufgestockt werden, so Illi. Zudem werden in Deutschland die Sicherheitskräfte von den Steuerbezahlern finanziert - im Gegensatz zur Schweiz sind die Vereine nicht daran beteiligt. Im Ausland habe der Fussball einen höheren Stellenwert in der Bevölkerung. «Die Menschen scheinen dort bereit zu sein, Steuern zu zahlen für mehr Sicherheit im Fussball.»

Ticket gegen Ausweis in Italien

«Wer in Italien ein Ticket für ein Fussballspiel kaufen möchte, muss sich ausweisen. Der Name des Käufers wird auf der Eintrittskarte gedruckt.» So haben die Vereine jederzeit den Überblick, wer im Stadion sitzt. «Ich bin überzeugt, dass dies einige Chaoten davon abhält, das Spiel zu besuchen.»

Illi betont, dass es auch in diesen drei Ländern Gewalt rund um Fussballspiele gebe.«Keine europäisches Land hat es geschafft, Gewalt rund um den Fussball ganz zu verbannen», sagt er. «Junge Männer tragen Gewaltbereitschaft in sich. Das kann man nur schwer stoppen.» So habe sich beispielsweise in England die Hooligan-Szene in die unteren Ligen verlegt. Doch zumindest hätte die Gewalt in diesen drei Ländern eingedämmt werden können.

Auch die Fanarbeit stecke bei manchen Schweizer Vereinen im Gegensatz zum Ausland noch in den Kinderschuhen. «Gerade junge Fans im Alter von 10 bis 15 Jahren kann man dank Fanarbeit vom Hooliganismus abhalten», ist Illi überzeugt.

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