Vielleicht wird diesmal wirklich alles besser. Vielleicht muss er nicht bald schon wieder den nächsten Rückschlag einstecken. Vielleicht muss er im Sommer nicht schon wieder zügeln. Vielleicht verzückt er das Schweizer Nationalteam bald regelmässiger.

Etwas viel «vielleicht», es ist unverkennbar. Aber dass das so ist, kann nicht verwundern. Nicht bei ihm, Haris Seferovic. Es gibt wenige Fussballer, die mit 22 Jahren schon so viel erlebt haben wie Seferovic. U17-Weltmeistertitel. Drei Super-League-Spiele mit GC. Transfer zur AC Fiorentina. Leihe zu Xamax, jenem Xamax von Bulat-Tschagajew. Leihe zu Lecce. Leihe zu Novara in die Serie B. Plötzlich Stürmer Nummer eins im Nationalteam. Transfer zu San Sebastian. WM-Torschütze in der 93. Minute gegen Ecuador. Transfer zu Eintracht Frankfurt. Nein, um Seferovic ist es nie ruhig. Und langweilig schon gar nicht.

Wie so häufig bei Seferovic gibt es auch in diesem Frühherbst Zeichen der Besserung. Seferovic und Frankfurt, das passt. Davon ist der Verein überzeugt. Davon ist Seferovic überzeugt.

Zuerst einmal spricht die Statistik. Seferovic ist unbestrittener Stammspieler. Er spielt immer von Anfang an. Und vor allem: Er verhilft seinem Team zu Punkten. Vier Tore und zwei Assists hat er bisher erzielt. Dank seinem Gala-Auftritt am letzten Samstag hat er Ricardo Rodriguez als derzeit erfolgreichster Klub-Skorer der Nationalspieler gerade noch überholt. Beim 3:2 gegen Köln bereitete Seferovic zwei Tore herrlich vor.

Gift und Galle

Das Lob in Frankfurt ist entsprechend gross und umfassend. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen sagte: «Normalerweise äussere ich mich nie zu Leistungen von Einzelnen. Aber wie Seferovic gespielt hat, das war schon sehr auffällig.» Die Worte kommen einem Ritterschlag gleich. Trainer Thomas Schaaf lobt Seferovic für seine Widerstandsfähigkeit und Hartnäckigkeit. Und Beobachter in Frankfurt sehen in ihm den Spieler, der endlich jenes gesunde Mass an Gift und Galle reinbrachte, das dem zu braven Team davor gefehlt hatte.

Die Liebe ist gegenseitig. Nachdem Seferovic zum Saisonauftakt gegen Freiburg das entscheidende 1:0 erzielte, sagte er: «Super Stadion, super Fans, super Atmosphäre. Die Fans sind 10 000 Mal besser als in Spanien.» Das wiederum hängt auch damit zusammen, dass Seferovic in San Sebastian mit Anfeindungen konfrontiert war, weil er sich getraute, seinen Geburtstag am Abend nach einer Niederlage gegen Barcelona trotzdem zu feiern. Dass der Ausflug wegen eines Streits mit der Freundin für eine Nacht im örtlichen Gefängnis endete, half auch nicht.

Tore oder Tränen

Derweil geht in Frankfurt nach dem prächtigen Saisonstart und den Leistungen von Seferovic fast schon vergessen, dass auch die Eintracht eine lange Tradition von vermeintlichen Überfliegern hat, die sich dann als Sorgenkinder entpuppten. Fenin, Occean, Lakic, Friend oder Kadlec beispielsweise.

Das Schweizer Nationalteam jedenfalls ist morgen auf einen Seferovic in Bestform angewiesen. Nach dem 0:2 gegen England zu Beginn der EM-Qualifikation heisst es in Slowenien: Tore oder Tränen. Es gilt, den kompletten Fehlstart unter dem neuen Trainer Vladimir Petkovic zu verhindern.

Seferovic nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Nachdem er in den entscheidenden Spielen bei der WM nur Ersatz war, gelang ihm gegen England ein starker Vortrag. Die Chancenverwertung war der einzige Mangel.

Für Petkovic drängt es sich auf, Seferovic zusammen mit Shaqiri und Drmic aufzustellen. Zusammen haben die drei das Potenzial zum Erfolgstrio. Und persönlich könnte Seferovic den nächsten Schritt machen, das «vielleicht» in seiner Geschichte endlich zu verbannen.