Fussball
Hochspannung in Luzern: Schafft die U21 die Sensation?

Die Schweiz und Deutschland kämpfen heute Abend in Luzern um die Qualifikation für die U21-EM. Die Schweizer habe sich mit dem 1:1 in Deutschland eine gute Ausgangslage erarbeitet, einfach wird die Aufgabe trotzdem nicht.

Markus Brütsch, Wilen
Merken
Drucken
Teilen
Orham Ademi schleppt Torschütze Josip Drmic nach dem 1:1 im Hinspiel gegen Deutschland vom Feld.

Orham Ademi schleppt Torschütze Josip Drmic nach dem 1:1 im Hinspiel gegen Deutschland vom Feld.

Keystone

Es könnte schön und wie im Urlaub sein in Wilen am Sarnersee. Doch das Wetter hat umgeschlagen. Es ist grau und kalt an diesem Montagnachmittag, und die umliegenden Berge sind weiss überzuckert. Den jungen Gästen, die sich hier für ein paar Tage einquartiert haben, ist dies egal. Ihre ganze Konzentration gilt bis heute Abend einzig der Vorbereitung des entscheidenden Spiels in Luzern gegen Deutschland. Nach dem 1:1 vom Freitag in Leverkusen genügt den Schweizern im Rückspiel der Barrage ein 0:0 oder ein Sieg in beliebiger Höhe, um sich erneut für die U21-Europameisterschaft zu qualifizieren.

Die Chance, im Juni nächsten Jahres in Israel dabei zu sein, ist nach dem Auswärtsunentschieden nicht schlecht, angesichts der gegnerischen Klasse aber gleichwohl nicht grösser als fifty-fifty. «Deutschland ist noch immer der Favorit», sagt Aufbauer Pajtim Kasami. «Wir brauchen zwei Tore», sagt Pierluigi Tami. Dem Schweizer Coach imponiert die Bilanz der Deutschen mit 39 Toren in den Gruppenspielen. «Sie schiessen immer ein Tor», sagt Tami, «deshalb muss es unser Ziel sein, zwei Tore zu erzielen. Es wäre zu gefährlich, auf ein 0:0 aus zu sein.» Für den gesperrten Fabian Schär wird in der Innenverteidigung Philippe Koch spielen.

Obwohl sich die Schweiz auf Stufe U21 in den letzten neun Vergleichen mit Deutschland nur einmal durchsetzen konnte, ist Kasami zuversichtlich. Zum einen weiss er als U17-Weltmeister aus eigener Erfahrung (4:3 nach Verlängerung im Achtelfinal), wie Deutschland beizukommen ist, zum andern denkt er, dass sie unter einem gewaltigen Druck stehen. Und wird durch jenen Spieler bestätigt, den er für den Besten des gegnerischen Teams hält: Lewis Holtby. «Das kann für uns ein Spiel des Lebens werden. Es geht um alles, es geht um das EM-Ticket. Und das wollen wir uns ergattern», sagt der Regisseur der Deutschen. Ausgerechnet gegen ihn hatte Kasami in Leverkusen kurz vor Schluss den entscheidenden Zweikampf vor dem 1:1-Ausgleich durch Josip Drmic gewonnen. «Wir müssen noch zielstrebiger sein und die Sache konzentriert angehen», sagt der deutsche Captain. Sollte es ein 0:0 geben, bliebe Deutschland zwar seit einem 1:4 im August 2010 auf Island auch im 14.Pflichtspiel ungeschlagen, würde aber zum zweiten Mal in Folge die EM verpassen. Fraglich, ob Rainer Adrion einen solchen Misserfolg als Trainer des DFB überleben würde. Auch wenn er mit Mario Götze, André Schürrle, Toni Kroos und Marc-André ter Stegen namhafte Spieler ins A-Team gebracht hat.

Solche Sorgen kennt Tami nicht. Natürlich will auch er an die EM, doch kann er darauf verweisen, dass es für die Schweiz nach dem Umbruch im letzten Jahr nach der EM in Dänemark schon ein Erfolg gewesen ist, erneut die Barrage zu erreichen. «Jetzt aber erwarte ich von meinem Team den nächsten Schritt. Wir sind bereit dazu», sagt Tami. «Wir haben gezeigt, dass wir mit den Deutschen in technischer und taktischer Hinsicht mithalten können. Die Frage ist, ob wir dies auch im physischen Bereich ein zweites Mal schaffen.»

Schweiz - Deutschland. - Swissporarena, Luzern. - Heute Dienstag, 17.30 Uhr (live SF2/ARD). - SR Jug (Sln).

Schweiz: Bürki; Widmer, Philippe Koch, Affolter, Daprela; Wiss, Abrashi; Kasami, Toko, Zuber; Seferovic.

Deutschland: Leno; Jung, Neumann, Sobiech, Jantschke; Rudy, Leitner; Beister, Holtby, Esswein; Mlapa.

Bemerkungen: Schweiz ohne Ben Khalifa, Granit Xhaka, Mehmedi, Rodriguez und Shaqiri (A-Nationalmannschaft), Schär (gesperrt) und Moubandje (verletzt). Deutschland ohne Götze, Kroos, Schürrle und ter Stegen (A-Nationalmannschaft), Kirchhoff (gesperrt), Draxler, Gündogan, Herrmann, Rhode und Vukcevic (alle verletzt).